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Burnout: 3 Therapiemöglichkeiten & 10 Tipps bei Erschöpfung

Das Burnout-Syndrom zählt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland. Allein geschätzte rund 13 Millionen Arbeitnehmer sind derzeit von einem Burnout betroffen. Wir erklären, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und geben Tipps für Angehörige und zur Selbsthilfe.


So wird ein Burnout diagnostiziert

Wie ein Burnout diagnostiziert wird

Die Forschung beschäftigte sich in der Vergangenheit eher wenig mit dem Burnout-Syndrom. Daher gibt es bis heute keine allgemein gültige Definition dieser psychischen Erkrankung. Viele Burnout-Symptome überschneiden sich mit einer Depression, deshalb lässt sich das Burnout nur schwer von dieser Art der Erkrankung abgrenzen. Dennoch bevorzugen viele Menschen die Diagnose des Burnouts. Depressionen gehen für viele Menschen mit einer langwierigen Therapie und Medikamenteneinnahmen einher. Viele Menschen glauben, dass sich ein Burnout schneller heilen lässt. Dadurch, dass die Erkrankung oft durch eine zu hohe Arbeitsbelastung ausgelöst wird, ist das Burnout zudem weniger passiv konnotiert als Depressionen. Ob dies wirklich zutrifft, ist von Fall zu Fall verschieden.

Für die Diagnose müssen die Betroffenen einen Fragebogen ausfüllen. Dieser basiert oft auf dem wissenschaftlichen Selbsttest Maslach-Burnout-Inventar (MBI). Das dient dazu die Beschwerden des Patienten richtig einzuordnen. Bei dem Test wird geprüft, ob der Betroffene unter einer psychischen Erkrankung leidet, beziehungsweise ob es sich dabei um ein Burnout handelt. Ein körperliches Leiden muss als Ursache ausgeschlossen werden. Dazu wird beispielsweise eine Blutuntersuchung unternommen. Ein Burnout geht oft mit körperlichen Beschwerden einher. Für die genaue Diagnose müssen deshalb chronische und organische Leiden ausgeschlossen werden.

Das Burnout-Syndrom gilt als Modediagnose. Obwohl man bereits in der Bibel eine Umschreibung der Symptome des Burnouts finden kann, tauchte der Begriff – so wie man ihn heute gebraucht – zuerst vor circa fünfzig Jahren auf. Seitdem steigen die Burnout-Diagnosen stetig. Dabei geht solch eine Diagnose oft von den Betroffenen aus, die sich ausgebrannt fühlen, weil sie eine stressige Zeit hinter sich haben. Die Ärzte und Therapeuten versuchen dagegen die Symptome von Außen zu betrachten, um eine genaue Diagnose zu stellen.

Burnout: Das sind die Therapiemöglichkeiten

Wurde einmal ein Burnout diagnostiziert, muss eine geeignete Therapie gefunden werden. Diese richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die vom Patienten und einem Arzt in Betracht gezogen werden können. Leichte Formen können ambulant behandelt werden. Für stärkere Ausprägungen empfiehlt sich ein stationärer Aufenthalt.

Ambulante Therapie

Die ambulante Therapie zeichnet sich dadurch aus, dass der Patient während der Behandlung in seinem gewohnten Umfeld bleiben kann. Es gibt verschiedene Therapiemethoden, die ambulant durchgeführt werden können und von der Kasse übernommen werden. Diese werden meist von Psychotherapeuten durchgeführt.

Verhaltenstherapie

Für die Therapie eines Burnouts eignet sich vor allem die Verhaltenstherapie. Diese versucht schädliche Verhaltensweisen des Patienten zu verändern, sodass er belastende Verhaltensmuster hinter sich lassen kann. Die Patienten lernen hierbei vorwiegend sich selbst zu helfen, indem gängige Verhaltensweisen analysiert und mit Hilfe verschiedener Ansätze abgebaut werden. So lernt der Betroffene mit eigenen Erwartungen umzugehen und die Ansprüche an sich selbst nicht zu hoch anzusetzen.

