Skip to main content

Investieren in P2P-Kredite: 10 Vorzüge & 3 Risiken von Privatkrediten (+Checkliste)

In Zeiten von Niedrigzinsen werden P2P-Kredite bei Privatanlegern immer beliebter. Sie versprechen hohe Renditen und ein verhältnismäßig niedriges Risiko. Doch welche Kreditarten gibt es und was ist bei der Plattformauswahl zu beachten? Was die Risiken von Privatkrediten sind und warum es gute Gründe für ein solch risikobehaftetes Investment gibt, erfährst du in diesem Artikel.

Was P2P-Kredite sind

Was P2P-Kredite sind

P2P bezeichnet eine Art von Krediten, die Privatpersonen an Privatpersonen vergeben, ohne dass eine Bank zwischen den beiden Parteien vermittelt. Ausgeschrieben bedeutet P2P nichts anderes als Peer to Peer oder auch Private to Private. Das Grundkonzept besteht also immer noch aus dem klassischen Kreditgeschäft, nur ohne Banken. Um in der Praxis auf eine für den Kreditnehmer ausreichende Summe zu kommen, stellt oft eine Vielzahl von Kleinanlegern das Geld zur Verfügung. Genauso wie im Bankengeschäft muss der Kreditnehmer die Investoren mit einem vorher festgelegten Zinssatz entlohnen.

Im Unterschied dazu gibt es auch P2B-Kredite (Private to Business). Hierbei finanziert eine Gruppe von Kleinanlegern ein Unternehmensprojekt als gemeinschaftlicher Investorenkreis. Erreichen die Investoren zusammen einen bestimmten Betrag, kann der Kreditnehmer das Projekt mit dem Geld umsetzen. Erreichen sie das Investitionsziel nicht, fließt das Geld wieder zurück oder eine zweite Finanzierungsrunde startet. Kredite im P2B-Bereich reichen von Immobilienprojekten bis hin zu Geschäftskrediten und der Finanzierung von Start Ups.

Wichtig: Bei allen P2P- oder P2B-Anlagen handelt es sich um ein Hochrisikoinvestment. Es besteht immer die Möglichkeit eines Totalverlusts. Das gesamte Vermögen oder zum Leben benötigtes Geld dort anzulegen ist also nicht ratsam. Du willst selbst einen Kleinkredit aufnehmen? Dann haben wir hier einen Ratgeber für dich.

Wie P2P funktioniert

P2P: So funktionieren Privatkredite

Die Funktionsweise von P2P-Krediten ist simpel. Auf einer Plattform im Netz treffen sich Kreditnehmer und Kreditgeber. Der Kreditnehmer benötigt Geld, entweder für den eigenen Konsum, zum Abbezahlen anderer Schulden oder zur Finanzierung eigener Projekte. Der Kreditgeber möchte sein Geld möglichst sicher und hoch verzinst anlegen. Die P2P-Plattformen bringen beide Parteien zusammen.

In den meisten Fällen legen Investoren hierbei ihr Geld in kleinen Beträgen an und streuen somit ihr Risiko auf verschiedene Kreditnehmer. Auf der estnischen Plattform Bondora lassen sich Kredite beispielsweise ab einem Euro vergeben. Dieser Prozess lässt sich auf vielen Plattformen sogar automatisieren. Damit fällt auch der hohe Aufwand für solche kleinen Investitionen weg.

10 Gründe für ein Investment in P2P

Die Gründe, sein Geld in P2P-Kredite anzulegen sind vielfältig und für jeden Anleger anders. Der wachsende Erfolg der P2P-Branche insgesamt ist auf ein Vakuum zurückzuführen, das die Banken in den vergangenen Jahren hinterlassen haben. Diese haben sich immer weiter aus dem Geschäft mit Kleinstkrediten zurückgezogen. P2P-Anbieter haben die Lücke geschlossen und bieten oft eine unkomplizierte Lösung für sowohl Investoren als auch Kreditnehmer. Welche Vorteile das Investieren in P2P hat, erklären wir dir im Folgenden.

1. P2P hat eine geringe Korrelation mit den Kapitalmärkten

P2P hat eine geringe Korrelation zu Aktien und Anleihen.

