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Helfersyndrom überwinden: 5 Ursachen & 6 Tipps bei pathologischer Hilfsbereitschaft (+ Selbsttest)

Hilfsbereitschaft ist eine wertvolle Eigenschaft. Wenn das Bedürfnis zu helfen jedoch krankhaft wird und an Selbstaufopferung grenzt, kann der Betroffene unter einem Helfersyndrom leiden. Welche Ursachen es gibt und wie man das Leiden überwindet, kannst du im Folgenden erfahren.


Was ein Helfersyndrom ist

Was ein Helfersyndrom ist

Jemandem zu helfen, seine Hilfsbedürftigkeit zu erkennen und die eigenen Bedürfnisse für das Wohlbefinden anderer zurückzustellen, scheint tapfer, nobel und selbstlos zu sein. Menschen, die altruistisch handeln, sind Vorbilder für andere Menschen. Doch nicht jeder ist auf die gleiche Weise hilfsbereit. Während die einen ihre Zeit und ihr Geld für Bedürftige opfern, sind andere weniger hilfsbereit und mehr auf ihr eigenes Wohl fixiert.

Doch ausgerechnet die Menschen, zu denen wir aufschauen, die Hilfsbereiten und Selbstlosen, sind gefährdet an ihrer Hilfsbereitschaft zu erkranken. Sie opfern sich auf, damit sie anderen Menschen helfen können. Sie stellen sich komplett zurück und helfen auch da, wo niemand nach Hilfe gefragt hat. Damit handeln sie egoistisch, denn für sie ist Helfen eine Sucht. Sie helfen anderen, weil sie sich selbst besser fühlen wollen.

Dieses Motiv ist den Betroffenen meist eher weniger bewusst. Sie merken oft erst zu spät, dass sie ausgelaugt und überlastet sind. Obwohl das Helfersyndrom selbst keine psychische Erkrankung ist, kann es im schlimmsten Fall zu Depressionen, Burnout und Stresserkrankungen führen. Eine Therapie ist dann unvermeidlich.

Hilfsbereitschaft ist für unser Überleben unvermeidlich und ein ganz natürlicher Impuls der Menschheit. Ohne Hilfe könnte ein Neugeborenes nicht überleben. Die Gemeinschaft profitiert ebenfalls von diesem Phänomen. Ohne Hilfsbereitschaft gäbe es keine freiwilligen und ehrenamtlichen Helfer und wohl keine Organisationen wie die freiwillige Feuerwehr. Allerdings muss man diese Form der Hilfsbereitschaft klar vom Helfersyndrom abgrenzen.

Solidarische Hilfe: Die Form der Hilfsbereitschaft orientiert sich ausschließlich an den Bedürfnissen und dem Nutzen des Hilfesuchenden.

Pathologische Hilfe: Bei der pathologischen Hilfe können ausschließlich die Bedürfnisse des Helfers im Vordergrund stehen und damit eine Menge Schaden für den Helfer und den Hilfesuchenden anrichten. Eine Co-Abhängigkeit kann entstehen.

Erstmalig wurde das Helfersyndrom in den 70ern von dem Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer beschrieben, der den Begriff vor allem für berufliche Aufopferung in sozialen Berufen gebraucht. Schmidbauer unterscheidet dabei vier verschiedene Typen:

Opfer des Berufs: Das Privatleben kommt gegenüber dem Berufsleben viel zu kurz.
Spalter: Der Spalter verhält sich im Berufsleben ganz anders als im Privatleben.
Perfektionist: Perfektion wird in allen Lebensbereichen erwartet.
Pirat: Die berufliche Vormachtstellung wird für private Belange benutzt.

