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Mediation: 4 Tipps zur Vorbereitung + 4 Alternativen

Viele Konflikte sind sehr schwer zu klären. Eine Mediation hilft bei der Suche nach einer Einigung. Dabei vermittelt ein Mediator zwischen den zerstrittenen Parteien. Wir erklären, wie eine Mediation abläuft und wie du dich am besten darauf vorbereitest.


Was eine Mediation eigentlich ist

Mediationen sind oft emotional

Ist ein Konflikt so festgefahren, dass die Beteiligten alleine keine Lösung finden, kann ein Mediator sie dabei unterstützen. Er agiert als dritte, unabhängige Person und versucht die gestörte Kommunikation mit Denkanstößen  wiederherzustellen. Dazu orientiert sich der Mediator an einem bestimmten Schema, das er nutzt, um das Gespräch der Konfliktparteien am Laufen zu halten.

Damit eine Mediation Aussicht auf Erfolg hat, müssen sich die Konfliktpartner freiwillig dazu bereit erklären, selbstständig nach einer Lösung für ihre Probleme zu suchen. Einigen sich die Beteiligten im Laufe der Mediation, verhindert das womöglich sogar ein Gerichtsverfahren.

Der Mediator spricht sich niemals für eine konkrete Position aus, sondern bleibt stets neutral und sorgt für eine respektvolle Gesprächsatmosphäre. Dazu braucht er Durchsetzungsvermögen und muss allen Beteiligten ein gleiches Maß an Empathie entgegen bringen. Denn nur wenn niemand bevorzugt wird, kann schlussendlich eine Lösung gefunden werden, mit der alle zufrieden sind. Für eine erfolgreiche Vermittlung spielt auch die Lebens- und Berufserfahrung des Mediators eine entscheidende Rolle. Neben den zu klärenden Sachfragen sind nämlich häufig starke Emotionen im Spiel, von denen sich der Mediator nicht beeindrucken lassen darf.

In der Regel werden Mediationen von professionell ausgebildeten Mediatoren durchgeführt. Häufig sind das Juristen, die eine Zusatzausbildung gemacht haben. Rechtlichen Rat dürfen Mediatoren aber nicht geben. Brauchst du eine Rechtsberatung, musst du dir unabhängig von der Mediation einen externen Anwalt suchen.

Im privaten Bereich finden Mediationen häufig nach Scheidungen statt oder wenn es einen Erbschaftskonflikt gibt. In Firmen gibt es Mediationen innerhalb eines Betriebs aber auch zwischen zwei zerstrittenen Betrieben. Im Folgenden erklären wir, wie eine Mediation abläuft und wie du dich auf eine bevorstehende Mediation vorbereitest.

Wann ein Mediator helfen kann

Konfliktmanagement mit Mediation

Bei einer Mediation vermittelt ein unabhängiger Mediator in einem Konflikt zwischen zwei Parteien. Eine Mediation ist insbesondere dann eine gute Idee, wenn du und die andere betroffene Person weiterhin miteinander auskommen wollt. Ein Mediator hilft euch dabei eure Beziehung zu erhalten oder sie wiederherzustellen. Das gelingt, indem er keine Entscheidungen trifft, sondern euch dabei unterstützt allein einen Kompromiss zu erarbeiten.

Bei einer Mediation ist nicht nur Kommunikation, sondern auch Kreativität gefragt. Häufig finden sich im Gespräch Lösungen, an die keiner der Beteiligten zuvor gedacht hat. Diese Lösungen tragen im besten Fall dazu bei, dass zukünftige Konflikte gar nicht erst entstehen.

Basiert eine Meinungsverschiedenheit auf einer generellen Unzufriedenheit in der Beziehung zweier Menschen, eignet sich eine Mediation ebenfalls gut zur Konfliktlösung. Im Gespräch werden Hintergründe analysiert und erklärt. So kann ein Grundkonflikt identifiziert und aus der Welt geschafft werden.

Fühlst du dich dazu gezwungen an einer Mediation teilzunehmen oder bist auf Streit aus und hast Rachegedanken, bringt die Methode gar nichts. Nur wenn alle Beteiligten freiwillig daran teilnehmen und bereit sind über den bestehenden Konflikt zu sprechen, haben sie die Möglichkeit selbstständig eine zufriedenstellende Lösung zu finden. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nämlich in der Kommunikation und im Versuch, die Perspektive der anderen Person nachzuvollziehen und ihr gegebenenfalls verzeihen zu können.

