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Platzangst: 3 Ursachen und 8 Tipps bei Agoraphobie (+Selbsttest)

Egal ob in der Bahn, im Aufzug, im Kino oder auf einem öffentlichen Platz – Menschen, die unter Agoraphobie oder Platzangst leiden, fürchten sich vor Situationen, denen sie in einem Notfall nicht entkommen können. Wir erklären dir, welche Ursachen eine Agoraphobie haben kann und geben dir Tipps zur Bewältigung.

Was ist Agoraphobie oder Platzangst?

Agoraphobie: Die Angst vor der Außenwelt

“Agora” stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt “Marktplatz” oder “öffentlicher Platz”. Die Agoraphobie oder Platzangst bezeichnet die Angst vor der Außenwelt und öffentlichen Situationen. Dabei handelt es sich um eine Angststörung, bei der sich der Betroffene vor Situationen fürchtet, aus denen er in einem vermeintlichen Notfall nicht flüchten kann.

Diese Angst geht sogar so weit, dass durch ein bevorstehendes Ereignis, auf das sich der Betroffene eigentlich gefreut hat, bereits lange im Vorfeld Erwartungsängste entstehen. Er malt sich potenzielle Gefahren aus und kann mit den vielen unbekannten Unsicherheiten nicht umgehen. Das kann sogar so weit gehen, dass beispielsweise ein Konzertbesuch doch noch absagt wird, bevor sich der Agoraphobiker der Situation überhaupt gestellt oder in diesem Zusammenhang bereits eine Panikattacke erlebt hat.

Die Angst vor dem Kontrollverlust

Agoraphobie-Patienten plagt die Angst, dass ihr Körper auf bestimmte Situationen mit unangenehmen und nicht kontrollierbaren Reaktionen reagiert. Sie vertrauen ihrem Körper nicht mehr und fühlen sich ihm hilflos ausgeliefert. Damit einher geht die Angst vor einem Kontrollverlust und Panikattacken, die Übelkeit, Schwindel, Herzrasen und Schweißausbrüche auslösen können. Patienten haben Angst davor, sich zu blamieren oder die Kontrolle zu verlieren, durchzudrehen oder gar verrückt zu werden.

Obwohl äußere Umstände zu diesen Reaktionen führen, haben Agoraphobiker nicht nur Angst vor einer bestimmten Situation, sondern vielmehr vor ihren eigenen inneren Reaktionen. Situationen und Umgebungen, in denen solche Symptome bereits aufgetreten sind, werden gemieden und die Ängste auch auf solche übertragen, in denen bisher keine Panikattacke aufgetreten ist. Es entsteht eine Angst vor der Angst.

Agoraphobie mit und ohne Panikattacken

Die Agoraphobie kann mit oder ohne Panikattacken auftreten. Häufig entwickelt sich die Phobie aber durch das Auftreten immer wiederkehrender Panikattacken. Diese Panikattacken sind zwar meist von kurzer Dauer, entwickeln sich aber sehr plötzlich und können körperliche Symptome hervorrufen. Da viele körperliche Symptome sehr unangenehm oder peinlich sein können, entwickelt der Betroffene eine Angst beziehungsweise eine Phobie gegen Situationen, in denen die Symptome aufgetreten sind und versucht alles, um diese zu vermeiden.

Häufigkeit

Die Agoraphobie ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. Weltweit leiden rund fünf Prozent aller Menschen einmal in ihrem Leben an dieser Angststörung. Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer. Meistens tritt die Erkrankung erstmals im jungen Erwachsenenalter auf. Ausgeprägte Agoraphobien beginnen im Mittel mit 28 Jahren, während erste Panikattacken im Schnitt mit 24 Jahren auftreten. Zwischen den einzelnen Panikattacken können auch sehr lange Phasen ohne Beschwerden liegen, sodass die Betroffenen anfangs gar keine ernsthafte Erkrankung dahinter vermuten. Ohne eine entsprechende Therapie ist aber nur jeder fünfte seine Symptome nach sieben Jahren wieder los und beschwerdefrei.

