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Respekt

Am 1. Februar 2018 werde ich fünf Jahre selbständig sein. Eine nicht immer einfache, aber stets aufregende und enorm lehrreiche Zeit. Eine zentrale Lektion: Respekt macht vieles leichter im Geschäftsleben. Wertschätzen solltest du deine Kunden, Dienstleister und Mitarbeiter – vor allem aber dich selbst.


Respekt gegenüber Dienstleistern

Fidget Spinner von Dienstleister neben Keks von Werbekunden

Wenn du auftragsbasiert die Arbeitszeit – und damit die Lebenszeit! – von anderen Menschen in Anspruch nimmst, dann in der Regel darum, weil sie mit ihrer Tätigkeit dich und dein Unternehmen voranbringen. Das ist eine Leistung, die du unbedingt wertschätzen solltest. Mit einer angemessenen Bezahlung, aber auch in der Art und Weise des Umgangs miteinander. Kommuniziere mit deinen Dienstleistern auf Augenhöhe und geize nicht mit Anerkennung, und sie werden es dir mit Engagement danken.

Viele Formen der Wertschätzung sind dabei weder zeitintensiv noch teuer. Neben einem grundsätzlichen freundlichen Umgang sind das beispielsweise Weihnachtskarten nicht nur für Kunden (die Geld einbringen), sondern auch für Dienstleister (die Geld kosten). Gerade weil Dienstleister nicht so mit Präsenten überhäuft werden, wie es bei Budgetverantwortlichen der Fall ist, bleiben kleine Gesten doppelt in Erinnerung.

Auch habe ich mir angewöhnt, Rechnungen nach erbrachter Leistung grundsätzlich in dem Moment zu bezahlen, in dem ich sie erhalte. Mir fehlt das Verständnis für Auftraggeber, die Zahlungsfristen bis zum Letzten ausreizen oder sogar überziehen und Freelancer nach getaner Arbeit teilweise monatelang auf ihre Entlohnung warten lassen, welche manchmal dringend benötigt wird. Und das in Zeiten von Null- oder Negativ-Zinsen. Meine Erfahrung: Mit nichts kann man sich so unkompliziert nachhaltig positiv im Gedächtnis von Freelancern verankern wie mit einer sofortigen Begleichung von Rechnungen. Bei starker Auslastung – bei guten Leuten ist das die Regel – nehmen sie dann beim nächsten Mal eher meine Anfrage an als die von einem Kunden, bei dem sie das letzte Mal ihr Geld erst nach drei Monaten, zig Anrufen und vielleicht sogar einem bösen Brief erhielten.

Respekt gegenüber Werbekunden

Weihnachtspost

Mein Unternehmen bietet keine klassischen Agentur-Dienstleistungen an – Content-Produktion, SEO/SEA-Kampagnen und Business Development machen wir nur für unsere eigenen Projekte. Kunden haben wir aber natürlich trotzdem: Werbekunden (und natürlich Besucher, wenn man so will). Unsere Umsätze werden aktuell etwa zu gleichen Teilen generiert über Partnerprogramme (über Netzwerke wie Affilinet und Awin ebenso wie über Inhouse-Programme etwa von Amazon und Blinkist) und über Direkt-Buchungen, derzeit vornehmlich aus dem Buchbereich von Verlagen und Indie-Autoren.

Auch hier gestaltet sich die Zusammenarbeit erheblich fruchtbarer, wenn sie über ein steriles „Geld für Leistung“ hinausgeht. Direkt-Kunden versuche ich nach ihrer Buchung stets das Gefühl zu geben, sie haben mit der Zusammenarbeit die richtige Entscheidung getroffen und wir tun alles, um einen Erfolg der Promotion sicherzustellen. Dazu gehört etwa die Erreichbarkeit für Rückfragen, umfangreiche Reportings und Analysen sowie On-Top-Leistungen – auch bei Kampagnen, die aller Voraussicht nach einmaliger Natur sind. Der Effekt davon ist durchaus messbar, nämlich in der Zahl von Buchungen, die durch Empfehlungen von früheren Werbekunden zustande kamen, aber auch „weich“ durch einen angenehmen Austausch.

Respekt gegenüber Lesern

Unsere täglichen Leser, visualisiert

Letztlich sind es die Besucher unserer Projekte, die meine Miete bezahlen. Dafür haben es die Leser verdient, ernstgenommen und wertgeschätzt zu werden. Mit hochwertigen und gut erfassbaren Inhalten, die nicht ihre Zeit verschwenden, mit ehrlichen Empfehlungen, mit einem Verzicht auf nervige Werbeformen.

Über unsere Kanäle erreichen wir Tag für Tag mehrere Zehntausend Menschen, über unsere Links werden täglich viele Hundert eBooks gekauft – auf unsere Empfehlung hin, diese eBooks seien tatsächlich lesenswert. Sich von Zeit zu Zeit diese in Online-Reportings ja zunächst einmal sehr abstrakten Zahlen und Daten zu visualisieren, macht demütig.

