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Schlagzeug lernen: Das 1×1 für die ersten Schritte

Schlagzeug lernen

Es macht Krach, es ist sperrig und wird bei Konzerten meist ganz hinten auf der Bühne „versteckt“. Es ist nichts für romantische Lagerfeuermusiker, die Frauen beeindrucken wollen oder Rampensäue mit Selbstdarstellungsdrang. Dennoch ist das Schlagzeug als Taktgeber das Herzstück einer jeden Band, Spielen und Lernen ist eine Freude.

Für Laien mag das Schlagen mit Stöcken auf Tierhäute unkoordiniert und roh wirken. Dahinter stecken allerdings viel Training und Multitasking-Fähigkeiten. So wie bei jedem Instrument gilt: Zum Lernen brauchst du Geduld und Ausdauer. Vor allem wenn die Hände nicht auf Anhieb machen, was sie sollen.

Ist Schlagzeug das richtige Instrument für mich?

Du hast dich entschieden, dass du gerne Schlagzeug spielen möchtest und weißt vielleicht schon, dass du dir damit eine große Aufgabe vorgenommen hast. Aber es ist – wie immer – noch kein Meister vom Himmel gefallen und mit vielen kleinen Schritten ist dein Vorhaben kein Ding der Unmöglichkeit. Dennoch solltest du dir im Vorhinein über bestimmte Aspekte Gedanken machen und dir sicher sein, dass das Schlagzeug das richtige Instrument für dich ist.

Das laute Monstrum

Ein Aspekt ist ohne Zweifel die Größe, die ein Drum Set in Anspruch nimmt. Du solltest drei bis vier Quadratmeter einplanen, falls du dir ein eigenes Set zulegen möchtest. Dazu kommt die Lautstärke – ohne zusätzlichen Schutz ist ein Set in einem Mehrfamilienhaus fast undenkbar. Schutzwände können Abhilfe schaffen, sind aber meist sehr teuer. Als Alternative bietet sich auch ein E-Drum-Set an, das du mit Kopfhörern verwenden kannst. Aber auch ein solches Set ist teuer, vor allem wenn es nicht nur wie die Aufnahme eines Blecheimers klingen soll. Auch das Anmieten eines Proberaums ist eine Möglichkeit, die Nutzung und somit auch die Miete kann man sich mit anderen Musikern teilen. Für welchen Weg du dich entscheidest, ist also zum großen Teil eine logistische Frage. Du solltest dir etwas Zeit nehmen, darüber nachzudenken.

Viel in Bewegung

Auch wenn man als Schlagzeuger im Gegensatz zu den anderen Bandmitgliedern die ganze Zeit sitzen darf, verlangt das Spielen dem Körper einiges ab. Viele Schlagzeuger treiben regelmäßig Sport, um Muskelkater und Zerrungen während Auftritten vorzubeugen. Deine Arme und Beine werden ununterbrochen beansprucht und müssen präzise Reaktionen ausführen. Ein fehlender Schlag kann die gesamte Band aus dem Rhythmus bringen. Dir sollte also klar sein, dass dein Hocker kein Platz zum Ausruhen ist. Natürlich hängt das auch ein bisschen davon ab, für welches musikalische Genre du dich entscheidest. Musik mit schnellen Takten beansprucht dich mehr.

Noten lesen – muss ich das zum Schlagzeug lernen können?

Du hast Glück! Das Schlagzeug ist eines der wenigen Instrumente, die zum Lernen und Spielen nicht unbedingt nach Notenkenntnissen verlangen, dafür aber umso mehr nach Rhythmusgefühl. In diesem Bezug kann man das Schlagzeug als sehr ehrliches Instrument bezeichnen. Ein falschplatzierter Schlag wird selbst von einem Laien sofort erkannt, während von einem falschen oder schiefen Riff nur die wenigsten Nicht-Gitarristen überhaupt Notiz nehmen.

Aber auch mit Noten macht  das Schlagzeug es dir gerne leicht: Jede Trommel und jedes Becken besetzen einen Platz im Fünf-Liniensystem. Du musst also nur die Platzierungen der jeweiligen Komponente zuordnen können. Viertel-, Achtel- und Sechzehntelnoten sowie die dazugehörigen Pausen sollten dir eventuell noch geläufig sein. Ansonsten wäre eine kleine Auffrischung gut, bevor du dir das erste Notenblatt zur Hand nimmst.