Ziele einer Mediation

Das Ziel einer Mediation ist die Konfliktparteien dazu zu bringen, sich einander anzunähern und in Eigenregie eine Lösung für ihren Streit zu finden. Der Mediator agiert dabei als neutrale Instanz und gibt allen Beteiligten die Möglichkeit persönliche Blickwinkel zu erläutern und Wünsche zu äußern. Es werden keine Lösungswege vorgegeben und niemand bevorzugt, damit die erarbeitete Lösung für alle ein Gewinn ist und die allgemeine Situation verbessert wird.

In einer Mediation werden also Regelungen definiert, mit denen ein Konflikt beigelegt werden kann. Beide betroffenen Parteien einigen sich einvernehmlich auf diese Regeln, die danach verbindlich in Kraft treten. Die Regeln müssen für alle Beteiligten umsetzbar sind.

Bei einer erfolgreichen Mediation gibt es keine Verlierer. Im besten Fall lernst du dein Gegenüber sogar besser kennen und entwickelst ein Verständnis für die andere Perspektive. Es ist sehr wichtig, dass du respektvoll bist und den anderen so behandelst, wie du auch gerne behandelt werden möchtest.

Ablauf der Mediation: fünf Phasen

Bei einer erfolgreichen Mediation kommt es am Ende zu einer Einigung

Eine Mediation läuft immer nach einem speziellen Schema ab, das in fünf Phasen unterteilt ist. Im Laufe der Phasen lernen die Beteiligten miteinander zu kommunizieren und ihre Wünsche und Hoffnungen zu teilen. Gegenseitiges Ausreden lassen und Zuhören spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Der Mediator leitet den Prozess an und orientiert sich dazu an einem Mediationskonzept. Dieses basiert darauf, dass die Betroffenen selbständig und in Eigenregie über den Konflikt sprechen, ihn analysieren und kreative Lösungsansätze erarbeiten. Das hilft nicht nur in einem konkreten Fall, sondern ist auch eine Möglichkeit zukünftigen Konflikten vorzubeugen. Je nachdem wie bereitwillig du und dein Gegenüber verhandelt, dauert eine Mediation unterschiedlich lange. Es braucht aber fast immer mehrere Sitzungen, bis eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird.

Eröffnungsphase

Zu Beginn der Mediation erklärt der Mediator, wie die Methode funktioniert, welche Phasen ihr durchlaufen werdet und was euer Ziel ist. Gemeinsam legt ihr Verhaltensregeln fest, an die du dich während aller Sitzungen halten musst. Zu diesen Regeln gehören unter anderem, das gegenseitige Zuhören und das Ausreden lassen. Beleidigungen sind nicht erlaubt. Außerdem vereinbart ihr mit dem Mediator, unter welchen Umständen er wie in das Gespräch eingreifen darf, damit es produktiv bleibt und ihr schnellstmöglich eine Lösung erarbeitet. Sind die formellen Fragen beantwortet und die Regeln festgelegt, unterschreiben alle Anwesenden einen Mediationsvertrag.

Themensammlung

Die Themensammlung ist eine Art Brainstorming

Noch in der ersten Sitzung geht es dann mit der Themensammlung weiter. Du bekommst die Gelegenheit, das Problem aus deiner Sicht zu schildern. Dein Konfliktpartner darf dich dabei nicht unterbrechen. Eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht. Der Mediator achtet aber darauf, dass beide Parteien ungefähr gleich lang sprechen. Hast du deine Standpunkte, Wünsche, Erwartungen und Ziele ausreichend erklärt, ist dein Gegenüber dran und schildert die Ereignisse aus seiner Sicht.

Versuche deine Emotionen währenddessen so gut zu kontrollieren wie möglich, auch dann, wenn dich Aussagen deines Konfliktpartners aufregen. Es hilft niemandem, wenn die Situation eskaliert. Dann muss die Sitzung unterbrochen oder im schlimmsten Fall beendet werden.

Es ist Aufgabe des Mediators die angesprochenen Themen schriftlich festzuhalten, damit später darüber diskutiert werden kann und du nicht den Überblick verlierst. Der Mediator stellt immer wieder Rückfragen. Außerdem fasst er zusammen, was bereits gesagt wurde, damit möglichst alle Themen angesprochen werden, die mit dem Konflikt zu tun haben.

Die Themensammlung funktioniert wie eine Art Brainstorming, bei dem du alles ansprechen darfst und sollst, was dich stört. Zum Abschluss jeder Sitzung fasst der Mediator zusammen, was erarbeitet wurde, damit du dich besser auf das nächste Mal vorbereiten kannst.