Sein Vermögen in verschiedene Anlageklassen aufzuteilen senkt die Volatilität des Portfolios. Je geringer die Anlageklassen hierbei miteinander korrelieren, desto höher ist der Diversifikationseffekt (einzelne Anlagen haben somit weniger Einfluss auf die Gesamtperformance deines Portfolios). Die Korrelation ist somit ein wichtiger Wert, der Auskunft über die Struktur und somit das Risiko des Portfolios gibt. Sie wird meist in einem Wert zwischen -1 und 1 ausgedrückt. Hierbei drückt -1 eine völlige Gegenläufigkeit und 1 eine völlige Gleichläufigkeit zweier Wertanlagen aus. Bei 0 besteht zwischen ihnen komplette Unabhängigkeit. Während große Aktienindizes normalerweise einen Wert zwischen 0,5 und 0,9 besitzen, weisen Aktien und Anleihen eine Korrelation zwischen -0,2 und 0,8 auf.

Die Korrelation von P2P-Krediten und verschiedenen Aktienindizes liegt zwischen 0,1 und 0,2 sowie gegenüber US-Staatsanleihen sogar bei -0,13. Diese Zahlen präsentierte eine Studie von LendingRobot Research für Lending Club, einem großen P2P-Anbieter. P2P-Kredite scheinen demnach bestens als Beimischung zu einem Portfolio mit Aktien oder Anleihen geeignet und könnten das Gesamt-Risiko somit senken. Ebenso lässt sich mit ihnen das Klumpenrisiko von Immobilien vermeiden. Doch ob sich diese geringe Korrelation auch in einer Wirtschaftskrise bewahrheitet, muss sich erst noch zeigen. P2P-Kredite sind eine noch junge Anlageform.

2. P2P-Anlagen sind automatisierbar

Auch im Investmentbereich spielt Zeitmanagement eine große Rolle. Du hast keine Lust auf tägliches Kurse checken oder drei Wochen nach der perfekten Anlage für dein Geld Ausschau zu halten? Dann könnten P2P-Kredite etwas für dich sein. Denn viele Anbieter verfügen über einen sogenannten Auto-Invest. Das bedeutet: Du stellst einmal ein, in welche Kredite du investieren möchtest und von da an passiert alles von alleine. Jedenfalls solange Geld zum Investieren vorhanden ist.

Anfangs solltest du dich ein wenig mit den jeweiligen Einstellungen der Auto-Invests auseinander setzen. Du kannst hier häufig folgende Kriterien einstellen: die Mindestrendite, den maximalen Anlagebetrag pro Kredit, die Laufzeit, die Kreditart, den Darlehensanbahner und einen Restkontostand, den du nicht investieren willst. Anschließend kauft der Auto-Invest automatisch Kredite mit den passenden Anforderungen, wenn diese vorhanden sind. Selbst wenn du unterwegs bist und nicht vor dem Rechner sitzt.

3. Niedrige Investitionsschwelle und hohe Diversifikation

Investitionen in den Aktienmarkt sind meistens erst ab mehreren 1.000 Euro sinnvoll. Das liegt vor allem an den Gebühren der Broker. Eine Ausnahme sind da höchstens kostenlose monatliche Sparpläne. Bei P2P-Krediten ist die Investitionsschwelle bedeutend niedriger. Viele Plattformen bieten Investitionen schon ab zehn Euro pro Kredit an, manche sogar schon ab einem Euro. Gebühren gibt es bis auf wenige Ausnahmen keine.

Somit kannst du auch ohne große Beträge auf deinem Konto zu haben, in P2P investieren. Außerdem ist der Diversifikationsfaktor nicht zu unterschätzen. Legst du etwa 1.000 Euro in 1.000 Krediten an, brauchen dich einzelne Ausfälle nur wenig zu kümmern. Teilst du denselben Betrag allerdings in zweimal 500 Euro auf, wiegt ein Ausfall immens.

4. Transparenz der P2P-Plattformen

Du denkst, P2P-Anbieter sind meist Briefkastenfirmen ohne ein funktionierendes Geschäftsmodell? Vielleicht beruht das Ganze nur auf dem Schneeball-Prinzip und alle Investoren verlieren langfristig ihr Geld? Eine kritische Betrachtung der Plattformen ist vor größeren Investitionen durchaus angebracht. Hierbei wirst du aber feststellen, dass viele Anbieter Informationen über ihre Struktur und Historie gerne bereitstellen.

