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Fechten lernen: Regeln, Kosten & 3 Tipps für Anfänger

Beim Fechten geht es um viel mehr, als treffen und nicht getroffen zu werden. Durch die Geschwindigkeit und die vielen Regeln ist es für Anfänger schwierig zu verstehen, was gerade passiert und wer den Punkt bekommt. Wir zeigen dir, wie du die Sportart lernst, was du dafür brauchst und welche Tipps dir beim Start helfen.

Durch Filme wie Zorro oder Fluch der Karibik entsteht oft ein falsches Bild von der Sportart. Beim Fechten geht es nicht nur um das unüberlegte Treffen und Verteidigen. Die Regeln und die Schnelligkeit machen den Sport für Anfänger und Laien kompliziert. Neben der Beherrschung der Regeln sind Fitness, Reflexe, Konzentration und ein gewisses Maß an Empathie entscheidend, um das Gefecht zu gewinnen.

Warum du Fechten lernen solltest

Warum du Fechten lernen solltest

Fechten ist eine sehr vielseitige Sportart. Neben der körperlichen Fitness, Reaktionsvermögen und Koordination ist ein Maß an Empathie wichtig.

In einem Gefecht von maximal neun Minuten bewegst du dich sehr viel. Besonders deine Beine und Oberschenkel werden durch die Beinarbeit und die Fechtstellung trainiert. In dieser Region baust du darum schnell Muskeln auf und Körperfett ab. Außerdem schulst du durch die schnellen Bewegungen dein Reaktionsvermögen und die Koordination von Hand, Bein und Auge.

Ebenso ist im Kampf ein hohes Maß an Empathie von Vorteil. Du musst lernen, deinen Gegner zu lesen. Um Punkte zu erzielen, musst du einen Schritt weiterdenken. Nur wer aufmerksam ist und nachdenkt, kann gewinnen.

Wo du Fechten lernen kannst

Fechten ist ein Hallensport. Im Gegensatz zu klassischen Sportarten kann das Fechten nicht auf zugänglichen Sportplätzen und in frei zugänglichen Sporthallen ausgeübt werden. Nur ausgebildete Fechttrainer dürfen den Sport in Hallen trainieren. Manche Städte bieten sogar eigene Fechthallen an, wo auf eigenen Fechtbahnen trainiert wird.

Insgesamt gibt es 470 Vereine in Deutschland. Trainiert werden entweder verschiedene oder einzelne Waffendisziplinen. Dazu zählen der Degen, das Florett und der Säbel.
Jede Waffe hat ihren eigenen Fechtstil und ihre eigene Dynamik. Sollten im Verein mehrere Waffenarten angeboten werden, trainiere vorher mit allen Waffen, bevor du dich entscheidest. Oft werden dafür Schnupperkurse angeboten, um einen Einblick in den Sport zu bekommen.

Deine Waffen als Fechter

Im Fechten gibt es drei verschiedene Waffen: Der Degen, das Florett und der Säbel. Jede Waffenart hat ihren eigenen Stil und unterscheidet sich in der Ausführung und den Regeln. Aber auch die Dynamik und Taktik variieren zwischen den einzelnen Waffen. Wie sich die Waffen unterscheiden, verraten wir dir im Folgenden.

Degen

Degen

Der Degen ist eine reine Stichwaffe und entwickelte sich Ende des 17. Jahrhunderts. Mit 770 Gramm und einer Länge von 110 Zentimetern ist der Degen die schwerste Waffe. Wie viele Begriffe im Fechtsport leitet sich der Begriff ‘Degen’ vom Französischen ab. Das Wort degue bedeutet ‘langer Dolch’.

Im Gegensatz zum Florett und Säbel gibt es im Degen keine Trefferregeln. Getroffen werden darf der ganze Körper. Ein Treffervorrecht – eine Fechtregel, die bestimmt, welcher Fechter den Treffer erzielt hat – gibt es im Degen nicht. Es geht nur darum, zuerst zu treffen. Bei gleichzeitigem Treffen gibt es den Doppeltreffer. Beide Fechter bekommen einen Punkt, unabhängig von der Aktion. Daher wird im Degen sehr taktisch und abwartend gefochten. Fehler des Gegners werden ausgenutzt, um als Einziger zu treffen.

