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Panikattacken und Agoraphobie: Ursachen, Symptome und 5 Bewältigungsstrategien

Viele Menschen leiden unter Panikattacken oder Agoraphobie. Die Entwicklung dieser Angststörungen erfolgt schrittweise. Dabei gibt es wirksame Strategien, um frühzeitig einzugreifen oder wieder in den Alltag zurückzukehren.

Panikattacke Definition

Eine typische Panikattacke ist eine körperliche und psychische Reaktion auf eine scheinbare Bedrohung. Um diese zu überleben, setzt der Körper zusätzliche Energie frei. Den Betroffenen ist oft selbst nicht bewusst, was gerade mit ihrem Körper geschieht. In der Regel dauert eine Panikattacke nur wenige Minuten an. Es kann aber ebenfalls sein, dass sich die physische Reaktion zurückhält und die Psychische über einen längeren Zeitraum ausdehnt. Beide Ausprägungen haben gemein, dass sie oft nicht als Panikreaktion identifiziert werden.

Einmal aufrechterhalten, kann es passieren dass sich die Panikattacken häufen. Körper und Geist schätzen die Umgebung fortan unnötig oft als bedrohlich ein. Es entwickelt sich eine Panik vor der Panik. Orte, an denen schon einmal eine Panikattacke aufgetreten ist, werden gemieden. Die Menschen, die sich in diesem Teufelskreis befinden, leiden unter der Panikstörung Agoraphobie. Sie warten regelrecht auf die Symptome, die ihre Attacke bestätigen und leben in ständiger Angst. Frauen sind öfter betroffen als Männer.

Panikattacke Symptome

Bei einer typischen Panikattacke reagiert der Körper sehr stark. Er bereitet sich auf Flucht oder Kampf vor. Da diese überschüssige Energie nicht freigesetzt wird, implodiert er regelrecht. Oft beginnt die einige Minuten andauernde Reaktion mit einem Engegefühl der Brust (Dyspnoe). Es folgen Atemnot und Hyperventilation. Es entsteht das Gefühl einer drohenden Ohnmacht. Herzrasen verstärkt die Angst, durch einen Herzinfarkt sterben zu können. Schweißausbrüche und Hitzewallungen, Kälteschauer und Zittern sowie Übelkeit, Mundtrockenheit und Schluckbeschwerden sind ebenfalls Begleiterscheinungen, die den körperlichen Ausbruch noch unangenehmer machen. Bei einer Panikattacke verliert der Betroffene die Kontrolle über seinen Körper und lässt sich nur noch von seiner Angst leiten. Kribbeln und Taubheitsgefühle können auftauchen. Folge sind eine derealisierte Wahrnehmung, Entfremdung und Depersonalisation. Die Sicht verschwimmt und man fühlt sich der Welt nicht mehr gewachsen. Die Umgebung und der eigene Körper scheinen fremd zu sein.

Die Symptome bei einer akuten Panikattacke sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Es müssen auch nicht alle zur selben Zeit vorkommen. Wenn mindestens vier der aufgezählten Symptome ohne Vorerkrankung vorliegen, ist eine Panikattacke wahrscheinlich. Eine folgende Untersuchung beim Hausarzt gibt Gewissheit.

Symptome für Agoraphobie

Die andauernden Panikattacken führen zu sozialem Rückzug und Unselbstständigkeit. Die Angst, dass etwas schlimmes passieren könnte, leitet Handeln und Denken. Sie bestimmt den gesamten Alltag. Je nachdem in welcher Stufe sich der Betroffene befindet, wird auch der Beruf vernachlässigt. Einfachste alltägliche Erledigungen wie beispielsweise einkaufen zu gehen werden zum Horrortrip.

Menschenansammlungen: Ein Graus für Menschen mit Agoraphobie

Die eigene Wohnung ist der einzige Ort, der noch Schutz zu bieten scheint. Die Angst vor einer Panikattacke bezieht sich hierbei in erster Linie auf Menschenansammlungen und öffentliche Plätze. Betroffene haben Angst sich zu blamieren, wenn sie eine Attacke erleiden und ihre Symptome nicht verstecken können. Sie fühlen sich schutz- und hilflos. Situationen, aus denen man nicht einfach flüchten kann, werden besonders vermieden. Unter Aufenthalten im Bus, Flugzeug oder Aufzug leiden Menschen mit Agoraphobie am meisten. Offene Flächen, die es allein zu überqueren gilt, werden ebenfalls gemieden. Eine Begleitperson kann die Angstzustände lindern, fördert aber die Abhängigkeit des Betroffenen.