Plattformen wie Auxmoney, Bondora, EstateGuru oder Mintos halten sich schon seit einem Jahrzehnt am Markt und werden von jeweils mehreren Zehntausend Anlegern genutzt. So gut wie alle Anbieter veröffentlichen zudem ihre Geschäftsberichte und geben regelmäßige Updates zur Kreditvergabe oder zum Rückzahlungsprozess einzelner Projekte. Die oftmals osteuropäische Herkunft der Plattform (häufig im Baltikum) ist damit zu erklären, dass dort die Kreditversorgung der Banken weniger gut ausgebaut ist. Gleichzeitig ist die Bonität der Kreditnehmer schlechter, was die höhere Rendite erklärt. Aber auch in Deutschland gibt es P2P-Anbieter.

5. P2P verspricht hohe Renditen

P2P: Hohes Risiko, hohe Renditen

Deutsche Anleger schätzen das vergleichsweise hohe Zinsniveau bei den P2P-Anbietern. Gerade in Zeiten mit hoher Inflation und Niedrigzinsen für Sparbücher oder Anleihen drängen sich P2P-Kredite mehr und mehr in den Vordergrund. Zinsen jenseits der zehn Prozent sind hier der Maßstab.

Im direkten Vergleich zu einem ETF oder Einzelaktien haben P2P-Kredite zudem den Vorteil, dass sie sich besser vorausberechnen lassen. Immerhin gibt es für jeden Kreditnehmer einen festen Zahlungsplan. Ob die Gewinne dann auch tatsächlich eingefahren werden können, steht angesichts der nicht geringen Ausfallwahrscheinlichkeit allerdings auf einem anderen Blatt.

6. Buyback-Garantie

Viele bekannte P2P-Anbieter bieten eine sogenannte Buyback-Garantie für ihre Anlagen an. Eine solche Rückkaufgarantie tritt dann in Kraft, wenn der Kreditnehmer oder ein Kreditanbahner wieder Erwarten seinen Kredit nicht zurückzahlen kann. Überschreitet der Zahlungsverzug eine bestimmte Frist, springt die Plattform ein und kauft den Kredit zurück. Dem Investor wird nicht nur der Betrag erstattet, er bekommt meist auch die Zinsen sowie Verzugsgebühren gutgeschrieben. Auch wenn eine solche Buyback-Garantie nicht gegen die Pleite der Plattform absichert, das Ausfallrisiko des Kreditnehmers verringert sich für den Investor dennoch.

7. Anlegen mit gutem Zweck

Wer aus moralischen Gründen nicht in Konsumkredite investieren möchte, dem bieten sich im P2P-Markt zahlreiche andere Möglichkeiten. Das kann die Förderung eines jungen aufstrebenden Start Ups oder die Finanzierung eines Baus von Solaranlagen in Kenia sein. Der deutsche Anbieter ecoligo hat sich zum Beispiel auf Crowdinvesting für Projekte mit erneuerbaren Energien in Entwicklungs- und Schwellenländern spezialisiert. Aber auch Immobilienprojekte haben für viele Investoren etwas Erfüllendes. Immerhin können die Kreditgeber sich am Ende anschauen, was ihre Investition in der Welt erschaffen hat.

8. Passives Einkommen

P2P eignet sich gut für den Aufbau eines passiven Einkommens.

Gute Renditen hatten in der Vergangenheit oft einen hohen Preis. An der Börse braucht es viel Fachwissen und teils jahrelange Erfahrung, um als Daytrader keine Verlusten zu machen. Hinzu kommen die unzähligen Stunden der Analyse und der manuellen Investition.

Der Großteil der P2P-Investoren verzichtet auf einen solch hohen Aufwand. Stattdessen nutzen sie Auto-Invests und profitieren von regelmäßigen Auszahlungen aus ihren Anlagen. Du musst also weder manuell kaufen noch verkaufen. Somit eignet sich P2P optimal für den Aufbau eines passiven Einkommens. Damit sich dein Einkommen stetig vergrößert, solltest du Geld sparen und deine Einnahmen stetig reinvestieren.