Hintergründe

Durch gezielte Nachfragen kitzelt der Mediator Bedürfnisse und Gefühl hervor, von deren Existenz du womöglich selbst noch nichts wusstest. Dabei kommunizierst du nicht direkt mit deinem Gegenüber, sondern immer über den Umweg des Mediators. Er leitet deine Anliegen als Vermittler weiter. So arbeitet ihr gemeinsam Interessen und Wünsche heraus, die Rückschlüsse auf einen Grundkonflikt zulassen. Es gibt auch die Möglichkeit Einzelgespräche mit dem Mediator zu führen, allerdings nur wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind.

Erarbeiten von Lösungsoptionen

Im besten Fall beginnen die Gespräche erst in der zweiten Sitzung. Dann hast du noch einmal Gelegenheit, dir über die angesprochenen Punkte Gedanken zu machen und eventuell schon einen Lösungsvorschlag zu formulieren. Kommunikation ist hier das A und O. Nur wenn sich alle Beteiligten bemühen, die Gegenseite zu verstehen, findet sich eine nachhaltige Lösung.

Vielleicht sieht es während der Gespräche eine ganze Zeit lang so aus, als hättet ihr fast eine Lösung gefunden und dann entwickelt sich doch alles in eine völlig andere Richtung. Das ist kein Problem, solange alle Streitparteien mit dieser Entwicklung einverstanden sind. Tipps zum erfolgreichen Diskutieren gibt es hier.

Abschlussvereinbarung

Die Ergebnisse werden in einer Abschlussvereinbarung festgehalten

Habt ihr eine Lösung erarbeitet, wird in der Regel eine Abschlussvereinbarung formuliert, in der die Einigung schriftlich festgehalten ist. Je nachdem um welchen Fall es sich handelt, bittest du einen Anwalt darum das Schreiben nach euren Wünschen zu verfassen oder zumindest einmal darüber zu lesen, wenn ihr es gemeinsam formuliert habt. Was genau in der Abschlusserklärung steht, bestimmst du und dein Konfliktpartner selbst.

Frage einen Außenstehenden nach Formulierungshilfen, wenn du dir diesbezüglich nicht sicher bist. Achte aber unbedingt darauf, dass deine Wünsche im Text genau wiedergegeben werden. Nachdem das Schreiben formuliert ist, liest der Mediator es laut vor und alle Beteiligten unterzeichnen die Abschlusserklärung.

Tipps für eine erfolgreiche Mediation

Eine erfolgreiche Mediation braucht klare Worte

Bei deiner ersten Mediation bist du wahrscheinlich nicht ganz sicher, was dich erwartet. Folgende Tipps helfen dir dabei, dich auf die bevorstehende Vermittlung vorzubereiten.

Geh entspannt an die Sache heran

Mach dir vor der ersten Sitzung nicht zu viel Druck. Der Mediator erklärt ganz genau, wie die Mediation abläuft, und unterstützt dich im gesamten Prozess. Sei selbstsicher und lass dich von nichts aus dem Konzept bringen. Vielleicht hilft es dir vor den Sitzungen zu meditieren. Beginnst du ein Treffen mit freiem Kopf, bist du entspannter und deine Gedanken können sich besser entfalten. Tipps für mehr Entspannung gibt es hier, Entspannungstechniken findest du hier. 

Lege dir im Voraus Argumente zurecht

Nach jeder Sitzung fasst der Mediator die Ergebnisse zusammen. Rufe dir diese Zusammenfassung vor dem nächsten Treffen unbedingt noch einmal ins Gedächtnis. Dann kannst du dir bereits Argumente zurechtlegen, die deinen Standpunkt bekräftigen. Notiere dir zu Hause, was du unbedingt ansprechen möchtest. Dann vergisst du im Ernstfall nichts und bist auch für stressige Situationen gewappnet. Eventuell hilft es dir auch eine persönliche Mindmap zum Thema anzufertigen, die du zu einem Treffen mitbringst.

Hab keine Hemmungen

Hab keine Hemmungen unangenehme Dinge anzusprechen. Eine Mediation ist die perfekte Gelegenheit dazu, alle Störfaktoren einer Beziehung aus dem Weg zu schaffen. Oftmals sind es unangenehme Dinge, die zu einem Konflikt führen. Versuche nicht dein Gegenüber zu schützen, indem du peinliche Details auslässt. Bleibe bei deinen Ausführungen, aber immer respektvoll.

Sprich klare Worte

Stelle deine Perspektive mit klaren und deutlichen Worten dar, anstatt schwammig um deine Wünsche herumzureden. Dann kann dein Gegenüber besser nachvollziehen, was du meinst, bekommt einen Einblick in deine Sichtweise und versteht deine Standpunkte und Ziele besser.