Florett

Florett

Als zweite Stichwaffe gibt es das Florett. Wie beim Degen sind nur Treffer mit einem gezielten Stoß mit der Waffenspitze möglich. Der Name stammt vom französischen Wort fleur ab und bedeutet ‘Blume’. Der Grund: Früher wurde das Florett als reine Übungswaffe genutzt. Um die scharfe Waffe zu entschärfen, wurde ein blumenartiger Spitzenschutz auf die Klinge der Waffe gesetzt.
Mit 500 Gramm ist das Florett leichter als der Degen. Die Klinge darf eine maximale Länge von 110 Zentimetern haben. Im Gegensatz zum Degen ist die Trefferfläche beim Florett eingeschränkt, getroffen werden darf ausschließlich der Rumpf. Bei Treffern des Kopfes, der Arme oder der Beine wird der Treffer vom Kampfrichter als ungültig gewertet.

Im Florett gibt es ein Treffervorrecht. Diese Regel gibt an, welcher Fechter den Angriff bekommt und den Punkt erhält. Sollten beide Fechter treffen, entscheidet der Kampfrichter anhand dieser Regel, welcher Fechter punktet.

Säbel

Säbel

Der Säbel ist eine Hieb- und Stichwaffe. Im Gegensatz zu den anderen Waffen darf im Säbel zusätzlich mit einem Hieb getroffen werden. Mit insgesamt 105 Zentimetern ist der Säbel die kürzeste der drei Waffen. Das Maximalgewicht von 500 Gramm erreicht der Säbel meistens nicht und ist daher auch am leichtesten.

Getroffen werden darf beim Säbel oberhalb der Gürtellinie, auch der Kopf zählt als Trefffläche. Bei jeder Berührung und jedem Stich wird ein Treffer gewertet. Wie im Florett sind verschiedene Regeln zu beachten, um einen Punkt zu erzielen.

Die Waffe hat eine sehr biegsame Klinge. Beim falschen Abstand oder einer schlechten Verteidigung des Gegners biegt sich die Klinge oft noch über die gegnerische Parade und trifft. Das wird von erfahrenen Fechtern durch eine sehr hohe Geschwindigkeit im Angriff ausgenutzt. Daher ist das Säbelfechten eine sehr dynamische Disziplin.

Grundregeln beim Fechten

Ziel im Fechtsport ist es, das Gefecht mit einer bestimmten Anzahl an Treffern zu gewinnen. In den Vorrunden wird auf höchstens fünf Treffern gefochten, in den K.-o.-Runden auf 15 Treffern. Punkte erzielst du, indem du deinen Gegner triffst, ohne getroffen zu werden. Da oft beide Fechter treffen, gibt es verschiedene Regeln, um einen gleichzeitigen Treffer zu werten. In diesem Absatz zeigen wir dir die wichtigsten Regeln, die dir als Anfänger helfen, Punkte zu erzielen.

Ein Treffervorrecht gibt es nur in den Disziplinen ‘Säbel’ und ‘Florett’. Zum Start jedes Treffers beginnt der Kampf mit einer neutralen Situation. Das Treffervorrecht bekommt derjenige, der zuerst mit seiner Angriffsaktion beginnt. Eine Angriffsaktion ist die Bedrohung der gültigen Trefffläche mit gestrecktem Arm oder durch einen gezielten Schlag auf das obere Drittel der Waffenklinge.

Beginnen beide Fechter mit einem Angriff und treffen gleichzeitig, kann auch kein Treffer gegeben werden. Das nennt man attaques simultanées. Wichtig ist, dass der Fechter den Gegner mit seinem ersten Hieb oder Stich trifft. Sollte dieser daneben schlagen oder ungültig treffen, verliert der Fechter automatisch sein Treffervorrecht.

Der Fechtsport ist schnell. Als Laie ist es oft schwer, die richtigen Entscheidungen zu sehen. Als Faustregel kannst du dir merken, dass meistens der aggressivere Fechter, der sich nach vorne bewegt, den Angriff und das Treffervorrecht erhält.

Durch das schnelle Wechseln des Treffervorrechts wird auf großen Turnieren auch der Videobeweis genutzt. Ist sich der Kampfrichter in den Aktionen der Fechter unsicher oder zweifelt der Fechter eine Entscheidung an, kann sich der Kampfrichter die Aktion noch einmal in einem Video anschauen. Der Fechter darf den Videobeweis im Gefecht zweimal anfordern. Hat der Fechter recht und der Kampfrichter ändert seine Entscheidung, behält der Fechter seine zwei Videobeweise.