Tiefenpsychologisch fundierte Therapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Therapie konzentriert sich auf das Selbstwertgefühl des Patienten. Oft ist ein geringes Selbstwertgefühl einer der Gründe für ein Burnout. Vor allem Menschen, die ihren Wert an ihren Erfolgen messen, sind stark Burnout gefährdet. In der Therapie soll das Selbstwertgefühl unabhängig von diesen Erfolgen aufgebaut werden. Dazu schaut sich der Therapeut Ereignisse aus der Kindheit an, thematisiert aber auch Konflikte aus der Gegenwart. Ziel ist es, beeinträchtigende Ereignisse aufzuarbeiten.

Stationärer Aufenthalt

Ein Burnout kann auch einen stationären Aufenthalt erfordern

Obwohl ein Burnout ambulant behandelt werden kann, ist in manchen Fällen ein mehrwöchiger stationärer Aufenthalt empfehlenswert. Es gibt verschiedene Einrichtungen, in denen ein Burnout therapiert werden kann. Der Patient kann sowohl eine Therapie in einer psychosomatischen Kurklinik in Betracht ziehen, als auch eine psychiatrische Klinik in Anspruch nehmen. Diese eignet sich besonders bei schwereren Burnout-Fällen. Neben einer psychotherapeutischen Behandlung kann der Patient an vielen weiteren Angeboten teilnehmen. Der Betroffene kann Entspannungstechniken wie Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung erlernen, an Gruppengesprächen teilnehmen und verschiedene kreative Freizeitaktivitäten in Anspruch nehmen. Er wird zudem dazu angeregt, verschiedene Sportarten auszuprobieren, um Stress im Alltag auszugleichen.

Medikamentöse Behandlung

Die Therapie kann mit verschiedenen Medikamenten ergänzt werden. In manchen Fällen werden sogar Antidepressiva verschrieben, die über einen mehrmonatigen Zeitraum eingenommen werden. Dazu gehören Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Pflanzenextrakte wie Johanniskraut-Präparate. Wichtig ist, dass die Einnahme zuvor mit einem Arzt oder Psychotherapeuten abgesprochen wird.

So kannst du deine Therapie unterstützen

Natürlich hängt jede Form der Therapie von dem Betroffenen und seiner Einstellung ab. Hast du dich erst einmal dazu entschlossen, eine Therapie wahrzunehmen, bist du bereits den wichtigsten Schritt in Richtung Heilung gegangen. Du solltest dich jedoch nicht nur auf deinen Therapeuten verlassen, sondern auch selbst aktiv werden und dein Leben stressfreier gestalten. Die verschiedenen Maßnahmen solltest du mit deinem Therapeuten absprechen.

Entspannungstechniken

Eine der effizientesten Methoden zur Selbsthilfe ist das Erlernen von Entspannungstechniken. Diese kannst du dir mit Hilfe eines Therapeuten oder zuhause in deiner Freizeit aneignen. Nachdem du die Übungen einige Male durchgeführt hast, kannst du sie selbstständig anwenden und so ganz einfach in deinen Alltag integrieren. Das sorgt für eine gelassenere Haltung und kann dir in Stresssituationen helfen, ruhig zu bleiben. Die bekanntesten Entspannungstechniken sind:

  • Autogenes Training: Diese Form der Entspannungstechnik leitet sich aus der Selbsthypnose ab. Mit verschiedenen Formeln hast du die Möglichkeit, dich selbst zu beeinflussen und dich so in einen tiefen Ruhezustand zu versetzen.
  • Progressive Muskelentspannung: Diese Entspannungstechnik lässt sich besonders leicht in den Alltag integrieren. Sie beruht auf der abwechselnden An- und Entspannung einzelner Muskelpartien. Besonders gut lassen sich so Verspannungen lösen.
  • Meditation: Meditation wirkt beruhigend und zentrierend. Während der Praxis versuchst du deine Gedankengänge zu beruhigen und dich ganz auf den Moment zu konzentrieren. So entspannst du vor allem deinen Geist.
  • Atemübungen: Mit der Atmung kannst du dein Befinden gezielt beeinflussen. Ruhige und tiefe Atemzüge beruhigen dich in stressigen Situationen. Sie eignen sich daher besonders in akuten Stresssituationen.