Alternativen zur Mediation

Alternative Möglichkeiten zur Konfliktlösung

Ein festgefahrener Konflikt lässt sich nicht nur mit einer Mediation lösen. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die sich dazu eignen. Auch zur Vorbeugung von Konflikten gibt es Strategien. Kannst du dich weder mit dem Gedanken an eine Mediation anfreunden noch mit der Idee vor Gericht zu ziehen, hast du folgende Optionen.

Schlichtung

Bei einer Schlichtung ist eine unabhängige Person anwesend, die dazu befugt ist Lösungswege vorzuschlagen und dich und dein Gegenüber davon zu überzeugen. Häufig darf ein Schlichter einen Fall sogar entscheiden. In einer Schlichtung werden die Konfliktparteien nicht selbst aktiv und finden eine Lösung, sondern müssen einen Vorschlag annehmen. Daher kann es gut sein, dass du mit dem erarbeiteten Ergebnis nicht zufrieden bist. Im Unterschied zum Mediator gibt ein Schlichter Ratschläge und ergreift womöglich Partei für eine Seite.

Kooperative Verhandlung führen

Diese Option kommt nur dann in Frage, wenn du in der Lage bist konstruktiv mit der anderen Person zu verhandeln, ohne dass das Gespräch in einem Streit endet. Eine kooperative Verhandlung findet nämlich ohne Vermittler, nur in Anwesenheit der beiden Konfliktparteien statt. Sie ist deutlich kürzer als eine Mediation, da keine Themen gesammelt oder Hintergrundgespräche geführt werden. So hast du die Möglichkeit schnell Kompromisse zu schließen. Pass aber auf, dass die Verhandlung gut geführt wird, sonst wirst du möglicherweise über den Tisch gezogen. Informiere dich also vorab umfassend über alles, das besprochen werden soll. Ein großer Nachteil von Verhandlungen ist, dass dabei die Konflikthintergründe nicht angesprochen werden. Du hast also keine Möglichkeit dich in die Perspektive der Gegenpartei hineinzudenken und diese nachzuvollziehen.

Konfliktmoderation

Diese Methode funktioniert ähnlich wie die direkte Verhandlung, allerdings wird eine dritte unabhängige Person hinzugezogen, die das Gespräch moderiert. Der Moderator achtet ausschließlich darauf, dass die Kommunikation funktioniert und weist auf Missverständnisse hin. Er wiederholt nichts und stellt auch keine Rückfragen. Genau wie eine Verhandlung funktioniert eine Konfliktmoderation nur, wenn die Parteien gewillt sind konstruktiv miteinander zu sprechen und der Konflikt nicht ganz so tief sitzt.

Supervision

Bei einer Supervision wird das Verhalten einer ganzen Gruppe analysiert

Eine Supervision ist eine Beratung, die Konflikte verhindern soll, indem strukturelle Probleme beseitigt werden. Sie hilft also nicht in einem konkreten Fall, sondern verhindert, dass es überhaupt zu einem Streit kommt. Eine Supervision wird häufig in Firmen durchgeführt, wenn es potenziell Probleme innerhalb einer Gruppe geben könnte. Ein Supervisor geht auf einzelne Beteiligte ein und analysiert das Verhalten der gesamten Gruppe. So erkennt er, welche Situationen und Verhaltensmuster Konfliktpotential haben und arbeitet mit den Betroffenen an einer Umstrukturierung. Wichtig ist, dass zu Beginn genau festgelegt wird, wie der Prozess ablaufen soll, damit sowohl der Supervisor als auch die potenziellen Konfliktparteien mit dem Ablauf einverstanden sind.

Ausbildung zum Mediator

Mediator ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Seit 2012 gibt es aber ein Mediationsgesetz, in dem einige Regeln festgehalten sind. Firmen engagieren in erster Linie zertifizierte Mediatoren, die ihr Wissen in einer Aus- oder Weiterbildung erlernt haben. Auch im privaten Bereich verlassen sich die meisten Menschen lieber auf Mediatoren, die Erfahrung haben und genau wissen, wie eine Mediation funktioniert.

In der Ausbildung zum Mediator lernst du die fünf Phasen einer Mediation kennen, beschäftigst dich mit den Grundlagen der Verhandlungsanalyse und Moderationstechniken und wirst über rechtliche Rahmenbedingungen aufgeklärt. Juristen lassen sich gerne zu Mediatoren ausbilden, weil sie bereits Erfahrung in der Verhandlungsführung haben. Solche Vorkenntnisse sind für eine Ausbildung von Vorteil, aber nicht zwingend notwendig.

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