Respekt gegenüber Mitarbeitern

Mitarbeiterin (amateurhaft selbstgemachtes „Frau schreibt Textnachricht“ Symbolfoto)

Ein Punkt, der nicht vieler Worte bedarf – sollte man meinen. Nun bin ich aber sowohl in der Buchbranche als auch in einem Startup-Umfeld tätig, und in beiden Bereichen sind unbezahlte Praktika, mies bezahlte Einstiegsjobs und XXL-Arbeitstage absoluter Alltag. Das gipfelt in einem Stundenlohn für Werkstudenten und Aushilfen von exakt 8,84 Euro, dem gesetzlichen Mindestlohn (schon oft in Stellenanzeigen gesehen). Nichts schreit dem Mitarbeiter mehr entgegen „wir zahlen dir keinen Cent mehr, als wir unbedingt müssen, weil du uns nichts wert bist“.

Ein Stundenlohn von 10 Euro – oder meinetwegen auch nur aufgerundeten 9 Euro – statt dessen bedeutet überschaubare Mehrkosten, drückt aber einen ganz anderen Respekt vor der Arbeitsleistung und der Lebenszeit aus, die deine Mitarbeiter in dein Unternehmen stecken. Gleiches gilt für die grundsätzliche Bezahlung von Pflichtpraktikanten (wessen Geschäftsmodell ohne den Einsatz von unbezahlten Arbeitskräften nicht tragfähig ist, sollte in meinen Augen einmal grundsätzlich das Geschäftsmodell hinterfragen – Weltverbesserungsvision hin, Förderung schöner Literatur her).

Sogar gänzlich kostenlos ist die verbale Anerkennung der Arbeitsleistung, kurz: Lob, und zwar so detailliert wie möglich. Auch durch die Übertragung verantwortungsvoller Aufgaben kannst du deinen Mitarbeitern Respekt gegenüber bringen. Selbst vermeintliche Kleinigkeiten wie ein gut ausgestatteter Arbeitsplatz, ein eigener Schlüssel (eine frühere Praktikantin von mir konnte es nicht fassen) bis hin zur Außendarstellung des Praktikanten als vollwertiger Mitarbeiter sind ein Ausdruck von Respekt. Und schlagen sich in Engagement, Arbeitsleistung und Atmosphäre nieder, was alles sowohl deinem Unternehmen als auch dir ganz persönlich entgegenkommt.

Respekt gegenüber dir selbst

Hamsterrad von Eyeo: Zahlt auf Bewegung, Bier & Business ein

Es gibt wohl kaum einen Unternehmer, der in der Anfangsphase seiner Selbständigkeit mit einer 40-Stunden-Woche ausgekommen ist. Durchgearbeitete Wochenenden waren auch für mich zu Beginn Usus. Aber ich habe schon sehr früh versucht, meine Arbeit auf klare Zeiten und klare Orte (Home Office nur als Backup zum externen Büro) zu begrenzen und ausreichende Erholzeiten einzuhalten. Mindestens einen Tag pro Woche bleibt der Computer komplett aus, nach Feierabend sind berufliche E-Mails Tabu. Sport, eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und Freizeitaktivitäten, die über das – spaßige aber eben nur bedingt abschaltende – Feierabendbier mit Geschäftsfreunden hinausgehen, fallen ebenfalls in diese Kategorie.

Arbeitskraft bietet die höchste Rendite, ist ein beliebtes und völlig richtiges Kredo in Finanzbloggerkreisen. Ein durchschnittlicher (!) Akademiker verdient in seinem Berufsleben 2,3 Millionen Euro. Schon aus wirtschaftlicher Sicht ist dein eigenes Humankapital ein essentielles Gut, mit dem entsprechend mit Respekt umzugehen ist. Von Aspekten wie dem, das wir nicht für Geschehnisse innerhalb der Bürowände auf der Welt sind und auch unsere Freunde und Familie Respekt verdienen ganz zu schweigen. Aber das ist genug Stoff für einen weiteren Artikel.

Respekt gegenüber deinen Zielen

Status quo

Die richtigen Werkzeuge zu erkennen ist das eine, sie dann auch zu nutzen etwas anderes. So kann es auch bei mir unter der Woche Abends auf einer Party später werden, obwohl mir völlig bewusst ist, dass ich am nächsten Tag ausgeschlafen produktiver bin und ich meinem Körper gerade nicht unbedingt etwas Gutes tue (gerade wenn Alkohol im Spiel ist). Da steht dann schnell das eine Ziel (sozialer Ausgleich) dem Anderen („harte“ Arbeitsbewältigung) gegenüber. Und bei einigen genannten Aspekten habe ich ganz sicher noch viel Luft nach oben, gerade das Thema Mitarbeiterführung ist für mich wie für viele Geschäftsfreunde eine ständige Herausforderung.

Wichtig ist es, seine einmal gefassten Ziele auch im Alltag nicht aus den Augen zu verlieren – und damit auch letztlich Respekt vor den eigenen Entscheidungen und dem eigenen Lebensentwurf zu haben. Das meint nicht einen ausformulierten Businessplan, sondern die Leitplanken, innerhalb derer man sich entwickeln will. Ich werde jeden Morgen an meine beruflichen und privaten Ziele erinnert, wenn ich meinen Kleiderschrank öffne, dort hängen sie nämlich auf drei DinA4-Seiten ausgedruckt in der Innenseite. Natürlich zahlt dann nicht jede einzelne Handlung auf eines der Ziele ein, aber mit einer regelmäßigen Erinnerung und Orientierung ist für mich persönlich schon viel erreicht.

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Kommentare


Jossi 20. Januar 2018 um 12:03

Super Artikel, genau auf den Punkt. Sollte sich jeder, der ein Start-Up beginnt, ausdrucken und in den Kleiderschrank hängen. 😉

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