Unterschied zur Klaustrophobie

Da der Begriff Agoraphobie vom altgriechische Wort “agora” stammt, was so viel wie Marktplatz bedeutet, wird der Begriff „Platzangst“ oft synonym verwendet. Davon solltest du dich aber nicht beirren lassen. In unserem alltäglichen Sprachgebrauch verstehen wir unter Platzangst die Angst vor kleinen, engen, verschlossenen Räumen. Also kurz gesagt: Die Angst vor zu wenig Platz. Menschen mit Agoraphobie haben zwar auch eine Platzangst. Sie fürchten sich allerdings vor “Plätzen” und Situationen, aus denen sie nicht fliehen können. Beispielsweise aus der U-Bahn oder aus einer großen Menschenmenge bei einem Konzert. Anstatt von Platzangst könnte man also auch von Situationsangst sprechen, die mit oder ohne Panikstörungen auftreten kann.

Entstehung von Agoraphobie

Entstehung von Agoraphobie

Der Beginn der Agoraphobie ist oft eine Panikstörung, die sich in einer plötzlichen Panikattacke äußert. Die Betroffenen verspüren innerhalb kürzester Zeit körperliche Symptome wie Atemnot, Herzrasen, Brustschmerzen oder Schwindel. Die Angstsymptome können so ausgeprägt sein, dass die betroffenen Menschen mit Todesangst einen Arzt oder die Notaufnahme aufsuchen, wo jedoch keine körperlichen Ursachen festgestellt werden können. In der Folge kann der Patient sehr lange beschwerdefrei bleiben. Allerdings fürchten sich viele vor einem erneuten Anfall und entwickeln eine sogenannte Erwartungsangst. Die Agoraphobie kann sich aber auch steigern und immer weiter verschlimmern, sodass Betroffene jede auslösende Situation meiden. Die Phobie kann isoliert auftreten, geht aber meistens mit einer Panikstörung einher.

Der Grund für eine Phonie ist oft ein mehrstufiger Prozess, dem die beschriebene Anfälligkeit der betroffenen Person vorausgeht. Tritt in einer scheinbar ungefährlichen Situation eine Panikattacke auf, entwickelt die Person eine Angst gegen die ursprünglich neutrale Situation und verbindet damit eine schlechte Erfahrung. Um eine erneute Panikattacke zu verhindern, wird eine ähnliche Situation in der Folge vermieden. Durch das Vermeidungsverhalten und keine neuen Erfahrungen lernt der Betroffene nicht, dass seine Angst eigentlich unbegründet ist und die Angststörung verfestigt sich. Die körperlichen Symptome sorgen ebenfalls für die Aufrechterhaltung. Wenn du Angst verspürst, wirst du anfangen zu zittern und zu schwitzen dein Herz wird rasen. Personen, die unter Agoraphobie leiden, deuten diese Symptome als zusätzliche Gefahr, die Angst und Stressreaktionen verschlimmern sich und damit auch die körperlichen Beschwerden. Die Betroffenen sehen sich in ihrer Angst bestätigt und finden sich in einem Teufelskreislauf wieder.

Ursachen von Agoraphobie

Die eine Ursache für eine Agoraphobie gibt es oft nicht. Meist ist das Zusammenwirken vieler Faktoren ausschlaggebend für den Ausbruch der Erkrankung. Angst kennt jeder und das ist auch gut so. Sie ist evolutionär bedingt sogar überlebenswichtig und bewahrt uns vor Leichtsinn und Überschätzung. Bei der Agoraphobie ist die Angst aber grundlos, übertrieben und entbehrt sich für Außenstehende jeder Logik. Generell gibt es Menschen, die für eine Agoraphobie anfälliger sind als andere. Aus biologischer Sicht kann das Risiko für eine Angsterkrankung vererbt werden.

Zudem spielen individuelle Erfahrungen, Denkstile und Verhaltensweisen eine Rolle. Dazu gehören die Beobachtung der eigenen Körpersignale und eine übertriebene Interpretation, aber auch Ereignisse aus der Kindheit, wenn beispielsweise die Eltern sehr ängstlich und besorgt waren. Bei einer ohnehin anfälligen Person können auch besonders belastende Lebensphase oder Ereignisse, wie der Tod einer nahestehenden Person oder eine längere Zeit der Arbeitslosigkeit eine Angststörung begünstigen.