9. Alternativen zu Tagesgeld

Mit Anlageprodukten wie Bondoras Grow & Go oder auch Mintos Invest & Access wollen die P2P-Plattformen ihren Kunden das Investieren noch einfacher machen. Weil sie den Einstellungen der Auto-Invests immer komplexere Filtermöglichkeiten hinzugefügt haben, waren viele Anfänger überfordert. Bei Grow & Go oder Invest & Access übernehmen die Plattformen beinahe die ganze Arbeit für dich und stellen dir ein diversifiziertes Portfolio zusammen. Wer also keine Lust auf komplizierte Konfigurationen hat, dem reicht auch ein Mausklick und schon geht es los.

Zwar müssen Investoren hier eine niedrigere Rendite in Kauf nehmen, dafür werben Mintos und Bondora beide mit einer täglichen Verfügbarkeit des Geldes. Mit Tagesgeld ist das Ganze allerdings nicht gleichzusetzen. Das Risiko ist immer noch höher als das deines GIrokontos. Dafür erhältst du aber trotzdem eine gewisse Rendite (zwischen 6 und 9 Prozent pro Jahr). Angesichts einer jährlichen Inflationsrate von rund zwei Prozent können solche Tagesgeld-Alternativen eine gute Möglichkeit sein, sein Geld zwischenzuparken.

10. Wenig oder keine Gebühren

Die meisten P2P-Anbieter verzichten auf Gebühren für dein Investment. Sie nehmen sich ihren Anteil bereits aus den bezahlten Zinsen der Kreditnehmer. Damit sind P2P-Investments also meistens mit keinerlei Kosten verbunden, auch nicht beim Ein- oder Auszahlen deines Geldes. Nur einige wenige Anbieter berechnen dir ein bis zwei Prozent pro Anlage. Bei der hohen Rendite fällt das aber ohnehin nicht groß ins Gewicht.

P2P: Welche Kreditarten es gibt

Wer in P2P investieren möchte, sieht sich mit einer großen Vielfalt an Möglichkeiten konfrontiert. Mit der wachsenden Beliebtheit von P2P-Krediten bei Anlegern schossen im vergangenen Jahrzehnt immer mehr Anbieter aus dem Boden. Mit ihnen kamen auch neue Arten von Privatkrediten. Die meisten Plattformen haben sich dabei auf einige Kreditarten spezialisiert.

Verbraucherkredite

Verbraucherkredite sind die typischen Ratenkredite so wie wir sie in Deutschland häufig aus der Kreditnehmer-Perspektive kennen. Mit Ratenkrediten finanzieren sich die Kreditnehmer häufig den eigenen Konsum. Zum Beispiel den Urlaub, Elektronik oder ein Auto. Verbraucherkredite sind die beliebteste Kreditart auf P2P-Plattformen wie Auxmoney, Mintos, Bondora, Viventor, Twino, Viainvest, Iuvo Group, Swaper oder Peerberry.

Payday Loans

Eine besondere Unterform der Verbraucherkredite sind die sogenannten Payday Loans. Das sind Darlehen mit kurzer Laufzeit, meist zwischen sieben und 30 Tagen. Sie dienen den Kreditnehmern zur kurzzeitigen Überbrückung, während sie zum Beispiel auf eine Gehaltszahlung warten. Im Vergleich zu gewöhnlichen Verbraucherkrediten sind sie allerdings hoch verzinst. Kann der Schuldner den Kreditbetrag nicht pünktlich zurückzahlen, kann sich der Zahlungsrückstand schnell anhäufen.

Hypothekenkredite

Mit P2P in Immobilien investieren.

Hier geht es um die Finanzierung einer Immobilie. Das von einer Investorengruppe bereitgestellte Geld verwendet der Kreditnehmer, um eine Immobilie entweder zu bauen, zu kaufen oder zu sanieren. Für die Investoren interessant ist hierbei vor allem der LTV-Wert (Loan-To-Value). Dieser gibt an, wie viel Prozent der Gesamtkosten die Kreditsumme ausmacht. Ein hoher LTV-Wert ist also für den Investor mit einem höheren Risiko verbunden, da der Kreditnehmer einen geringeren Eigenanteil dazugibt. Plattformen wie Estateguru, Bulkestate oder dem deutschen Anbieter Exporo haben sich auf diese Art der Kredite spezialisiert.

