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Supervision: 5 Formen + 4 Voraussetzungen für die Ausbildung

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Mit der zunehmenden Komplexität der Arbeitswelt entstehen immer häufiger Konflikte und Probleme, die es zu verhindern oder lösen gilt. Die Supervision ist eine Methode, um diese Angelegenheiten zu klären. Im Folgenden erklären wir dir, wie Supervision funktioniert und was dabei die Aufgaben eines Supervisors sind. Darüber hinaus nennen wir dir alles Wissenswerte zur Supervision-Ausbildung.

Was ist Supervision?

Der Begriff Supervision kommt aus dem Lateinischen und bedeutet auf Deutsch Über-Blick. Im Kontext eines Betriebes oder einer Organisation wird Supervision als Methode definiert, die zur Klärung von Konflikten oder Problemen innerhalb eines Teams, einer Abteilung oder zur Erhöhung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit dient.

Bei der Supervision werden also Einzelpersonen, Teams, Gruppen oder Organisationen bei der Reflexion und der Verbesserung ihres beruflichen Handelns beratend begleitet. Der supervisorische Prozess beinhaltet laut der Deutschen Gesellschaft für Supervision und Coaching (DGSv) folgende Elemente:

  • Reflexion von Erfahrungen, Prozessen und Bedingungen
  • Systematisierung komplexer Zusammenhänge
  • Verstehen von Strukturen und Prozessen
  • Analyse und Lösung von Konflikten
  • Bildungs- und Qualifizierungsprozesse

Was ist ein Supervisor?

Ein Supervisor (deutsch: Aufseher, Betreuer) ist die Person, die diese Supervision-Methode ausführt – also laut Definition eine Person, die innerhalb eines Betriebes Aufseher- und Kontrollfunktionen wahrnimmt.

Genau wie Coach ist Supervisor keine geschützte Berufsbezeichnung. Theoretisch kann sich also jeder Supervisor nennen, ohne die notwendigen Qualifikationen zu besitzen. Es gibt aber renommierte Berufsverbände, die ausgelernte Supervisoren als Mitglieder aufnehmen, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen und eine von ihnen zertifizierte Ausbildung absolviert haben.

Formen der Supervision

Ähnlich wie das Coaching kann Supervision im Einzelgespräch, aber auch im Gespräch mit mehreren Beteiligten erfolgen. Aus der jeweiligen Zusammensetzung der Gesprächsteilnehmer ergeben sich folgende Supervisions-Formen.

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Individuelle Beratung in der Einzelsupervision

Einzelsupervision

Bei der Einzelsupervision unterhalten sich nur der Supervisor und der Klient beziehungsweise Supervisand. Diese Form eignet sich zur persönlichen und individuellen Beratung und Unterstützung. Häufige Anlässe sind die Schwierigkeit der Gestaltung der persönlichen Rolle im Konflikt zwischen Persönlichkeit und Organisation, belastende Ereignisse oder Konflikte am Arbeitsplatz.

Teamsupervision

Diese Form der Supervision wird bei Personen angewandt, die im selben beruflichen Kontext zusammenarbeiten und dementsprechend kooperieren. Dabei können sie sich in unterschiedlichen Fachbereichen oder auch Hierarchieebenen befinden. Zentrale Fragen sind die Kommunikation und Kooperation im Team, die Zielsetzung und Konzeption, sowie Strukturen und Arbeitsabläufe.

Eine Teamsupervision wird oft dann genutzt, wenn Konflikte innerhalb eines Teams die Arbeitsatmosphäre und Arbeitszufriedenheit stören und somit die Produktivität der Mitarbeiter behindern. Zudem kann die Supervision neugebildete Teams unterstützen. Hier hilft die Teamsupervision bei der Entwicklung der Zusammenarbeit, Strukturen, Regeln und Konzepte.

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Personen aus dem selben Fachbereich in der Gruppensupervision

Gruppensupervision oder Fallsupervision

Im Gegensatz zur Teamsupervision zielt die Gruppensupervision auf Personen ab, die im selben Fachbereich tätig sind, aber nicht als direkte Kollegen zusammenarbeiten. Hier kommen Personen zusammen, die sich mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigen möchten. Das können zum Beispiel Fachbereichsleiter verschiedener Einrichtungen sein.

Organisationssupervision

Wenn die Themen der Supervision nicht ausschließlich mit den Anwesenden geklärt werden können, muss unter Umständen die Organisation in den Beratungskontext einbezogen werden. Dann spricht man von einer Organisationssupervision.