Neurologische Aspekte

Nicht ausgeschlossen ist, dass einer Angststörung eine neurophysiologische Anfälligkeit vorausgeht. Da Angsterkrankungen in manchen Familien vermehrt auftreten, könnte die Bereitschaft dazu vererbt werden. Man geht sogar davon aus, dass 50 Prozent aller Erkrankungen erblich bedingt sind. Wissenschaftler sind der Meinung, dass Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter wie zum Beispiel Gamma-Aminobuttersäure (GABA), Serotonin oder Noradrenalin, über die unsere Gehirnzellen miteinander kommunizieren, bei Angstpatienten aus dem Gleichgewicht geraten sind. Die Rezeptoren der Nervenzellen reagieren auf die beiden erstgenannten Botenstoffe weniger sensibel.

Neurobiologische Befunden deuten auch auf Besonderheiten im limbischen System der Personen mit Angststörungen hin. Bestimmte Gene beeinflussen offenbar die Mandelkerne, die mit anderen Hirnstrukturen eng verschaltet sind und in denen Gefühle und Emotionen verarbeitet werden. Auch der Hippocampus soll Veränderungen aufweisen. Er spielt bei der Gedächtnisbildung eine Rolle.

Psychische Aspekte bei Platzangst

Psychische Aspekte bei Platzangst

Die psychoanalytische Theorie geht davon aus, dass Ängste durch nicht gelöste, innere Konflikte entstehen und Betroffenen die Fähigkeit fehlt, sich mit gesunder und normaler Angst auseinanderzusetzen. Ähnlich wie ein Kind fühlt sich der Betroffene in entsprechenden Situationen überfordert und entwickelt kindliche Verhaltensmotive. Diese Lernerfahrungen halten die Ängste aufrecht. Situationen, in denen Panikattacken aufgetreten sind, werden gemieden, wodurch die Angst vermeintlich sinkt beziehungsweise erst gar nicht ausbricht. Gleichzeitig führt dieses Verhalten aber auch dazu, dass keine neuen positiven Erfahrungen in vergleichbaren Situationen gemacht werden können und die Angst chronisch wird.

Vor allem der Umgang der Eltern mit Ängsten und Sorgen ist entscheidend. Kinder erlernen und übernehmen oft das Verhalten der Eltern oder anderer Bezugspersonen, sodass sich deren Verhaltensweisen auch auf die Kinder übertragen, die diese bis ins Erwachsenenalter beibehalten. Laut Theorie der Tiefenpsychologie ist Angst der Ausdruck eines nicht gelösten, inneren Konfliktes mit unbewussten und unterdrückten Gefühlen. Darüber Hinaus sind Erlebnisse und ganz bestimmte Situationen meist der Ausgangspunkt einer Agoraphobie. Alkoholmissbrauch der Eltern, sexueller Missbrauch oder Gewalterfahrungen begünstigen spätere Panikattacken.

Nicht nur der Alkoholmissbrauch der Eltern, sondern auch der eigene Konsum von Alkohol und Drogen, Überbelastung, Stress, ein schwaches soziales Netzwerk und Unzufriedenheit mit der aktuellen Lebenslage begünstigen Panikattacken. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass bei 80 bis 90 Prozent der Angstgeplagten mit dem Ausbruch der Panikattacke ein zuvor belastendes Ereignis einhergeht.