Die Parade, gefolgt von einer Riposte, ist die bekannteste Aktion im Fechtsport. Eine Parade ist eine Aktion, bei der der Fechter den gegnerischen Angriff mit seiner Waffe verteidigt und den Schlag oder Hieb auf seiner Trefffläche abwehrt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Hieb und einen Stoß abzuwehren. Je nach Waffenart gibt es unterschiedliche Paraden, die sich in der Ausführung leicht unterscheiden können.

  • Sixt: Parade im Degen und Florett. Geschützt wird die obere Trefffläche auf der Seite des Waffenarms . Beim Angriff wird die Klinge des Gegners mit einer Sixt-Parade nach außen beseitigt.
  • Oktav: Parade im Degen und Florett. Geschützt wird die untere Trefffläche auf der Seite des Waffenarms. Beim Angriff wird die Klinge des Gegners mit einer Oktav-Parade nach unten außen beseitigt.
  • Septim: Parade im Degen und Florett. Geschützt wird die untere Trefffläche auf der gegenüberliegenden Seite des Waffenarms. Beim Angriff wird die Klinge des Gegners mit einer Septim-Parade nach unten innen beseitigt.
  • Prim: Parade im Florett und Säbel, gelegentlich im Degen. Wird von erfahreneren Fechtern genutzt. Geschützt wird die untere Trefffläche auf der gegenüberliegenden Seite des Waffenarms. Beim Angriff wird die Klinge des Gegners mit einer Prim-Parade nach unten innen beseitigt.
  • Terz: Parade im Säbelfechten. Geschützt wird die obere Trefffläche auf der Seite des Waffenarms. Hiebe und Stöße auf die Brust werden abgewehrt.
  • Quint: Parade im Säbelfechten. Der Kopf wird vom Fechter geschützt.
  • Quart: Parade in allen Waffen. Geschützt wird die obere Trefffläche auf der gegenüberliegenden Seite des Waffenarms. Je nach Waffenart unterscheidet sich die Quart-Parade in ihrer Ausführung.

Die Riposte ist die direkte Aktion nach einer erfolgreichen Parade. Sobald der gegnerische Angriff mit einer Parade abgewehrt wurde, wechselt das Treffervorrecht. Sollten nach einer erfolgreichen Parade beide Fechter treffen, erhält der Fechter den Treffer, der zuvor den gegnerischen Angriff pariert hat.

Der Klingenschlag, auch Battuta genannt, ist ein aktiver Schlag auf die gegnerische Klinge. Sobald du bewusst und aktiv die Klinge des Gegners berührst, wechselt das Treffervorrecht. Sollten nach dem Klingenschlag beide Fechter treffen, bekommt derjenige den Punkt, der zuletzt die gegnerische Klinge berührt hat. Der Klingenschlag wird meistens in der Verteidigung genutzt, um das Treffervorrecht zu bekommen. Aber auch im Angriff kann der Klingenschlag genutzt werden, um die gegnerische Verteidigung zu stören und die Trefferoberfläche des Gegners zu öffnen.

Beim Klingenschlag ist darauf zu achten, dass bei der Ausführung die Klinge im oberen Drittel berührt wird. Schlägst du zu tief, kann der Kampfrichter den Schlag als Parade werten, wodurch der Gegner wieder das Treffervorrecht erhält.

Ausrüstung und Kosten

Fechten ist ein teurer Sport. Durch eine mögliche Verletzungsgefahr mit den Waffen muss der Körper mit passender Kleidung gesichert werden. Zur Grundausstattung gehören alle Sicherheitskleider, die dich vor harten Hieben und Stichen schützen. Neben den Jacken tragen die Fechter eine Unterziehjacke, um den Rumpfbereich zusätzlich zu schützen.

Je nach Modell und Ausstatter variieren die Kosten. Du kannst aber allein für die Grundausstattung mit knapp 400 Euro rechnen.