Ursache von Panikattacken

Eine Panikstörung entsteht durch eine Art falschen Alarm im Körper, der eine akute Lebensgefahr vortäuscht. Einmalige Panikattacken können verschiedene Ursachen haben. Sie treten beispielsweise nach Schicksalsschlägen auf, die durch psychische Überforderung auch eine körperliche Überforderung hervorgerufen werden. Dazu gehört plötzliche Arbeitslosigkeit oder die Trennung von einem geliebten Menschen. Auch Turbulenzen beim Fliegen können bei anfälligen Personen zu einer Panikattacke führen. Gerade wenn man allein unterwegs ist, steigt die Wahrscheinlichkeit unnötig ängstlich zu werden. Da keine Ablenkung und keine psychische Sicherheit gegeben sind, steigern sich Betroffene in ihre Angst hinein.

Regelmäßiger oder bereits einmaliger Gebrauch von Rauschmitteln wie LSD, Cannabis oder Kokain kann ebenfalls zu Panikattacken führen. Sie können sogar nach der berauschenden Wirkung als chronisches Syndrom fortbestehen. Hierbei wurden bestimmte neuronale Regionen geschädigt, die immer wieder unbegründete Angst hervorrufen.

Ursache von Agoraphobie

Unsere Angst soll unser Leben schützen. Sie bewahrt uns davor, leichtsinnig zu handeln oder sich zu überschätzen. Die Agoraphobie löst Angst allerdings in Situationen aus, in denen es gar nichts zu befürchten gibt. Freunde oder Bekannte von Betroffenen können die Panikattacken nicht nachvollziehen.

Es gibt keine genaue Ursache für Agoraphobie. Der erste Grund dafür kann in der Genetik verankert sein. Die meisten Betroffenen sind von Natur aus anfälliger und panischer. Eine andere Möglichkeit wäre, dass traumatische Erlebnisse oder die eigene Umgebung die Panik auslösen. Wenn Mitglieder in Familie oder Freundeskreis ängstlich sind, wird diese Verhaltensweise, gerade im Kindesalter, oft übernommen. Verluste wie der Tod einer nahestehenden Person, Erkrankungen oder plötzliche Arbeitslosigkeit sind ebenfalls potentielle Auslöser. Die Angst wird meist durch eine Panikattacke oder ein bestimmtes Ereignis ausgelöst und formt sich ihren Weg zur Phobie stufenweise.

Panikattacken oder Agoraphobie – 5 Bewältigungsstrategien

Selbsttherapie während der Panikattacken

Bei einer akuten Attacke ohne Begleitung solltest du dir immer gut zureden. Versuche dich nicht in deine Angst hineinzusteigern und dein körperliches Verhalten als Panikattacke zu identifizieren. Versuche über Dinge nachzudenken, die dich beruhigen oder lenke dich ab. Höre beruhigende Musik und versuch dir bewusst zu machen, warum die Situation eigentlich nicht gefährlich ist. Durch deine Gedanken lässt sich auch deine körperliche Reaktion steuern. Im Folgenden werden einige beruhigenden Punkte genannt, die du dir bei einer Panikattacke immer wieder ins Bewusstsein rufen kannst.

Panikattacken sind nicht gefährlich

Viele Betroffene denken, dass die körperlichen Reaktionen während einer Panikattacke tatsächlich Schäden hervorrufen. Sie haben wirklich das Gefühl, dass ihre Angst dazu führt, dass sie sterben könnten. Das ruft wiederum noch mehr Angst hervor. Es entsteht ein Teufelskreis, der nur schwer gebrochen werden kann. Dabei ist eine Panikattacke nicht gefährlich für den Körper. Es besteht keine Gefahr, dass man einen Herzinfarkt bekommen könnte oder andere konkrete Schäden beibehält. Alle Symptome verschwinden wieder und lassen keine weiteren Folgen für den Körper zurück. Damit sich die Panik nicht ausbreiten kann und man sich schneller beruhigt, sollte man sich genau das bewusst machen. So vermeidet man auch die Angst vor einer zukünftigen Panikattacke.

Panikattacken sind nicht von Dauer

Normalerweise dauern Panikattacken höchstens 30 Minuten an. Der Höhepunkt wird in der Regel nach 5-10 Minuten erreicht. Es ist wichtig sich bewusst zu machen, dass man nicht an einer Panikattacke sterben kann und dass sie nicht lange anhält. Je mehr man sich gut zuredet, umso schneller ist sie vorbei. Man hält die Zügel also selbst in der Hand.