Intervision oder Peer-Supervision

Die Intervision ist eine Sonderform der Gruppensupervision. Die Besonderheit ist, dass bei dieser Form kein Supervisor anwesend ist. Die Teilnehmer supervidieren sich dementsprechend gegenseitig.

Ablauf einer Supervision

Wie genau eine Supervision abläuft, ist von der Situation, der gewählten Form der Supervision und dem jeweiligen Supervisor abhängig. In der Regel durchläuft sie folgende Phasen:

  • Problemidentifizierung: Besprechung des Anlasses der Supervision
  • Informationssammlung: Schilderung der Situation, Vervollständigung des Sachverhaltes, Darstellung des Anliegens
  • Reflexion: Schilderung spontaner Einfälle, Bedürfnisse und Gefühle
  • Entwicklung von Lösungsmöglichkeiten: Erarbeitung und Bewertung verschiedener Handlungsoptionen
  • Integration und Evaluation: Rückblick auf Supervision

Einsatz und Ziele von Supervision

Supervision kommt zum Einsatz, wenn sich das Betriebsklima verschlechtert und sich bei den Beschäftigten Frust, Enttäuschung oder sonstige negative Gefühle breit machen. Solch ein Klima kann dazu führen, dass Konflikte zwischen Kollegen oder zwischen Teammitgliedern und dem Vorgesetzten entstehen, oder dass die Mitarbeiter generell unzufrieden und somit unmotiviert sind.

Die Supervision-Methode wird im Gegensatz zur Mediation nicht nur eingesetzt, um bestehende Konflikte zu lösen. Sie wird auch präventiv angewandt, also bevor ein Problem überhaupt entsteht. Häufig findet Supervision in Bereichen Anwendung, in denen die Mitarbeiter psychologisch stark belastet sind. Das ist besonders in medizinischen, sozialen, pädagogischen und therapeutischen Berufen der Fall, da die Beschäftigten vermehrt mit schweren Schicksalen oder ähnlichen Belastungen konfrontiert werden. Durch Supervision können die Betroffenen diese Lasten einem Experten anvertrauen und verarbeiten.

Auch in wirtschaftlichen Betrieben wird Supervision vermehrt angewandt. Die heutige Arbeitswelt ist schnelllebig und ungewiss. Arbeitnehmer und Führungskräfte stehen zunehmend unter Druck und Verantwortung. Durch Supervision können diese Personen frühzeitig Unterstützung bekommen.

Ziele von Supervision sind also:

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Potentialentwicklung als Ziel der Supervision

  • gesteigerte Arbeitszufriedenheit
  • Verbesserung der beruflichen Praxis
  • Auseinandersetzung mit Ansprüchen und Zielen
  • verbesserter Umgang mit beruflicher Überforderung und Stress
  • Reflexion und Klärung der individuellen Berufsrolle
  • Potentialentwicklung
  • Bewältigung von (Team-)Konflikten

Aufgaben eines Supervisors

Wenn das Betriebsklima gestört ist oder ein Beruf die Angestellten generell emotional stark belastet, brauchen sie einen Experten, dem sie diese Probleme anvertrauen können und der ihnen in ihrer Lage Rat geben kann. Als Supervisor hörst du dir die Probleme der Belegschaft an und machst dir ein Bild von der Lage. Du überblickst also als Unbeteiligter die Situation und hast dadurch die Möglichkeit, beratend tätig zu sein.

Die Form der Supervision variiert je nach Situation und kann unter anderem in Einzelgesprächen oder in Gruppengesprächen stattfinden. Die Gespräche können sich auf einen oder mehrere Schwerpunkte fokussieren.

Typische Themenschwerpunkte sind Gefühle und Gedanken der Mitarbeiter, deren Werte, Normen und Charaktereigenschaften, das Verhalten dieser Personen und wie sie das Verhalten anderer wahrnehmen. Zudem kann die Zusammenarbeit eines Teams oder der gesamten Organisation thematisiert werden. Auch die Verteilung von Macht und Verantwortung, die Entscheidungsfindung und die Integration neuer Mitarbeiter können Themen sein.

Du kannst dich als Supervisor auf eine bestimmte Berufsgruppe fokussieren, die du berätst. Das ist idealerweise ein Berufsfeld, in dem du selbst bereits tätig warst oder bist und dementsprechend Erfahrung aufweist. Häufig bist du aber für mehrere unterschiedliche Berufsrichtungen tätig. Trotzdem ist es sinnvoll, dich auf einige Berufsfelder zu fokussieren, um Spezialisierungen vorweisen zu können. So haben potentielle Kunden eine bessere Orientierung und werden sich eher für dich entscheiden.