Diese vier Typen sind allesamt Burnout-gefährdet und leiden an einem Helfersyndrom, das ebenfalls das Privatleben beeinträchtigt. Hauptsächlich soziale Berufsgruppen sind von diesem Phänomen betroffen. Dazu zählen Ärzte, Kranken-, Altenpfleger und Therapeuten genauso wie Lehrer, Kindergärtner, Pfarrer und Sozialarbeiter. Das Helfersyndrom ist oft in der Persönlichkeit veranlagt. Menschen mit dieser Veranlagung neigen dazu, soziale Berufe anzustreben. Diese Tätigkeiten können die Aufopferung im Beruf allerdings noch begünstigen, da hier ihre Hilfsbereitschaft besonders benötigt und wertgeschätzt wird.

Allerdings kann sich das Helfersyndrom auch im Privatleben stark auf das Verhalten der Betroffenen auswirken, beispielsweise in der Partnerwahl. Oft wählen Betroffene einen Partner, der auf ihre Hilfe angewiesen ist wie beispielsweise einen Suchtkranken. Durch dieses Verhalten müssen sie sich weniger mit ihrer eigenen Abhängigkeit auseinandersetzen. So können sie negative Gefühle wie Eifersucht verdrängen.

Helfersyndrom: Das sind die Ursachen

Helfersyndrom: Das sind die Ursachen

Gründe für ein Helfersyndrom können vielseitig sein, sind meist aber psychologisch bedingt. Der Betroffene versucht sich durch seine pathologische Hilfsbereitschaft etwas zu beweisen. Er hilft, weil er sich besser fühlen möchte. Dazu macht er sich von der Hilfsbedürftigkeit anderer abhängig.

Geringes Selbstwertgefühl

Viele Menschen mit Helfersyndrom haben ein geringes Selbstwertgefühl und versuchen Wertschätzung von außen zu bekommen, indem sie anderen Menschen helfen. Aufgrund ihrer Hilfsbereitschaft wird den Betroffenen oft Dankbarkeit zuteil, die sie in ihrem Tun und ihrer Bewältigungsstrategie nur bestärkt. Doch auch wenn die Anerkennung ausbleibt, können sie ihr Verhalten nicht ändern. Die Betroffenen glauben, dass sie sich noch mehr anstrengen müssen, um der Anerkennung anderer würdig zu sein.

Wunsch nach Macht

Dazu kann der unbewusste Wunsch kommen, Macht über andere Menschen zu verfügen. Indem andere Menschen auf ihre Hilfe angewiesen sind, können sie sich dieses Gefühl verschaffen. Im Vordergrund steht oft der Wunsch, akzeptiert zu werden und für andere eine Bedeutung zu haben.

Emotional instabile Wesensart

Vor allem Menschen sind gefährdet, die von Natur aus eine emotional instabile Wesensart haben. Sie leiden unter depressiven Verstimmungen und erhoffen sich durch ihre Hilfsbereitschaft Ablenkung zu bekommen und ihrem Leben einen Sinn zu geben.

Konfliktbewältigungsstrategie

Einige Betroffene versuchen mit ihrer Hilfsbereitschaft Ängste zu bewältigen und Problemen aus dem Weg zu gehen. Dadurch dass sich der Betroffene vollends auf die Probleme anderer konzentriert, kann er seine eigenen Probleme für einen Moment vergessen.

Liebesentzug in der Kindheit

Häufig wird der Grundstein für ein Helfersyndrom bereits in der Kindheit gelegt. Das kann die Spätfolge eines Liebesentzugs sein, der sich im Erwachsenenalter zu einem unstillbaren Bedürfnis nach Anerkennung verwandelt. Ihnen wurde bereits früh das Gefühl vermittelt, dass sie für das Wohlbefinden anderer verantwortlich sind, beispielsweise für die Gefühlslage der Eltern. Ihren Wert ziehen sie aus ihrer Hilfsbereitschaft. Nur dann halten sie sich für einen guten Menschen.

Test: Leidest du an einem Helfersyndrom?
Wenn auch du viel und gerne hilfst und nun wissen möchtest, ob du an einem Helfersyndrom leidest, kannst du dir mit unserem Test ein wenig Klarheit verschaffen. Dieser Test ersetzt in keinem Fall einen Besuch bei einem Arzt oder Therapeuten, der die Ursachen und Symptome des Helfersyndroms besser einschätzen und auf deine persönlichen Erfahrungen eingehen kann. Dennoch kannst du mit diesem Test dein Verhalten reflektieren und möglicherweise sogar deine Probleme erkennen.