GrundausstattungKosten
Fechtwaffe (nicht elektrisch)50 Euro
Unterziehjacke50 euro
Fechtjacke150 Euro
Fechthose60 Euro
Fechtsocken10 Euro
Fechthandschuh25 Euro
Maske120 Euro
Brustschutz für Frauen25 Euro
Kosten insgesamt:490 Euro

Auf Turnieren wird im Florett und im Säbel mit einer elektrischen Trefferanzeige gefochten. Damit ein Treffer registriert wird, benötigst du in diesen Waffen zusätzlich elektrisches Material und Kabel. Der Kauf von weiterem Zubehör wie Fechtschuhe und Fechttaschen kann sich ebenfalls lohnen.

Zusatzkleidung und -ausrüstungKosten
Elektrische Maske150 Euro
Elektrische Jacke 120 Euro
Elektrischer Handschuh50 Euro
Fechtkabel20 Euro
Fechtschuhe100 Euro
Fechttasche120 Euro
Kosten insgesamt560 Euro

Die Ausrüstungskosten sind im Fechtsport sehr hoch. Als Anfänger ist es sinnvoll, sich die Kleidung in den ersten Trainingsstunden vom Verein auszuleihen. Solltest du Spaß an dem Sport finden und langfristig fechten wollen, lege dir als Erstes eine eigene Maske, einen eigenen Handschuh und eine eigene Jacke zu. Die Waffe kannst du dir zu Beginn vom Verein leihen. Solltest du die komplette Grundausrüstung haben, kannst du deine Ausrüstung Stück für Stück erweitern.

Fechten lernen mit diesen Tipps

Fechten lernen mit diesen Tipps

Für das Fechten brauchst du viel Erfahrung, Training und Motivation. Bis du in der Lage bist, die Treffer aktiv zu setzen, dauert es eine Weile. Als Anfänger ist es schwierig zu verstehen, wann du den Treffer setzen darfst. Erfahrene Fechter wissen, wie sie in bestimmten Situationen fechten müssen. Als Anfänger hast du noch nicht viele Möglichkeiten, um die Treffer zu setzen. Um erfolgreich zu sein, braucht es Zeit und viel Erfahrung. Um dir den Anfang zu erleichtern, haben wir drei Anfängertipps für dich.

Wähle die richtige Waffe

Viele Vereine trainieren verschiedene Waffen. Bevor du mit dem Training beginnst, teste dich vorher aus. Nutze das Schnuppertraining, um alle angebotenen Waffen zu testen und finde heraus, welche Waffe dir am meisten Spaß macht. Durch die Regeln und Dynamik der einzelnen Waffen unterscheiden sie sich sehr untereinander. Vielleicht magst du die Dynamik des Säbels oder die Taktik im Degenfechten. Also hab keine Scheu, die Waffen etwas länger auszuprobieren . Nur so kannst du herausfinden, welcher Stil zu dir passt.

Gehe nicht zu schnell in den Kampf

Der Start in den Fechtsport ist nicht leicht und dauert lange. Haben sich Anfänger für eine Waffe entschieden, wollen sie häufig direkt auf die Bahn gehen. Hab lieber etwas Geduld und trainiere alle wichtigen Schläge und Paraden, bevor du in den Kampf gehst.

Nur mit viel Geduld und Motivation lernst du das Fechten. Am Anfang hast du vermutlich Probleme mit dem Treffen und weißt nicht, wie du dich in bestimmten Aktionen des Gegners verhalten sollst. Mit der Zeit wirst du dir sicherer mit deinen Hieben und Stichen und weißt, wann du das Treffervorrecht hast. Gehe regelmäßig zum Training, um deine Schnelligkeit und Ausdauer zu trainieren. Mit der Erfahrung kommt das Wissen. Trainiere lieber sauber und langsam, bevor du in den Kampf gehst.

Habe keine Angst vor den Waffen

Fechten ist ein Kampfsport. Habe in den ersten Stunden keine Angst, den Gegner zu treffen oder getroffen zu werden.

Als Anfänger ist es für dich ungewohnt, mit einer Klinge aktiv auf den Körper zu schlagen. Mit der Zeit gewöhnst du dich aber daran. Bevor du versuchst dem gegnerischen Schlag auszuweichen, nutze lieber eine Parade, um den Schlag abzuwehren. Mit deiner Ausrüstung bist du gesichert und die Hiebe und Stiche tun nicht weh. Also lass dich nicht verunsichern und hab einfach Spaß am Fechten.

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