Ob du mit oder ohne Noten spielen möchtest, solltest du einfach ausprobieren. Ein Metronom kann dir helfen sich zu orientieren, ob dein Schlagrhythmus stimmt. Ansonsten achte auch auf dein Gefühl. Fühlt sich der Takt gut an oder signalisiert dir dein Gehirn ein Störgeräusch? Beim Spielen ohne Noten kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen und deine eigenen Rhythmen kreieren. Eine kleine Basis an Noten-Kenntnissen kann allerdings nicht schaden, um dir den Rhythmus bildlich besser vorzustellen.

Der Aufbau eines Schlagzeugs

Die Grundkomponenten eines Schlagzeugs sind die Bass Drum, die Hi-Hat, die Snare Drum, ein Stand-Tom, zwei Tom Toms, ein Crash- und optional ein Ride-Becken. Bass Drum und die Öffnung der Hi-Hat werden mit einem Fußpedal bedient. Für alles andere benutzt du Schlagzeugstöcke, die es in allen möglichen Größen und Ausführungen gibt. Fürs Erste wird die Hi-Hat, die links von dir steht, dein Taktgeber sein. Sie besteht aus zwei aufeinander liegenden Becken, die mit dem Fußpedal geöffnet und geschlossen werden können. Mit dem Stick schlägst du auf das obere Becken, um den Takt anzugeben. Später kannst du auch andere Becken und Trommeln dafür verwenden.

Wie der Name schon verrät, ist die Bass Drum für tiefe Töne zuständig und du wirst sie sehr sehr viel benutzen, auch sie ist in keinem Takt wegzudenken. Die Snare Drum befindet sich direkt zwischen den Beinen und ist auf ihrer Unterseite mit einem sogenannten Snare-Teppich versehen, der ihr das schöne leichte Rasselgeräusch verleiht.

Die zwei Tom Toms hängen über der Bass Drum und sind meist über Stangen an ihr befestigt. Rechts daneben steht das Stand-Tom, und seitlich hinter den Tom Toms stehen die zusätzlichen Becken auf eigenen Beckenständern. Bei der Anordnung ist es übrigens egal, ob du Links- oder Rechtshänder bist, denn du kannst entweder mit geöffneten Armen oder über Kreuz spielen, so dass sowohl die linke als auch die rechte Hand zur Taktgebung verwendet werden kann. Für den Anfang solltest du dich für die Spielweise entscheiden, die deine starke Hand zum Taktgeber macht.

Grooves und Fill-Ins

Beim Schlagzeug spielen wird meist zwischen den beiden Taktarten Groove und Fill-In unterschieden. Der Groove ist der Standard-Rhythmus, in dem der Takt, wie eben bereits erwähnt, meist von der Hi-Hat angegeben wird. So befinden sich beispielsweise in einem Vier-Vierteltakt vier Hi-Hat-Schläge auf 1, 2, 3 und 4. Bass Drum oder Snare werden dann parallel auf 2 und 4 gespielt. Tada, das ist ein herkömmlicher Groove, den du vermutlich schon tausendfach gehört hast.

Fill-Ins besitzen keine Schläge, die durch den Rhythmus begleiten. Sie befinden sich in Liedern meist in Übergängen, beispielsweise zwischen erster Strophe und Refrain. Am besten verstehst du den Unterschied natürlich, wenn du dir ein Stück anhörst und besonders an diesen Stellen Augenmerk auf das Schlagzeug legst. Bei diesen Übergängen ist Taktgefühl gefragt. Gerät das Fill-In einen außerplanmäßigen Schlag zu lang, passt er nicht mehr zum darauffolgenden Groove.

Schlagzeug lernen mit kleinen Übungen für den Alltag

Auch wenn du noch unsicher bist, ob du dir wirklich ein Schlagzeug anschaffen und lernen möchtest, kannst du dich mit Hilfe von Alltags-Übungen erst einmal mit den Anforderungen vertraut machen. Spiele auf deinem rechten Bein ein paar Vier-Vierteltakte und hebe bei jeder zweiten Note deinen Fuß oder deine linke Hand. Den Variationen und Kombinationen sind dabei keine Grenzen gesetzt. Eine andere Übung: Drehe deine Fäuste umeinander, eine zu dir und eine weg von dir. Du wirst merken, wie schwer es deinem Gehirn fällt, deine Arme unterschiedliche Dinge tun zu lassen.