Auslösende Situationen

Agoraphobiker fürchten vor allem Situationen, aus denen sie nicht ohne größeren Aufwand flüchten können. Das kann beispielsweise das Warten in der Schlange im Supermarkt oder eine Busfahrt sein. Wie der Name der Phobie bereits sagt, sind die Aufenthalt auf freien Plätzen oder Menschenansammlung bei Konzerten typische angstauslösende Situationen. Aber auch eine weite Autofahrt alleine oder nur das Entfernen von zu Hause können Ängste auslösen. Generell treten die Angstattacken bei Agoraphobikern in Situationen auf, in denen sie ihre gewohnte Umgebung verlassen müssen. Schließlich entwickeln sie eine Angst vor:

  • dem Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus, Bahn oder Flugzeug
  • Menschenmengen, zum Beispiel bei einem Konzert, im Kaufhaus oder Supermarkt
  • dem Anstehen an der Kasse
  • dem Aufenthalt in engen Räumen wie Fahrstühlen
  • großen, weiten Räumen
  • Reisen, Autofahrten alleine beziehungsweise davor, weit weg von zu Hause zu sein

Symptome bei Agoraphobie

Befinden sich Agoraphobiker in einer für sie angstauslösenden Situation, fühlen sie sich dieser ausgeliefert und befürchten:

  • nicht flüchten zu können
  • die Kontrolle zu verlieren
  • verrückt zu werden
  • in Ohnmacht zu fallen
  • sich peinlich zu verhalten
  • Herzbeschwerden zu bekommen
  • Stuhlgang und Blase nicht kontrollieren zu können

Daraus entwickeln sich zwei weitere typische Symptome: Das Vermeidungsverhalten und die Erwartungsangst. Aus Angst vor der eigenen (körperlichen) Reaktion meidet der Betroffene alle vermeintlich bedrohlichen Situationen und Orte und malt sich bereits im Vorfeld Reaktionen aus, die ihn beim Aufsuchen der Orte und Situationen überfallen könnten. Diese beide Verhaltensmuster führen dazu, dass sich die Angst weiter ausbreitet, verstärkt und sich eine Angst vor der Angst entwickelt, die ihn auch körperliche Symptome spüren lässt:

  • Herzrasen
  • starkes Herzklopfen
  • Beklemmungsgefühl
  • Atembeschwerden
  • Übelkeit
  • Zittern
  • Schweißausbrüche
  • Harn- und Stuhldrang
  • Mundtrockenheit

In den meisten Fällen sind sich Agoraphobiker darüber bewusst, dass ihre Angst übertrieben ist und schämen sich für ihr Verhalten und die teils unkontrollierbaren Symptome. Die Phobie, das Vermeidungsverhalten und die Erwartungsangst beeinträchtigen die Lebensqualität und das Sozialverhalten erheblich. Während manche Betroffene besagte Situation aufsuchen können, wenngleich mit deutlich stärkeren Ängsten, können sich anderen diesen nur mit einer ihnen vertrauten Person oder gar nicht stellen. Aus der Angststörung kann sich eine Panikstörung entwickeln.

Diagnose bei Platzangst

Diagnose bei Platzangst

Bis die Diagnose Agoraphobie endlich gestellt ist, müssen Betroffene oft viele Untersuchungen über sich ergehen lassen, um körperliche Erkrankungen auszuschließen. Gerade bei Patienten, bei denen sich die Angststörung durch starke körperliche Symptome bemerkbar macht, ist die Diagnose oft schwierig. Viele Patienten erkennen manchmal gar nicht, dass sie unter Angst leiden und wenden sich mit den körperlichen Symptomen erstmal an den Hausarzt. Neben körperlichen Untersuchungen wird der Arzt auch prüfen, welchen Medikamente bereits eingenommen werden und ob diese möglicherweise Ängste auslösen können. Können solche Ursachen ausgeschlossen werden und besteht der Verdacht auf eine ausgeprägte Angststörung, überweist der Hausarzt den Betroffenen an einen Psychotherapeuten oder Psychiater.

In einem ausführlichen Gespräch fragt dieser die betroffene Person nach den genauen Beschwerden, wie lange diese schon bestehen und ob es Situationen gibt, in denen Ängste verstärkt auftreten und ob diese Situationen in der Folge bewusst vermieden werden. Darüber Hinaus gilt zu klären, ob tatsächlich die Angst im Vordergrund steht oder ob sie lediglich eine Begleiterscheinung einer anderen psychischen Krankheit, wie einer Zwangsstörung, Depression, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit ist. Mit einem standardisierten Fragebogen und einem Angsttagebuch, das sowohl für die Diagnose als auch für die Therapie sehr hilfreich ist, kann der Facharzt eine genaue Diagnose  stellen und die Therapie entsprechend planen.

