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Glücksspiel kann süchtig machen · Hilfe & Spielerschutz Stand: 20.08.2026

Wahrscheinlichkeitsrechnung im Glücksspiel: Erwartungswert, Hausvorteil, Varianz

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Glücksspiel ist angewandte Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wer die drei Kennzahlen Erwartungswert, Hausvorteil und Varianz auseinanderhalten kann, trifft nüchternere Entscheidungen als jemand, der auf Systeme vertraut. Diese Seite erklärt die Rechnung an konkreten Spielen – ohne Formelapparat, aber mit echten Zahlen.

Der Erwartungswert

Der Erwartungswert beschreibt, was ein Einsatz im Durchschnitt einbringt, wenn man ihn unendlich oft wiederholt. Beim europäischen Roulette gibt es 37 Fächer. Eine Setzung auf eine einzelne Zahl gewinnt mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 37 und wird mit 35 zu 1 ausgezahlt. Auf 37 Euro Einsatz stehen im Schnitt 36 Euro Rückfluss – ein Verlust von einem Euro, also 2,7 Prozent. Diese 2,7 Prozent sind der Hausvorteil, und sie entstehen ausschließlich durch die Null.

Warum die Auszahlungsquote nicht auf die Einzahlung wirkt

Eine Auszahlungsquote von 96 Prozent bedeutet nicht, dass von 100 Euro Einzahlung 96 Euro übrig bleiben. Sie bezieht sich auf das gesamte Einsatzvolumen. Wer 100 Euro einzahlt und dieses Guthaben zwanzigmal einsetzt, hat 2.000 Euro umgesetzt und im Erwartungswert 80 Euro verloren. Dieselbe Rechnung erklärt, warum eine hohe Umsatzanforderung bei einem Bonus teuer wird: Sie erzwingt Einsatzvolumen, und auf Volumen wirkt der Hausvorteil.

Varianz: warum kurze Serien nichts beweisen

Der Erwartungswert gilt auf lange Sicht. Kurzfristig entscheidet die Varianz. Ein Spielautomat mit hoher Varianz kann hunderte Runden ohne nennenswerten Gewinn laufen und dann einmal das Vielfache des Einsatzes ausschütten. Beide Phasen gehören zur selben Verteilung. Deshalb sagt ein guter Abend nichts über die Qualität einer Herangehensweise aus – und ein schlechter ebenso wenig.

Das Gesetz der großen Zahlen wird oft falsch verstanden

Aus dem Gesetz der großen Zahlen folgt nicht, dass sich Ergebnisse ausgleichen. Nach zehnmal Rot wird Schwarz nicht wahrscheinlicher; das Rad hat kein Gedächtnis. Der Anteil nähert sich mit wachsender Anzahl dem Erwartungswert an, die absolute Abweichung kann trotzdem weiter wachsen. Wer diesen Denkfehler vermeidet, fällt auch nicht auf Verdopplungssysteme herein.

Warum Martingale rechnerisch scheitert

Beim Martingale-System verdoppelt man nach jedem Verlust. Das funktioniert, bis eine Verlustserie das Tischlimit oder das Guthaben erreicht – und dann ist der Verlust so groß wie alle vorherigen Gewinne zusammen. Das System tauscht viele kleine Gewinne gegen einen seltenen, sehr großen Verlust. Der Erwartungswert bleibt unverändert negativ, nur die Verteilung der Ergebnisse sieht anders aus.