Geeigneten Supervisor finden

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Zertifizierte Supervisor in renommierten Berufsverbänden finden

Wenn du Supervision in deiner Organisation in Anspruch nehmen möchtest und auf der Suche nach einem geeigneten Supervisor bist, gibt es Orientierungshilfen. Renommierte Berufsverbände wie die die Deutsche Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSv), die Systemische Gesellschaft e.V. (SG) und der Qualitätsring Coaching und Beratung e.V. (QRC e.V.) nehmen zertifizierte Supervisor als Mitglied auf.

Diese Berufsverbände setzen bestimme fachliche Kriterien, eine gewisse Berufserfahrung und Erfahrung im Bereich Supervision voraus. Du kannst dir also sicher sein, dass es sich bei Mitgliedern dieser Verbände um kompetente Supervisoren handelt.

Darüber hinaus setzt jeder Supervisor bestimmte Arbeitsschwerpunkte und ist in bestimmten Branchen und Beratungsanliegen erfahren. Je nach Anlass für die Supervision und Art der Organisation, solltest du also auf der Suche nach einem Supervisor die entsprechenden Angaben beachten.

Kosten einer Supervision

Die Kosten einer Supervision werden vom jeweiligen Supervisor festgelegt und können somit nicht pauschal genannt werden. Meistens beginnen die Preise bei etwa 100 Euro für eine Stunde Einzelsupervision und 150 Euro für eine Stunde Team- oder Gruppensupervision.

Wissenswertes zur Supervision-Ausbildung

Mit der zunehmenden Komplexität der Arbeitswelt wächst auch die Nachfrage nach Supervisoren. Eine Karriere als Supervisor ist also vielversprechend. Im Folgenden erfährst du, ob du geeignet bist, Supervisor zu werden und was dich in der Ausbildung erwartet.

Bevor du dich mit den Inhalten einer Supervision-Ausbildung auseinandersetzt, solltest du dich fragen, ob du überhaupt charakterlich geeignet bist, als Supervisor tätig zu sein. Die fachlichen Voraussetzungen der Supervisor-Ausbildung sind unumgänglich. Frage dich also, ob du sie erfüllst oder ob du die Möglichkeit hast, diese Grundlagen nachzuholen.

Voraussetzungen

Die Grundvoraussetzungen, um Supervisor zu werden, sind recht umfangreich. Die Ausbildung dauert im Vergleich zu anderen Berufen relativ lang. Wenn du die entsprechenden Voraussetzungen erfüllst, kannst du dich entweder in Form eines Masterstudiums an einer Hochschule oder durch eine nebenberufliche Weiterbildung zum Supervisor ausbilden lassen.

Die genauen Voraussetzungen hängen vom Verband ab, über den du die Zertifizierung erhältst, und sind in jeweiligen Richtlinien festgelegt. Bevor du an einer Weiterbildung zum Supervisor teilnehmen kannst, musst du in der Regel Folgendes nachweisen können:

  • abgeschlossenes Studium der Psychologie oder anderen Bereichen wie Soziale Arbeit oder Sozialpädagogik, Erziehungswissenschaften oder Pädagogik, Sozialwissenschaften oder Soziologie, Theologie, Medizin
  • drei Jahre Berufserfahrung
  • Teilnahme an Fort- oder Weiterbildungen im Umfang von 300 Unterrichtsstunden
  • Teilnahme an Supervisionen oder Coaching in unterschiedlichen Formen

Neben den fachlichen Voraussetzungen, solltest du über bestimmte Charaktereigenschaften verfügen, um deine Klienten angemessen betreuen zu können. Folgende Merkmale und Haltungen solltest du mitbringen:

  • Wertschätzung
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    Als Supervisor musst du in der Lage sein, Spannungen auszuhalten

  • Unvoreingenommenheit und Überparteilichkeit
  • Ressourcenorientierung
  • persönliches Engagement
  • sowohl kritische Distanz als auch Einfühlungsvermögen
  • analytisches Gespür
  • Interesse an Unterschiedlichkeiten
  • gesellschaftspolitisches Interesse
  • Fähigkeit, Spannungen auszuhalten
  • Lösungsorientierung
  • Fähigkeit, Perspektiven zu eröffnen

Wenn du alle Forderungen erfüllst, kannst du eine Weiterbildung zum Supervisor antreten. Diese variiert je nach Institution im Zeitumfang, den genauen Inhalten und den Kosten. Du solltest dir also im Voraus Gedanken darüber machen, wie deine Ausbildung aussehen sollte.