Selbsttest: Neige ich zu Agoraphobie?

Wenn du herausfinden möchtest, ob du möglicherweise zur Agoraphobie neigst, kannst du dies im Folgenden tun. Du solltest dir aber darüber bewusst sein, dass der Selbsttest auf keinen Fall eine Diagnose durch einen erfahren Psychotherapeuten ersetzt. Zu diesem solltest du aber unbedingt Kontakt aufnehmen, wenn deine Antworten darauf hindeuten. Auch wenn die Ergebnisse nicht eindeutig sind, solltest du dir bei bestehenden Ängsten ärztlichen Rat suchen. Überwiegen bei dir vor allem körperliche Symptome, kannst du dich auch zuerst an deinen Hausarzt wenden, um körperliche Erkrankungen, wie beispielsweise eine Stoffwechselstörung, eine Herzerkrankung oder eine Erkrankung der Atemwege auszuschließen.

1. Du hast eine unbegründet starke Angst,

  • dich an öffentlichen Plätzen aufzuhalten (Kaufhaus, Supermarkt, Friseur)
  • vor Kino- oder Konzertbesuchen
  • vor großen Menschenmengen
  • in einer Schlange zu stehen
  • dich im Auto, Bus, Zug oder Flugzeug zu befinden
  • das Haus zu verlassen
  • alleine im Haus zu sein

2. Du verspürst in den gefürchteten Situationen mindestens zwei der folgendenSymptome
Schweißausbrüche

  • Zittern
  • Herzrasen, Herzklopfen oder Herzstolpern
  • Engegefühl im Brust- oder Bauchbereich
  • Atembeschwerden oder Atemnot
  • Mundtrockenheit
  • Schwindel
  • Übelkeit oder Brechreiz
  • Schwäche- oder Benommenheitsgefühl
  • Gefühl, alles um dich herum ist unwirklich
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln
  • Stuhl- oder Harndrang
  • Angst,
    – die Kontrolle zu verlieren
    – verrückt zu werden
    – auszurasten
    – ohnmächtig zu werden
    – zu ersticken
    – hilflos zu werden
    – dass dir etwas peinliches passiert

3. Du vermeidest solche Situationen wegen deiner Angst.
4. Du hast den Eindruck, dass aufgrund deiner Angst etwas mit dir nicht stimmt.
5. Du konntest wegen deiner Angst mal nicht verreisen oder auf eine Veranstaltung, obwohl du es fest geplant hattest.
6. Du leidest darunter, dass du bestimmte Situationen meidest.
7. Du hast den Eindruck, dass du immer mehr Situationen meidest.
8. Die Ängste bestimmen dein Leben, deinen Alltag und dein Sozialverhalten.
9. Du hast wegen deiner Ängste schon mal einen ganzen Tag lang das Haus nicht verlassen.
10. Wenn du doch mal unterwegs bist, hältst du immer nach einem Fluchtweg Ausschau.

Wenn du dich in den hier beschriebenen Szenarien und Antworten wiederfindest, könnte dies ein erster Hinweis auf eine Agoraphobie sein. Dann solltest du dir ärztliche Hilfe suchen, da die Folgen nicht zu unterschätzen sind. Mit einer entsprechenden Therapie ist Agoraphobie aber heilbar.

Folgen der Agoraphobie

Folgen der Agoraphobie: Öffentliche Situationen können zur Qual werden

Wie bereits erwähnt, schämen sich Agoraphobiker oft für ihre übertriebenen Ängste und Symptome. Nicht selten ziehen sie sich bewusst aus ihrem sozialen Umfeld zurück, um ihre Phobie zu verstecken oder ihnen bleibt gar keine andere Wahl, da sie beispielsweise Konzerte schlichtweg nicht besuchen können. Wie stark das Privat- und Berufsleben betroffen sind, hängt natürlich von der Schwere der Symptome und den persönlichen Lebensumständen ab. Das Vermeiden von angstauslösenden Situationen wie Einkaufen, Reisen, Freizeitaktivitäten oder Bus- und Bahnfahren kann aber zum sozialen Abstieg, im schlimmsten Fall sogar zum Verlust des Arbeitsplatzes oder Partner führen.

