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Geduld üben: 8 Tipps und Übungen für mehr Gelassenheit im Alltag

Ungeduld ist ein lästiger Alltags-Begleiter, der uns nervös und unausgeglichen macht. Die U-Bahn kommt zu spät, die Warteschlange vor dem Geldautomat scheint endlos und der Rückruf vom potentiellen Arbeitgeber will einfach nicht kommen. Doch diese Situationen können weniger belastend sein, wenn man sie richtig angeht. Geduld begleitet uns in jeder Lebenssituation. Wir geben euch Tipps, wie ihr mit den großen und kleinen Situationen besser umgehen könnt.

Geduld beeinflusst unser ganzes Leben

Auch wenn es ein genaueres Hinschauen bedarf: Die Geduld bestimmt unser Leben von Kleinauf bis ins Erwachsenenalter. Sowohl beruflich, als auch in sozialen Beziehungen und im Suchtverhalten spielt sie eine ausschlaggebende Rolle. Walter Mischel, ein österreichisch-US-amerikanischer Psychologe konnte dies in den 60er Jahren mit seinem Marshmallow-Test beweisen, welcher mittlerweile sogar in verschiedenen Abwandlungen zu Werbezwecken im Fernsehen genutzt wird. Über 500 Kinder bekamen einen Marshmallow vorgesetzt. Wenn sie eine gewisse Zeit warten konnten und das Marshmallow nicht aßen, gab es ein zweites. Manche schafften es, manche nicht. Das Spannende passierte aber erst über zehn Jahre später: Die Kinder, die damals geduldiger waren, waren in ihrer schulischen Ausbildung erfolgreicher, griffen seltener zu Drogen und Alkohol und hatten eine höhere soziale Kompetenz. Selbst 40 Jahre später konnten die Unterschiede in den Lebensweisen der damals geduldigen und ungeduldigen Kinder festgestellt werden.

Die kleinen und großen Momente, die Geduld fordern

Der Test zeigt die großen Auswirkungen, die die Geduld auf uns hat. Diese sind zum Teil genetisch, zum Teil durch Erziehung bedingt. Was aber nicht bedeutet, dass man seine Verhaltensweise im Erwachsenenalter nicht mehr ändern kann. Bevor wir aber zu den aufwändigen und lebensbestimmenden Situationen kommen, die von uns manchmal unerträgliche Geduld erwarten, fangen wir doch einfach mit ein paar kleinen Tipps an. Denn auch auf ein Marshmallow zu warten, wäre uns in einer früheren Lebensphase schwer gefallen.

Im „Jetzt“ leben

Geduld bedeutet auch: Nicht im Morgen leben

Geduld hat immer etwas damit zu tun, sich mit dem Hier und Jetzt abzufinden und sich nicht aus einer unangenehmen Situation „herauszuwünschen“. Ständig quälen uns Gedanken an die Zukunft, oder es belasten uns Erinnerungen aus der Vergangenheit. Den Fokus auf die Gegenwart zu legen, ist der einzige Weg dem Sorgen-Teufelskreis zu entkommen und sich zu entspannen.

Viele Menschen leben so sehr in der Zukunft, in der dann alles perfekt und friedlich ist, dass sie das Jetzt überhaupt nicht richtig wahrnehmen. Das ist ein großer Fehler, den wir mit der Ungeduld begehen. Wir verpassen vieles und warten auf etwas, dass vielleicht ganz anders ausgehen kann. Das frustriert und macht uns zu unausgeglichenen Menschen. Im schlimmsten Fall warten wir dann nur noch auf das nächste Desaster und bleiben sicherheitshalber in Alarmstellung. Ungeduldig sind wir nicht nur, wenn wir uns auf etwas freuen, sondern auch wenn uns etwas Angst macht. Deshalb ist es umso wichtiger sich auf das zu besinnen, was uns gerade beschäftigt und wie wir am besten damit umgehen, anstatt uns tagtäglich die großen Zukunftsfragen vor Augen zu halten und daran zu verzweifeln.

