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Singen lernen: 16 Tipps und Übungen für den perfekten Start

Wer Musik hört, kennt den Wunsch, einmal so singen zu können wie der Lieblingssänger. Da liegt nahe, es selber einmal auszuprobieren. Sei es beim Karaoke, unter der Dusche oder zusammen mit Kindern – mit der Stimme Melodien nachzuahmen, macht Freude. Kein Wunder, denn Singen steigert das Wohlbefinden und ist gut für die Abwehrkräfte. Doch nur wenige haben wirklich Singen gelernt oder die Zeit und das Geld, um Gesangsunterricht zu nehmen. Mit unseren Tipps und Übungen kannst du deine Stimme schulen und schnell besser singen lernen.

Jeder kann singen lernen!

Eine gute Grundvoraussetzung ist schon einmal die Tatsache, dass eigentlich fast jeder fähig ist, das Singen zu erlernen. Schon Säuglinge können bekanntermaßen sehr laute Töne erzeugen, denn sie beherrschen instinktiv die richtige Technik: die Bauchatmung. Diese Fähigkeit kann man durch Üben wiedererlangen, ausbauen und dann weitaus wohlklingendere Töne erzeugen als ein unzufriedenes Baby.

Beim Singen lernen für eine Gesangsart entscheiden

Vor der Suche nach einem Chor oder einem Gesangslehrer sollte man sich folgende Frage stellen: Interessiert mich klassischer Gesang, oder widme ich mich lieber dem Pop-, Rock- oder Jazzgesang? Der fundamentale Unterschied zwischen den beiden Gruppen ist, dass sich letztere Gesangsarten eher an der Sprechstimme orientieren. Beim klassischen Gesang handelt es sich um eine ganz eigene Kunstform. Die Stimme wird dabei künstlich verändert. Die Stimmlippen werden durch die Stimmknorpel in die Länge gezogen und dadurch dünner – Tild nennt man diese Technik. Von der Sprechstimme ist die dadurch entstehende Klangqualität weit entfernt.

Die eigene Stimme kennenlernen

Singen lernen: Tipps & Übungen für jedes Alter

„Singen zu lernen ist wie eine Reise zu sich selbst“, sagt Uta Habbig, Jazzsängerin und Gesangslehrerin. Die Stimme ist das intimste Instrument, das man verwenden kann, um Musik zu machen. Denn auf die Stimme wirkt sich jede Stimmung und jedes Gefühl aus, wir geben also bei jeder stimmlichen Äußerung viel von uns preis. Wenn du dich also davor fürchtest, dich anderen gegenüber zu öffnen, kann es anfangs etwas schwer sein. Dafür ist Singen zu lernen andererseits auch eine gute Möglichkeit, um solche Ängste zu loszuwerden.

Anatomische Gegebenheiten, die beim Singen grundlegend sind, sind der Kehlkopf und die darin befindlichen Stimmlippen. Diese erzeugen den Klang der Stimme. Deshalb hat jeder Mensch eine ganz eigene Stimmfarbe, auch Timbre genannt. Manche Personen haben zum Beispiel Stimmlippen, die sich nie vollständig schließen. Dadurch entweicht immer etwas Luft, ohne dass sie die Stimmlippen zum Schwingen bringt. Das ist aber nichts Schlimmes, sondern kann sogar als Stilmittel beim Singen eingesetzt werden.

Professionelle Sänger haben sich im Laufe ihrer Ausbildung ein ganzes Repertoire von Varianten angeeignet, mit denen sie die Stimme verändern können. Aber auch, wenn man anfängt, bringt man eine Bandbreite von Einstellungen der Stimme mit. Uta Habbig spricht davon, dass jeder durch Musik, die er gerne hört und mitsingt, vorgeprägt ist. Diese Spielformen der Stimme kann man als Basis nutzen und im Unterricht ausbauen.