Wenig verwunderlich ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass fast jeder zweite Betroffene an Depressionen leidet und die Suizidgefahr deutlich erhöht ist. Damit einher gehen oft andere Angsterkrankungen wie soziale Phobien oder somatoforme Störungen, also körperliche Beschwerden, die keine organischen Ursachen haben. Mit einer Panikstörung steigt auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Magengeschwüre.

Viele Betroffene bekämpfen ihre Ängste, aber auch die negativen, sozialen Folgen mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln. Letztere werden sogar häufig von Allgemeinmedizinern verschrieben, helfen aber nur kurzzeitig gegen die Symptome, nicht aber gegen die Ursachen. Zudem besteht die Gefahr der Abhängigkeit.

Agoraphobie behandeln

Auch wenn du dich vor Ablehnung und Unverständnis sorgst – wenn einzelne Anzeichen für eine Agoraphobie sprechen, solltest du dich zeitnah an deinen Hausarzt oder direkt an einen Psychotherapeuten oder Psychiater wenden. Je schneller du eine entsprechende Therapie bekommst, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du deine Angst auch wieder in den Griff bekommst, bevor dein soziales Leben zu stark beeinträchtigt ist. Welche Therapie infrage kommt, hängt vom Schweregrad, den Bedürfnissen und Wünschen des Patienten, Kosten und möglichen Wartezeiten ab. Manchmal ist auch eine Kombination nötig, um den besten Therapieerfolg zu erzielen.

Verhaltenstherapie

Mit Hilfe einer Verhaltenstherapie lässt sich die Agoraphobie besonders gut behandeln. Therapieziel ist es, dass der Agoraphobiker Orte und Situationen, die Angst in ihm auslösen, nicht mehr meidet. Dazu muss er verstehen, wie seine Angst zustande kommt. Der Therapeut erklärt dem Patienten, welche Denkmuster dazu geführt haben, dass er seine Angst aufrechterhalten und verstärkt hat. Damit soll dem Betroffenen klar werden, wie sich deine Gefühle und Gedanken auf sein tatsächliches Verhalten auswirken. Mit gezielten Übungen können diese Muster aufgebrochen und korrigiert werden.

Beim Expositionsverfahren begibt sich der Agoraphobiker unter Anleitung in eine gefürchtete Angstsituation und soll in dieser so lange verharren, bis die Angst spürbar weniger wird. Ziel des Verfahrens ist es, dem Patienten deutlich zu machen, dass seine Angst objektiv unbegründet ist. Sollte die Angst im Vorfeld zu groß sein, stellt sich der Betroffene im ersten Schritt die Situation lediglich vor.

Medikamentöse Therapie

Medikamentöse Therapie bei Platzangst

Bei einer medikamentösen Therapie werden meistens Antidepressiva verschrieben. Sie wirken beruhigend und können Ängste lösen. Dazu greifen sie in den Hirnstoffwechsel ein und verändern die Konzentration der Botenstoffe (Neurotransmitter). Bei einer Angststörung sind die Botenstoffe im Gehirn aus dem Gleichgewicht geraten. Botenstoffe werden benötigt, um Reize von einer Nervenzelle auf die andere übertragen zu können. Antidepressiva sorgen dafür, dass wichtige Botenstoffe wie Noradrenalin oder Serotonin in ausreichender Konzentration verfügbar sind und die Weiterleitung zwischen den Nervenzellen funktioniert. Welche Antidepressiva am besten geeignet sind, hängt von vielen Faktoren ab und muss von einem Psychotherapeuten genauestens abgeklärt werden. Bis das Medikament vollständig und effektiv wirkt, dauert es mindestens zwei Wochen.