Ungeduldsmomente aufschreiben

Sinnvoll ist es auch zu hinterfragen, welche Alltagssituationen einen ungeduldig machen. Am besten ist es sogar, die Momente auf einem Zettel zu notieren. Gibt es auch Situationen, die einen nervös machen müssten, es aber nicht tun? Was läuft in diesen Situationen anders ab? Vielleicht ist ja direkt ein Muster erkennbar, mit dem man arbeiten kann. Ein weiterer Nutzen dieser Liste ist außerdem, dass bei Erfolgen die Situationen nach und nach weggestrichen werden können und sich die Liste im Idealfall irgendwann auflöst.

Alltägliches Warten nicht persönlich nehmen

So sehr unser Gehirn nach einer Erklärung für diese überflüssige und nervige Situation sucht, es wird keine finden. Wir haben nichts falsch gemacht, warum also müssen wir jetzt endlos lange auf dem Amt sitzen und unseren Tag verschwenden? So simpel es klingt: Die Situation nicht persönlich nehmen, es ist reiner Zufall und es stehen noch viele Leute um uns herum, die genauso wenig mit ihrer Wartezeit anzufangen wissen.

Aufgeschobenes für Wartezeiten nutzen

Gerade heutzutage sind wir ständig Ablenkungen ausgesetzt, wenn wir uns doch eigentlich auf etwas anderes konzentrieren wollen. Das Smartphone bietet mit unzähligen Unterhaltungs- oder Nachrichten-Apps haufenweise Möglichkeiten sich zu beschäftigen. Dann scheint die Warteschlange wie der perfekte Ort, um die vor Monaten gespeicherten Artikel endlich zu lesen oder der Freundin aus dem Ausland auf ihre Nachricht zu antworten. Wie kann man da noch von verlorener Zeit sprechen? Auch dafür kann eine Liste sinnvoll sein, auf der man sich kleine interessante Zeitungsartikel oder Bücher notiert, die man unbedingt noch lesen will, aber gerade nicht dazukommt.

Körperliche Übungen

Auch der Körper kann eine Stütze und ein hilfreiches Instrument für mehr Gelassenheit sein. Beim Yin-Yoga beispielsweise muss der Körper lange in einer Position verharren. Dabei können die Gedanken zur Ruhe kommen, aber dennoch genug Fokus beibehalten, um in der Position zu bleiben. Zusätzlich löst Yin-Yoga Muskelverspannungen und Verkrampfungen. Tägliche kleine Übungen von nur ein paar Minuten können schon entspannen und krampfhafte Gedanken zumindest für eine gewisse Zeit in den Hintergrund befördern. Mehr zu körperlichen Entspannungs- und Meditationsübungen findet ihr in unserem Ratgeber zu mehr Achtsamkeit.

Innere Ruhe finden

Achtsamkeit macht geduldig

Aber allein auf dem Telefon herumdrücken, macht noch kein ruhiges Gemüt. Für kurze Wartezeiten ist es sicherlich eine gute Zwischenlösung. Auf Dauer und für besonders lange Phasen, die Geduld erfordern, reicht diese „Beschäftigungstherapie“ allerdings nicht aus.

In uns ist immer noch irgendetwas, dass sich unbedingt gegen diese Situation stemmen möchte und sich wehrt, diesen Stillstand hinzunehmen. Da helfen auch kein fesselnder Zeitungsbericht oder 83 süße Katzenbilder. Hier kommt der Begriff der inneren Ruhe zum Tragen. Das mag für viele irgendwie esoterisch klingen und nicht wie etwas reales, an dem man arbeiten kann. Von diesem Bild sollte man sich trennen, für die Geduld ist innere Ruhe das A und O.

Viele von euch werden das Gefühl kennen irgendwie dauerhaft aufgewühlt zu sein. Ständig kommt etwas Neues dazu und ständig macht man sich nur Sorgen und hofft das alles läuft wie gehofft. Dabei sehnt man sich nach Ruhe und fragt sich, wann endlich alles vorbei ist und die Entspannung wieder einkehren kann. Oft wartet man aber vergeblich, denn innere Ruhe hat, wie der Name schon sagt, wenig mit äußeren Einflüssen zu tun.