Körperliche Bewegung

Bewegung ist ebenso essentiell, um Körper und Geist zu entspannen, denn sie hilft dir dabei Stresshormone abzubauen. Anfangs reichen schon einige Minuten am Tag, um einen kleinen, positiven Effekt zu erzielen. Sportliche Betätigung sorgt außerdem dafür, dass der Körper Glückshormone ausschüttet. Sport sorgt also für Zufriedenheit und ein besseres Körpergefühl. Probiere am besten mehrere Sportarten aus und entscheide dich für den Sport, der dir am meisten Spaß macht. Wenn du Probleme hast, regelmäßig feste Zeiten einzuplanen, kannst du in ungestörten Momenten durch deine Wohnung tanzen. Auch das kann bereits bei der Stressbewältigung hilfreich sein.

Auf den Körper hören

Es ist sehr wichtig, dass du auf deinen Körper hörst. Dein Körper gibt dir Warnsignale, wenn er überfordert ist. Diese solltest du auf keinen Fall ignorieren. Respektiere deine Grenzen und setze sie bewusst ein. Wenn du überfordert bist, solltest du dir eine Auszeit gönnen, anstatt dich durchzubeißen. Zu viel Ehrgeiz kann ein Burnout begünstigen.

Freizeit wertschätzen und aktiv gestalten

Deine Freizeit sollte einen genauso wichtigen Teil wie deine Arbeitszeit einnehmen. Deshalb solltest du dafür sorgen, dass du in deiner Freizeit abschalten kannst und nicht weiter über deine Arbeit nachdenkst. Diese fehlende Trennung zwischen Berufs- und Privatleben ist sehr oft ein Grund für ein Burnout. Versuche dich deshalb in deiner Freizeit abzulenken. Gehe Hobbies nach, die dir Spaß machen und dich Stresssituationen vergessen lassen. Nehme alte Hobbies wieder auf, für die du in der Vergangenheit keine Zeit gefunden hast. Zudem solltest du mehr Zeit in der Natur verbringen, vor allem wenn du während deiner Arbeitszeit viel Zeit im Büro verbringst. Die Natur hat vielerlei positive Auswirkungen auf Körper und Geist.

Lebensumstände überdenken

Versuche negative Einflüsse aus deinem Leben zu streichen. Das kann eine berufliche Tätigkeit, eine Beziehung oder eine aktuelle Situation sein. Wenn dich diese Aspekte unglücklich machen und belasten, solltest du ihnen aus dem Weg gehen und eine andere Richtung einschlagen. Allerdings ist dies aus beruflicher Sicht oftmals gar nicht so einfach. Vermeide Kurzschlussreaktionen, überdenke deine Entscheidung sorgfältig und wäge deine Möglichkeiten ab.

Zudem solltest du deine Werte überdenken. Versuche das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Mache dir bewusst, wie viel Zeit du für verschiedene Aspekte deines Lebens aufwendest. Lohnt sich der Zeitaufwand? Ist dir dein Engagement in diesem Bereich wichtig oder kannst du dich hier ein bisschen zurücknehmen?

Entschleunigung

Indem du deine Werte nach Wichtigkeit sortierst, kannst du deinen Alltag ein wenig entschleunigen. Mit Sicherheit gibt es einige Bereiche, in denen du ein wenig kürzer treten kannst. Versuche deinen Alltag zu organisieren. Lege nur so viele Termine in einen Tag, wie du bewältigen kannst. Traue dich auch einmal „Nein“ zu sagen. Deine Mitmenschen, Freunde und Bekannten werden deine Entscheidung akzeptieren. So hast du mehr Zeit dich auf deine Heilung zu konzentrieren.