Psychodynamische Therapie

Deutlich länger dauert eine Therapie mit psychodynamischen Verfahren, die zum Einsatz kommt, wenn eine Verhaltenstherapie nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat oder der Patient mit diesem Ansatz besser zurecht kommt. Dabei handelt es sich um Psychotherapiemethoden, die sich mit den bewussten und unbewussten Kräften der Psyche beschäftigen. Dem Betroffenen soll klar werden, wie das eigene Verhalten und Erleben in bestimmten Situation vom Unterbewusstsein beeinflusst wird. Der Angst liegt nach diesem Ansatz ein Konflikt zugrunde, der zuerst aufgedeckt und anschließend bearbeitet wird. Oberstes Ziel ist es, dass der Patient seine Ängste besser bewältigen kann. Die psychodynamischen Verfahren basieren auf der Grundlage der Psychoanalyse und erstrecken sich meist über mehrere Jahre.

Was du selbst tun kannst

Neben den drei erwähnten Therapieformen gibt es noch weitere Behandlungsmöglichkeiten, die dein Wohlbefinden verbessern können und als Ergänzung zur Therapie dienen.

  1. Akzeptiere deine Angst: Wenn du ständig gegen deine Ängste ankämpfst, wird dich das sehr viel Kraft kosten. Akzeptiere die Angst und Schwächephase. Wichtig ist nur, dass du ihr nicht davon läufst, sondern dich Schritt für Schritt deinen Ängsten stellst und dir therapeutische Hilfe suchst.
  2. Kleine Schritte: Zu Beginn der Therapie scheint es fast utopisch, dass du irgendwann einmal angstfrei bist. Beginne mit kleinen Schritten und dem Bestreben, die Angstvermeidung aufzugeben und dich Angst machenden Situationen zu stellen.
  3. Übung macht den Meister: Wenn du gemeinsam mit einem Therapeuten beispielsweise eine Verhaltenstherapie begonnen hast, nimm die Übungen als Hausaufgaben mit nach Hause, um deine Erfolge und dein Selbstvertrauen zu festigen. Je häufiger du merkst, dass deine Angst unbegründet ist, desto seltener wird dein Nervensystem Alarm schlagen und desto eher vermindern sich deine Erwartungsängste.
  4. Vermeide Horrorphantasien: Konzentriere dich auf die aktuelle Situation im Hier und Jetzt und nicht darauf, was alles passieren könnte. Dein Unterbewusstsein kann nicht zwischen Traum und Realität unterscheiden. Versuche also in der Realität zu bleiben, um ihm und deinem Körper zu zeigen, dass die Angst unbegründet ist, anstatt negative Szenarien und Erfahrungen gedanklich herbeizuführen.
  5. Vertraue dir selbst: Es wird einige Zeit dauern und du wirst dich in Geduld üben müssen, aber nach und nach wirst du dich in ehemals gefürchteten Situationen besser zurecht finden. Mit den kleinen Erfolgen wird dein Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein wachsen und dein Unterbewusstsein wird registrieren, dass die körperlichen Symptome nicht gefährlich sind und das Angstzentrum in deinem Gehirn wird sich seltener melden.
  6. Vertraue anderen: Manche Menschen machen alles mit sich selbst aus, anderen hilft es, wenn sie offen über ihre Ängste und Sorgen reden können. Dies kannst du mit Familienmitgliedern und Freunden, aber auch in einer Selbsthilfegruppe tun.
  7. Bewege dich: Wie so oft kann Sport, insbesondere regelmäßiger Ausdauersport, dabei helfen, den Therapieverlauf positiv zu beeinflussen und zu unterstützen.
  8. Führe bewusst Entspannung herbei: Generell kann es dir helfen, wenn du dich bewusst entspannst und mal abschalten kannst. Dazu eignen sich beispielsweise autogenes Training, bei dem du durch deine reine Vorstellungskraft Entspannung herbeiführen kannst. Aber auch progressive Muskelentspannung, wobei einzelne Muskelgruppen erst an-, dann entspannt werden. Wenn du lieber meditierst, kann auch das hilfreich sein. Finde heraus, mit welcher Technik du dich am besten entspannen und den Verlauf der Therapie positiv ergänzen kannst.
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