Aufbau und Inhalte

Die Supervision-Ausbildung setzt bereits viele fachliche Kenntnisse und praktische Erfahrung voraus. Dieses theoretische und praktische Wissen wird im Laufe der meist mehrjährigen Weiterbildung weiter vertieft, ausgebaut und regelmäßig auf den Prüfstand gestellt.

Die genauen Inhalte variieren je nach Ausbildungsstätte. Wenn du dich entscheidest, dich zum Supervisor ausbilden zu lassen, solltest du dir die detaillierten Beschreibungen der jeweiligen Institutionen anschauen. Einige typische Inhalte der Fortbildungen und Studiengänge sind:

  • Methoden und Techniken in der Supervision
  • Bewältigung von Schwierigkeiten und Störungen in der Supervision
  • Analyse verschiedener Arbeitsfelder
  • Präsenz und Professionalität als Supervisor
  • Supervision als Führungsinstrument
  • Analyse des Zusammenspiels individueller, sozialer und organisationsspezifischer Faktoren in der betrieblichen Kooperation
  • Methoden zur Konfliktlösung
  • Autoritätsmodelle

Im Rahmen der Ausbildung zum Supervisor werden folgende drei Sonderformen der Supervision genutzt.

Lehrsupervision

Als angehender Supervisor begibst du dich mit deinen ersten eigenen Fälle in die Lehrsupervision bei einem erfahrenen Supervisor, dem Lehrsupervisor. Diese Beratung findet als Einzelsupervision oder als Gruppenvision mit maximal fünf Personen statt.

Dabei reflektierst du deine erste Beratungspraxis, deine eingesetzten Methoden und deren Ergebnisse und lernst zusätzlich am Beispiel deines Lehrsupervisors und durch den Gruppenprozess.

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Reflexion der Praxiserfahrung in der Ausbildungssupervision

Ausbildungssupervision

Die Ausbildungssupervision orientiert sich an der Lehrsupervision, zielt aber dabei im Speziellen auf Auszubildende oder Studierende in den Bereichen Therapie, Mediation, Organisationsberatung, Sozialarbeit, Pädagogik und Psychologie ab. Dabei wird ihre erste Praxiserfahrung reflektiert. Bei den Supervisoren handelt es sich um Fachleute des jeweiligen Faches.

Kontrollsupervision

Diese Form der Supervision bietet ausgebildeten Supervisoren die Möglichkeit, ihre Praxis zu reflektieren, schwierige Beratungsprozesse zu besprechen, Routine vorzubeugen und sich sowohl methodisch als auch persönlich weiterzuentwickeln.

Kosten der Ausbildung zum Supervisor

Die Kosten für eine Ausbildung zum Supervisor variieren je nach Institut. Sie hängen zudem von der Art und dem Umfang der Weiterbildung ab. Du kannst mit Gesamtkosten im mittleren vierstelligen Bereich bis zum unteren fünfstelligen Bereich rechnen.

Gehalt als Supervisor

Wie viel du als Supervisor verdienst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zunächst ist ausschlaggebend, ob du selbständig tätig oder als Supervisor fest in einem Unternehmen angestellt bist. Zudem spielt es eine Rolle, wie lange du schon in dem Bereich Supervision tätig bist und wie viel Erfahrung du nachweisen kannst. Bei freiberuflicher Tätigkeit kannst du von einem Stundenhonorar zwischen 40 und 80 Euro ausgehen. Im Durchschnitt verdient ein Supervisor in Deutschland 48.400 Euro pro Jahr. Die Obergrenze liegt bei 58.900 Euro und die Untergrenze bei rund 41.500 Euro.

Die richtige Ausbildung finden

Um die richtige Ausbildung zu finden, kannst du auf den Webseiten renommierter Berufsverbände nach zertifizierten Weiterbildungen und anerkannten Studiengängen suchen. So kannst du sicher gehen, dass es sich um seriöse Ausbildungsangebote handelt, bei denen du am Ende eine entsprechende Zertifizierung erhältst.

Auf den jeweiligen Websites findest du weitere Informationen darüber, wie die Ausbildung aufgebaut ist, welche Inhalte und Schwerpunkte thematisiert werden, welche Leistungen du erbringen musst, über welchen Zeitraum sich die Ausbildung erstreckt und wie hoch die Gebühren sind.

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