Menschen, die aber über innere Ruhe verfügen, sind nicht so schnell aus der Fassung zu bringen. Sie lassen die Vergangenheit hinter sich und lassen die Zukunft auf sich zukommen. Sie wissen, was sie erreicht haben und welche Fehlschläge sie einstecken mussten. Entscheidend ist allerdings, dass sie sich von ihren Erfahrungen emotional distanzieren können und ihre Fehler nur in einem rationalen Kontext weiter mit sich tragen. Um innere Ruhe zu erreichen, gibt es kein vorgeschriebenes Rezept, das man abarbeiten kann. Man muss in sich hineinfühlen und den Kern für die Unausgeglichenheit finden.
Es kann allerdings helfen sich selbst gut zuzureden. So existiert die These, dass es hilft sich in Gedanken und Selbstgesprächen mit „Du“ anzusprechen anstatt mit „Ich“. Duzt man sich, ist es so als würde man mit einem guten Freund sprechen und geht automatisch sorgsamer mit sich um und neigt zu einer positiveren Einstellung.

Loslassen können

Ein Projekt will und will nicht so funktionieren, wie wir uns das vorstellen und umso länger wir es versuchen, desto frustrierter werden wir. Wir haben uns schon die Zukunft ausgemalt, die uns nach diesem Projekt erwartet und jetzt steht das alles auf der Kippe. Hier heißt es jetzt: Loslassen. Auch wenn das bedeutet einen Schritt zurück zu müssen und damit bereits getane Arbeit als nichtig zu deklarieren. Das ist unangenehm, aber nicht das Ende der Welt.

Aber nicht nur bei großen Projekten, auch in zwischenmenschlichen Beziehungen macht uns das Loslassen von bestimmten Vorstellungen zu gelasseneren Menschen. Dauerhaft erwarten wir von bestimmten Menschen bestimmte Reaktionen. „Warum hat sie jetzt einfach so abgesagt?“, „Das ist nicht die Antwort, die ich hören wollte“ oder „Wieso macht der jetzt sowas? Das ist doch gar nicht seine Art!“. Damit stellen wir ständig Ansprüche an unsere Mitmenschen und sind unzufrieden, wenn diese anders reagieren, als wir uns das ausgemalt haben. Auch von diesen Idealvorstellungen müssen wir ablassen und gerade bei Menschen, die uns am Herzen liegen nicht immer Erbsen zählen. Das tut vor allem uns selbst gut. Nicht nur weil wir gelassener sind, sondern auch weil wir uns mit weniger Erwartungen und Ansprüchen an Dingen, die wir nicht beeinflussen können, in Toleranz üben.

Nicht versteifen

Egal in welche Lebenssituation: Bloß nicht auf etwas versteifen. Klare Ziele sind wichtig, um Erfolg zu haben. Aber manchmal einen Schritt zurück zu machen gibt uns die Chance, das Gesamtbild zu betrachten, Zwischenziele neu zu stecken und Fehler zu vermeiden. Es ist wichtig mehrere Ausgangspunkte in Betracht zu ziehen, aber auch manchmal einfach Dinge auf sich zukommen lassen, anstatt sich den Kopf zu zerbrechen. Die Waage zwischen Kontrolle, Geduld und Gelassenheit muss jeder für sich finden, wichtig ist dabei sich immer wieder zu hinterfragen und in sich hineinzuhorchen. Das mag alles sehr anstrengend und zeitraubend klingen, aber hat man seine Lebensweise erst einmal geändert und integriert sie in den Alltag, wird sie schnell zur Normalität und das Hinterfragen und Loslassen passiert dann ganz von selbst.

Geduld führt dazu, dass man in der Gegenwart lebt und den Moment genießen kann ohne sich Sorgen zu machen. Die Wahrnehmung wird bewusster und nicht nur die großen Ereignisse im Leben werden wertgeschätzt, sondern auch die kleinen Erfolge und Freuden. Außerdem versucht man sich nicht mehr so oft mit anderen zu vergleichen, sondern weiß, dass jeder seine Zeit benötigt, um bestimmte Dinge zu lernen oder zu überwinden.

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