Indifferenzlage finden

Jeder Mensch hat eine angeborene Tonreichweite, die man Ambitus nennt. Auch diesen kannst du durch Übung und Unterricht erweitern. Er gründet auf der entspannten Stimmlage, der Indifferenzlage. Diese findest du, indem du die Tonhöhe der Stimme in einem entspannten Gespräch beobachtest. Von da ausgehend kann man daran arbeiten, die Grenzen des eigenen Ambitus auszuweiten.

Gesicht lockern

Um entspannt singen zu können, sollte man das Gesicht, insbesondere die Wangen, aber auch die Kehle und das Zwerchfell lockern. Eine Möglichkeit ist, so zu tun, als ob man gähne. Auch über die Wangen zu streichen kann helfen, das Gesicht beweglicher zu machen und den Mund weiter öffnen zu können – ein Aspekt, der nicht außer Acht zu lassen ist, damit dein Gesang gut zu hören ist!

Anatomie und Technik verstehen

Um keine Beschwerden zu haben und seine Stimme in Stresssituationen wie Auftritten kontrollieren zu können, ist es wichtig, die Technik zu beherrschen. Die betrifft beim Singen lernen besonders die Atmung und das Zwerchfell. Bei Letzterem handelt es sich um einen Muskel, der die Lunge vom Bauchraum abgrenzt. Das Zwerchfell hebt und senkt sich mit der Atmung. Je mehr Druck das Zwerchfell dabei erzeugt, die Luft aus den Lungen zu pressen, desto lauter wird der Ton.
Das Zwerchfell kann man trainieren, indem man mit einem „f“-Laut dreimal kräftigt ausatmet, als wenn man eine Kerze auspusten würde. Auch betont schnell einzuatmen bewegt und lockert das Zwerchfell. Tu dafür so, als ob du dich erschrecken würdest!

Atmung beim Singen

Die Basis des Gesangs ist die Bauchatmung. Die Hochatmung, also das Atmen in den Brustraum, brauchst du, um schnell Höchstleistungen zu erbringen. Für das Singen braucht man jedoch nicht viel Luft. Wichtig ist hier vielmehr, die Atmung so zu kontrollieren, dass man gezielt Töne erzeugen kann. Auch Überanstrengung beim Singen kannst du durch die richtige Atemtechnik vorbeugen.
Um diese zu üben, lege deine Hand auf den Bauch und atme ein. Wenn sich die Bauchdecke hebt, machst du es richtig. Diesen Test kann man auch an den Seiten machen, indem man die Hände an die Taille legt und einatmet. Auch dort sollte sich der Bauchraum weiten, wenn die Atmung zum Singen bestmöglich genutzt werden soll. Der obere Bereich des Rumpfes sollte ebenfalls miteinbezogen werden, weshalb die Hände auch an die Rippen gelegt werden können, um die Weitung des Bauchraumes zu kontrollieren. Hierbei solltest du darauf achten, dass die Schultern entspannt bleiben. Dann verbessert sich die Qualität deiner gesungenen Töne.

Körperanbindung

So nennt man die Vorstellung, dass man den gesamten Körper zum Singen nutzt, um die Spannung aus der Kehle zu nehmen und diese nicht zu überanstrengen. Der ganze Körper dient als Resonanzraum, der die Töne verstärkt, die im Kehlkopf entstehen. Während hohe Töne eher im Kopf und Oberkörper schwingen, spürt man tiefe Töne eher im Bauch.
Auch im Kopf können bestimmte Arten, die Stimme einzusetzen, vorne oder hinten im Kopf klingen. Mit folgender Übung lernst du, zu spüren, wo die Stimme klingt: Versuche, so zu sprechen wie eine Hexe. Dann ahme das Lachen eines Weihnachtsmannes nach. Achte dabei darauf, wo du die Schwingungen der Stimme bemerkst. Die der Hexe müssten weiter vorne, die des Weihnachtsmannes weiter hinten im Kopf zu spüren sein.