Das Leben genießen

Genieße dein Leben. Konzentriere dich auf die guten Aspekte des Lebens und lasse negative Ereignisse nicht zu nah an dich heran. Gönne dir etwas und lasse dich nicht von Ängsten und Sorgen leiten. Vermeide strenge Diäten. Ernähre dich lieber ausgewogen und gesund. Du solltest auf deine Gesundheit achten und deinen grundlegenden Bedürfnissen nachkommen. Dazu gehören ausreichend Schlaf, eine gesunde Ernährung und regelmäßige Arztbesuche. Mache Unternehmungen und behalte deinen Sinn für Humor. Lachen ist bekanntlich die beste Medizin.

Prävention: So beugst du einem Burnout vor

Es gibt einige Methoden, die dich in Stresssituationen vor einem Burnout schützen. Diese Methoden sind oftmals nur dann wirksam, wenn du sie über einen längeren Zeitraum anwendest. Daher ist es wichtig, sie frühzeitig in den Alltag zu integrieren.

  • Kosten-Nutzen-Analyse: Bei einer Kosten-Nutzen-Analyse wägst du deine Vorteile gegen den Arbeitsaufwand ab. Wenn du sehr viel Zeit in eine Tätigkeit oder eine Beziehung investierst, sollte dir im besten Fall derselbe Aufwand oder zumindest ein positives Gefühl zuteil werden. Herrscht hier ein Ungleichgewicht solltest du diesen Aspekt deines Lebens überdenken, denn er raubt dir enorm viel Kraft.
  • Selbstwertgefühl: Lerne Selbstsabotage zu erkennen. Oft sind es negative Gedankengänge, die dir dein Selbstwertgefühl rauben. Machst du dich selbst klein, indem du dir nur dann Wert zuschreibst, wenn du Erfolg hast oder für andere da bist, solltest du dringend an deinem Selbstwertgefühl arbeiten.
  • Ruhepausen: Auszeiten sind essentiell, um deinen Alltag zu entschleunigen und Stress zu vermeiden. Nimm dir bewusst Zeit für dich. Das können mehrere Stunden, aber auch nur ein paar Minuten sein. So kannst du Überforderung und Überlastung entgegen wirken.

Tipps für Angehörige: So hilfst du den Betroffenen

Wenn du selbst nicht von einem Burnout betroffen bist, eine dir nahestehende Person jedoch unter einem Burnout leidet, kannst du sie mit einfachen Mitteln bei der Heilung unterstützen. Dabei ist es wichtig, den Betroffenen das Gefühl zu geben, dass du sie unterstützt und aufgrund ihres psychischen Leidens nicht abwertest.

Suche das Gespräch

Viele Burnout-Patienten isolieren sich und versinken in einer Depression. Sie vermeiden es auf ihre Mitmenschen zuzugehen. Daher ist es wichtig, dass du auf die Betroffenen zugehst und ihnen zeigst, dass du für sie da bist. Versuche die Erkrankung nicht zu ignorieren, sondern spreche offen darüber. So zeigst du Verständnis und Akzeptanz.

Informiere dich ausreichend

Um Verständnis aufzubringen, ist es essentiell, dass du dich ausreichend informierst. Es gibt Literatur und Internetseiten, die über Burnouts informieren. Hier kannst du mehr über Burnout-Symptome und Ursachen erfahren. Wenn du andere Betroffene kennenlernen willst, kannst du zu einer Selbsthilfegruppe gehen.

Nimm dir Zeit für die Betroffenen

Unterstütze die Betroffenen, indem du gemeinsame Aktivitäten planst. So kannst du ihnen dabei helfen, wieder mehr Lebensfreude zu empfinden. Besonders eignen sich Aktivitäten in der Natur. Lob und Komplimente können das Selbstwertgefühl der Betroffenen wieder aufbauen. Achte allerdings darauf, dass dein Lob glaubwürdig ist. Ist dies nicht der Fall, erreichst du das Gegenteil.

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Kommentare


Mia 2. Juli 2018 um 13:51

Danke für die guten Tipps zur Burnout-Therapie. Eine Bekannte hatte vor einem Jahr auch unter Burnout gelitten. Die Verhaltenstherapie hat ihr gut geholfen wieder Fuß zu fassen und mit Stress besser klar zu kommen.

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