Keine Frage: Dich wird es am Anfang wahnsinnig machen, wenn deine Hände einfach nicht das tun, was du dir von ihnen wünschst. Bringe sehr viel Geduld mit, denn du musst lernen deine Hände gleichzeitig zwei unterschiedliche Dinge machen zu lassen. Auch die Koordination deiner schwachen Hand ist wichtig. Im Alltag gibt es dafür eine einfache Übung: Verwende deine schwache Hand für leichte Tasks für die du sonst ganz automatisch deine starke Hand verwendest. Türen öffnen, Wasserhähne aufdrehen oder Knöpfe drücken, die Vorgänge müssen am Anfang nicht kompliziert sein und du kannst dich nach und nach steigern.

Percussion – die weite Welt der Schaginstrumente

Es gibt eine unglaublich große Auswahl von Percussion-Instrumenten, und die Instrumente stammen aus aller Welt und können die verschiedensten Töne hervorbringen. Percussion ist die erfinderische und verspielte Zusatzkomponente zum Schlagzeug, und du wirst Instrumente entdecken, die du noch nie gesehen hast.

Congas, Bongos, Regenmacher, Cajons und Kuhglocken gehören zu den bekannteren Percussion-Instrumenten und auch sie können dir den Einstieg ins Lernen des Schlagzeug-Spieles erleichtern. Ihr Klang hängt allein vom angegeben Takt des Spielers ab. Nichts verzerrt den Klang oder kann durch Special Effects etwas retten. Wenn du in deiner Entscheidung ein Schlagzeug zu kaufen oder Unterricht zu nehmen noch unsicher bist, besorge dir ein günstiges Percussion-Instrument und schule dein Taktgefühl. Später kannst du dein Drum Set dann mit Percussion-Instrumenten erweitern. Vor allem in der mittel- und südamerikanischen, aber auch in der afrikanischen Musik sind sie nicht wegzudenken.

Schlagzeug lernen: Welche Unterrichtsform passt zu dir?

Online Schlagzeug lernen

Die Möglichkeiten übers Internet ein Instrument zu lernen werden von Jahr zu Jahr größer. Bekannte Schlagzeug-Magazine veröffentlichen regelmäßig kleine „Workshops“, die den Lernenden mit immer neuen Grooves und Fill-Ins versorgen, die es nachzuspielen gilt. Hunderte Youtube-Channel wollen Hobby-Musikern Basics beibringen und steigern das Interesse, in dem sie Nachspiel-Videos zu beliebten Songs veröffentlichen. Alles kostenlos. Anmeldeseiten mit offiziellen Online-Kursen kosten monatlich ab 25 Euro. Hierfür brauchst du allerdings ein eigenes Set und die Platz- und Lautstärkenfrage kommt wieder auf. Am Preis sollte es allerdings nicht liegen: Ein Einsteiger-Schlagzeug kostet schon lange kein Vermögen mehr. Die günstigsten Sets bewegen sich in einem Preissegment von 150 bis 200 Euro, gebraucht kannst du ein Set bereits für 100 Euro erwerben.

Schlagzeug lernen in der Musikschule

An Optionen mangelt es nicht. Welche Lernweise für dich am besten ist, musst du selbst entscheiden. Kannst du dich selbst leicht motivieren, oder brauchst du jemanden, der dich begleitet und auffordert? Musikschulen, die Schlagzeug-Unterricht anbieten, kannst du in jeder Stadt ausfindig machen und ein eigenes Schlagzeug wirst du, zumindest in der Schnupperphase, nicht unbedingt brauchen. Die Preise sind aber auch weitaus höher als für einen Online-Kurs, dafür geht ein Lehrer aber individuell auf dich ein und weist dich auf deine Fehler hin. Außerdem kannst du in einer Musikschule gut Kontakte zu anderen Musikern knüpfen und mit viel Glück die Mitglieder deiner ersten Band treffen. Aber nicht vergessen:  Auch wenn du ganz hinten sitzt, bist du das Herzstück der Band.

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