Investieren als Anteilseigner

Diese Art der Anlage unterscheidet sich von anderen Immobilienkrediten. Denn hier investierst du nicht in die Finanzierung einer Immobilie, sondern du wirst zu einem Anteilseigner. Das bringt im wesentlichen zwei große Vorteile mit sich. Du bist einerseits an der Wertsteigerung der Immobilie beteiligt und andererseits bekommst du einen kleinen Teil der Mieteinnahmen ausbezahlt. Das Risiko kann allerdings mit Mietausfall und Preisverfall auch in die andere Richtung kippen..

Unternehmenskredite

Geschäftsdarlehen gehen meist an kleine oder mittelständische Unternehmen. Einige Plattformen wie Crowdestor oder die hierzulande bekannten Companisto oder Seedmatch legen ihren Fokus zudem auf das Investieren in Start Ups.

Factoring

Das Factoring ist eine Variante der Geschäftskredite. Hierbei verkaufen Unternehmen ihre Forderungen beziehungsweise ihre offenen Rechnungen an Investoren. In der Praxis ergeben solche Verkäufe von offenen Rechnungen dadurch Sinn, weil besonders kleinere Unternehmen nicht lange auf ausstehende Gelder verzichten können. Hält also ein Großkunde die Zahlungsfrist nicht ein oder setzt diese einfach zu weit in die Zukunft, würden diese Unternehmen in eine finanzielle Schieflage geraten.

Durch Factoring verkaufen die Unternehmen ihren Anspruch auf die Rechnung des Kunden. Sie müssen dadurch nicht auf den ausstehenden Betrag warten und entlohnen die Anleger dafür mit einem gewissen Zinssatz.

Getreide-Kredite

Auf manchen Plattformen kannst du in sogenannte Agriculture Loans investieren. Hierbei fließt das Geld in die Getreidernte. Gleichzeitig sichert der Kreditnehmer das geliehene Geld aber auch mit dem Getreide selbst ab.

Risiken von P2P

P2P-Kredite stellen ein Hochrisiko-Investment dar. Die Verlustgefahr in dieser Anlageklassse ist daher besonders hoch (bis zum Totalverlust). Zinsen jenseits der zehn Prozent sind immer mit einem erheblichen Risiko verbunden. Zwar gibt es im Netz lauter positive Stimmen zum Thema P2P – übrigens auch aufgrund sehr hoher Vermittlungsprovisionen, die diese Plattformen zahlen -, aber das ist keine Garantie für den Erfolg des Modells in den kommenden Jahren. Wie schnell es bergab gehen kann, hat sich erst jüngst im chinesischen P2P-Markt gezeigt, der 2018 nahezu komplett kollabierte. Das Risiko eines Investments in P2P spaltet sich dabei auf die drei folgenden Bereiche auf.

Kreditnehmer zahlen nicht mehr

Kreditnehmer zahlen nicht mehr

Um die Bewertung der Bonität von Kreditnehmern hat sich eine ganze Branche entwickelt. Wer in Privatkredite investieren will, sollte seine Kreditnehmer also bestens kennen. Durch Funktionen wie dem Auto-Invest gerät dieser Aspekt aber immer weiter in den Hintergrund. Wer weiß bei 1.000 Krediten denn noch, wer seine Schuldner genau sind. Fallen zu viele Kreditnehmer aus, kann sich dein P2P-Investment schnell in einen Verlust verwandeln. Hinzu kommt das allgemeine Marktrisiko. Bei einer Wirtschaftskrise steigt die Wahrscheinlichkeit, dass viele Kreditnehmer aufgrund eines Jobverlusts ihre Darlehen nicht mehr zurückzahlen können.

Darlehensanbahner gehen Pleite

Darlehensanbahner gehen Pleite

Die Darlehensanbahner fallen auf den P2P-Plattformen oft gar nicht wirklich auf. Dabei sind sie es, die hauptsächlich für das Zustandekommen des Kreditvertrages verantwortlich sind. Auf den verschiedenen P2P-Plattformen gibt es mal mehr mal weniger Darlehensanbahner zur Auswahl. Teilweise agieren hier auch plattformübergreifend dieselben Unternehmen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass du deine Anlage noch so gut über viele einzelne Kreditnehmer und Plattformen verteilt haben kannst. Wenn hinter 80 Prozent der Kreditverträge derselbe Darlehensanbahner steht, ist das keine ausreichende Diversifikation.