Panikattacken sind nicht peinlich

Viele Betroffene haben Angst sich in der Öffentlichkeit zu blamieren, wenn sie eine Panikattacke bekommen. Dabei empfinden die Mitmenschen den plötzlichen Fluchtdrang und die Angst nicht als lächerlich. Die Meisten werden sich sorgen, anstatt zu lachen. Einige werden auch ihre Hilfe anbieten. Manche mögen es ignorieren, weil sie nicht wissen, wie sie mit Betroffenen umgehen sollen, aber man sollte niemals Angst haben ausgelacht zu werden.

Zum Beispiel kannst du bei der Angst vor Panikattacken im Flugzeug dein Glück versuchen und den Sitznachbarn ansprechen. Vielleicht hat er oder sie Lust ein Gespräch zu führen, das dich ablenken wird. Scheu dich nicht deine Angst direkt anzusprechen. Viele Menschen haben Flugangst, es ist also keine Seltenheit, wenn der ein oder andere Gast mal die Nerven verliert.

Konfrontation statt Vermeidungsverhalten

Panikattacken: Konfrontation statt Vermeidung

Sich in den eigenen vier Wänden zu verstecken, verschlimmert die Angst vor Panikattacken. Man bestätigt sich selbst in seinem Verhalten, führt es immer weiter fort und desozialisiert. Eine dauerhafte Vermeidung von Angst oder Panikattacken verhindert jegliche Chance auf Besserung.

Deutlich effektiver ist die Konfrontationstherapie. Dazu benötigt es nicht immer einen Therapeuten. Je nach Schwere der Angstzustände und persönlichem Wohlempfinden kannst du dich aber von einem begleiten lassen. Einen guten Ersatz für den Anfang bieten Freunde oder Familie. Der Fokus sollte allerdings klar sein: “Ich will diese Situation irgendwann allein meistern können.” Der Sinn in der Konfrontation liegt darin, dass der Betroffene auf direkte Art und Weise zu spüren bekommt, dass es keinen Grund gibt, Angst zu haben. Er wird die üblichen Symptome durchleiden. Hinterher gelangt er aber zu der Erkenntnis, dass die verheerenden Konsequenzen in seinen Gedanken nicht existieren.

Die Konfrontation kann auch kleinschrittig durchgeführt werden. Je nach Schwere der Angst können unterschiedliche Ziele abgesteckt werden. Begonnen wird mit dem Ziel, das den geringsten nervlichen Aufwand für den Betroffenen bedeutet. Nach und nach findet eine Steigerung statt. Auf sämtliche Fluchtmöglichkeiten oder Betäubungsmittel muss zur erfolgreichen Therapie verzichtet werden. Es geht darum, der Situation ausgeliefert zu sein und zu erkennen, dass nichts passieren kann.

Psychotherapie bei anhaltenden Panikattacken

Der Therapeut kann dir Möglichkeiten aufzeigen und Ursachen mit deiner Hilfe ergründen, auf die du selbst vielleicht nicht einmal gekommen wärst. Traumata oder ausschlaggebende Erlebnisse können in einer Therapie kanalisiert werden und zur Bekämpfung der Panikattacken genutzt werden.

Ein bedeutender Inhalt der Therapie ist die sogenannte kognitive Umstrukturierung. Ziel ist es, die unbegründete Todesangst zu nehmen und zu vermitteln, dass sie mit keiner tatsächlich lebensgefährlichen Situation in Verbindung steht. Der empfundenen Tragödie wird die Aussicht auf ein katastrophales Ende genommen.

Zudem wird der falsche Alarm des Gehirns thematisiert. Es wird einstudiert, welche Signale wie gedeutet werden sollten. Anstatt zu denken “Ich habe Herzrasen, ich bekomme einen Herzinfarkt” wird eine positive Sichtweise antrainiert: “Ich bin nur aufgeregt, mein Herz ist belastbar, ich werde nicht sterben”. Ein weiteres Beispiel wäre, anstatt sich “Mir ist schwindelig, ich verliere die Kontrolle über meinen Körper” zu sagen, eine Formulierung wie “Mein Kreislauf spielt nur etwas verrückt, ich sollte tief durchatmen und viel trinken” zu wählen.

Medikamentöse Behandlung

Panikattacken können auch durch Medikamente gelindert werden. Generell sollte man sich aber nicht bis zur Besinnungslosigkeit mit Tabletten lahmlegen. Es kann helfen einige milde Beruhigungsmittel zu sich zu nehmen. Allerdings sollte man sich wegen des Suchtpotentials nicht an die regelmäßige Einnahme von Medikamenten wie Antidepressiva gewöhnen. Konsum und Dosis sollten in jedem Fall mit einem Arzt abgesprochen sein.

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