Mythos Kopf- und Bruststimme

Auf dem Empfinden, dass die Stimme eher unten oder oben im Körper klingt, fußt auch die Benennung bestimmter Töne als Brust- oder Kopfstimme. Eine solche Unterteilung gibt es aber nicht. Ab einer bestimmten Höhe erreicht man Töne nur noch, indem man die oben erklärte „Tild“-Technik anwendet. Dann zieht man die Stimmlippen künstlich in die Länge. Dies ist jedoch nicht fest an bestimmte Tonhöhen gebunden. Wenn man nämlich mehr Druck ausübt, also das Zwerchfell beim Singen mehr anspannt, muss man erst bei höheren Tönen den Tild anwenden, als wenn man leise singt. Dies wird oft beim Soulgesang gemacht. Die Technik, durch Druck das Benötigen von Tild auf höhere Töne zu verschieben, nennt man Belting.

Singen lernen: Die Haltung

Die Haltung des Körpers sollte gute Voraussetzungen dafür bieten, dass sich die Stimme entfalten kann. Stelle dich dafür mit beiden Füßen fest, aber entspannt hin. Die Knie müssen dabei nicht ganz durchgestreckt sein, sondern flexibel bleiben. Halte den Rücken gerade, die Schultern locker und nicht zu den Ohren gezogen – auch beim Singen von hohen Tönen.

Das Gehör trainieren

Mit dem Gehör vorgegebene Töne erkennen und mit der Stimme nachzusingen ist eine komplexe Angelegeheit. Am Anfang mag das schwer fallen. Ein Grund dafür kann sein, dass das Gehör im Alltag durch die Vielzahl an Geräuschen überfordert ist. Gönne deinen Ohren also ab und zu Pausen oder versuche, Geräusche einzeln herauszuhören.

Stimmpflege

Viel Wasser zu trinken hilft der Stimme, Gift sind dagegen Rauchen und Schreien. Bevor du richtig loslegst, solltest du dich einsingen. Nutze dafür einfache Tonfolgen. Bei Halskratzen helfen Salbeibonbons.

Einsingen

Zu Anfang jeder Übungseinheit sollte man der Stimme erlauben, sich warmzumachen. Dadurch machst du deine Stimme flexibler. Singe ein mittleres C und von da ausgehend D E F G und dann wieder abwärts F E D C. Stimme dann vom C ausgehend einen Halbton höher an und singe von diesem Ton (Cis/Des) aus eine Tonleiter herauf und wieder herunter. Verwende zur Orientierung ein Instrument, eine Stimmgabel oder eine App!

Entspannung und gute Laune

Die Psyche wirkt sich unvermittelt auf die Stimme aus. Denn seelische Anspannung führt zur muskulären Verkrampfung. Der Gesangsapparat wird dadurch beeinträchtigt. Dagegen kann helfen, tief einzuatmen, die Luft anzuhalten, noch einmal einzuatmen und die Luft herauszulassen, indem man kurz hintereinander „f“-Laute macht. Gutgelaunt zu singen ist die beste Voraussetzung, um singen zu lernen. Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein, denn Singen macht gute Laune.

Die richtige Lehrperson finden

Daher ist es auch wichtig, einen geeigneten Gesangslehrer oder die richtige Chorleiterin zu finden. Bei der Suche sollte das Wohlbefinden als oberstes Kriterium dienen: Nach der Stunde darf dir nichts wehtun. Wenn du also Halsschmerzen oder Verspannungen in der Kehle oder den Schultern spürst, lieber noch mal in eine andere Gesangsstunde oder Chorprobe hineinschnuppern!

Singen lernen: Dranbleiben

Die Stimme und das Gehör werden besser, wenn man sie trainiert. Daher sollte man geduldig mit sich selbst sein. Erwarte nicht von Anfang an Höchstleistungen! Spaß und Freude sollten beim Singen im Vordergrund stehen. Und das zahlt sich aus: Schließlich lernt man beim Singen, auch in anderen Situationen die Stimme im Griff zu haben. Das kann sogar bei wichtigen Gesprächen oder Vorträgen hilfreich sein.

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