Das Plattformrisiko

Das Plattformrisiko

Ein P2P-Anbieter kann ebenso wie ein Darlehensanbahner Pleite gehen. Und dann ist interessant, gegenüber wem du deine Forderung noch stellen kannst. In vielen AGB der Plattformen steht, dass für diesen Fall ein Insolvenzverwalter die Geschäfte leitet. Manche Plattformen wie zum Beispiel Twino haben deshalb auch eine Rechtsform mit beschränkter Haftung gewählt. Auch die Rückkaufgarantie gilt natürlich nur solange, wie sie sich das die Plattform leisten kann. Anders als bei Banken, verfügen P2P-Anbieter über keine Einlagensicherung, die für solche Fälle als Notrücklage dient.

Um das Plattformrisiko zu minimieren, solltest du größere Investments immer auf mehrere Plattformen, mehrere Darlehensanbahner und viele einzelne Kredite verteilen. Außerdem ist es sinnvoll, auch die Kreditart und die Herkunftsländer der Kredite zu variieren.

P2P: Checkliste für die Anbieterauswahl

P2P-Plattformen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Um die für dich passenden auszuwählen, solltest du auf bestimmte Kriterien besonderen Wert legen. Bedenke auch, dass es nicht die beste P2P-Plattform für jeden gibt und du dein Investment in erster Linie von deiner individuellen Vorstellung von Rendite und Risiko abhängig machen solltest. Übe dich deshalb in Geduld und analysiere die Anbieter bevor du investierst.

  • Gründung der Plattform: Je länger die Plattform am Markt ist, desto besser. P2P ist allerdings ein recht junges Geschäft. Bondora gehört mit einem Gründungsjahr von 2009 bereits zu den alten Hasen.
  • Historische Rendite: Rendite ist eng mit dem zu erwartenden Risiko verknüpft. Die historische Rendite einer Plattform zeigt dir, was du erwarten kannst. Überlege, ob dir die Rendite das Risiko eines möglichen Totalverlustes Wert ist.
  • Herkunft der Plattform: Viele der P2P-Plattformen kommen aus dem Baltikum. Es gibt aber auch deutsche Anbieter. Schaue für dich, womit du dich wohler fühlst.
  • Die Anzahl der Darlehensanbahner: Am besten sollten Plattformen Investments über mehrere Länder und Darlehensanbahner hinweg streuen können.
  • Auto-Invest: Gibt es einen Auto-Invest und wie genau lässt er sich einstellen? Möchtest du dir langfristig ein passives Einkommen aufbauen, ist die Auto-Invest-Funktion ein entscheidender Faktor.
  • Anzahl der Investoren: Investieren viele Anleger auf dieser Plattform, ist das ein gutes Zeichen für dessen wirtschaftliche Gesundheit. Darüber ist die Kreditverfügbarkeit für Investoren meist besser.
  • Öffentliche Geschäftsberichte: Sind die Geschäftsberichte öffentlich einsehbar, spricht allein das für die Transparenz der Plattform. Zusätzlich die Chancen und Risiken der Unternehmen für die Zukunft besser abschätzen

P2P Einnahmen versteuern

Gewinne aus P2P-Anlagen sind Kapitalerträge und werden wie auch Aktien-, oder Anleihengewinne mit der pauschalen Abgeltungssteuer von 25 Prozent zuzüglich dem Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer versteuert. Du musst allerdings erst Steuern auf deine Zinseinkünfte zahlen, wenn du deinen persönlichen jährlichen Freibetrag von 801 oder bei Ehepaaren 1.602 Euro überschreitest. Sollte das der Fall sein, musst du deine P2P-Einnahmen in einer verpflichtenden Steuererklärung angeben.

P2P-Plattformen selbst behalten keine Steuern ein, dazu sind sie auch gar nicht berechtigt. Daher kannst du auch keinen Freistellungsauftrag bei ihnen stellen. Dafür bieten dir die Plattformen meist einfache Tools, mit denen du dir eine Steuerbescheinigung für einen bestimmten Zeitraum erstellen lassen kannst. Dies dauert oft nur wenige Sekunden. Dank einer solchen Bescheinigung musst du nicht jeden Kredit einzeln angeben.

0 votes, average: 0,00 out of 50 votes, average: 0,00 out of 50 votes, average: 0,00 out of 50 votes, average: 0,00 out of 50 votes, average: 0,00 out of 5 (0 votes, average: 0,00 out of 5)
You need to be a registered member to rate this.
Loading...

Ähnliche Beiträge