Wir haben einige Aussagen zusammengestellt, die das Verhalten eines Betroffenen widerspiegeln. Bejahst du den Großteil der Aussagen, könntest du an einem Helfersyndrom leiden. Verneinst du die meisten Aussagen, ist die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass es sich in deinem Fall, um ein Helfersyndrom handelt. Wichtig ist allerdings, dass du ehrlich zu dir selbst bist, um ein stimmiges Ergebnis zu erhalten.

  1. Freunde und Bekannte raten dir dazu, auch einmal etwas nur für dich zu tun.
  2. Dir fällt es schwer eigene Bedürfnisse und Wünsche zu formulieren.
  3. Dir fällt es schwer die Hilfe anderer anzunehmen.
  4. Du machst die Probleme anderer zu deinen eigenen.
  5. Du fühlst dich oft erschöpft und ausgelaugt.
  6. Du kannst die Bitten anderer Menschen nur schwer ablehnen.
  7. Deinen Lebenssinn siehst du in deiner Hilfsbereitschaft.
  8. Du fühlst dich wertvoll, wenn andere auf deine Hilfe angewiesen sind.
  9. Du eilst zur Hilfe, selbst wenn niemand danach fragt.
  10. Für deine Hilfsbereitschaft erwartest du eine Gegenleistung in Form von Dankbarkeit und Anerkennung.
  11. Du hast Probleme damit, deine Gefühle zu zeigen.
  12. Du verteilst gerne Ratschläge, auch wenn dich niemand danach fragt.
  13. Wenn du einmal nicht hilfst, fühlst du dich schuldig.
  14. Die Bedürfnisse anderer sind dir wichtiger als deine eigenen.
  15. Du fühlst dich durch deine Hilfsbereitschaft überlegen.

So kannst du dein Helfersyndrom überwinden

So kannst du dein Helfersyndrom überwinden

Wenn du über dein Verhalten nachdenkst und die Ursachen und Gründe deiner Hilfsbereitschaft reflektierst, kommst du vielleicht zu dem Schluss, dass dein Verhalten nicht gesund für dich ist. Willst du an dir arbeiten und wieder ein gesundes Gleichgewicht zwischen Hilfsbereitschaft und Privatleben schaffen, können dir unsere Tipps helfen, dein Ziel zu erreichen.

Selbstwertgefühl stärken

Zuallererst solltest du dich auf dein Selbstwertgefühl fokussieren. Um dein Helfersyndrom zu überwinden, ist es wichtig deinen Wert zu erkennen und dich in deinem Selbstbewusstsein zu bestärken. Mache dir bewusst, dass du wertvoll und wichtig bist. Du musst dich nicht beweisen und deinen Wert durch Hilfsbereitschaft und Leistung bestätigen. Du darfst auf deine eigenen Bedürfnisse eingehen und musst dich deshalb nicht schlecht fühlen. Formuliere eigene Wünsche und versuche sie zu realisieren. Nimm selbst Hilfe an. Das ist nur menschlich und für ein glückliches Leben unvermeidlich. Du solltest dich selbst so behandeln, wie du deinen besten Freund behandeln würdest.

Selbstliebe

Wer sich selbst liebt, macht sich von anderen Menschen unabhängig. Du bist nicht mehr auf die Bestätigung anderer Menschen angewiesen und musst ihnen nicht mehr jeden Wunsch von den Lippen ablesen, um dich wertgeschätzt zu fühlen. Das ist bei einem Helfersyndrom besonders wichtig, denn häufig entsteht hier eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen Helfer und Hilfsbedürftigem. Wichtig ist, dass du dich von dieser Abhängigkeit löst. Natürlich solltest du noch helfen, aber deinen Wert nicht mehr aus dieser Hilfsbereitschaft ziehen. Akzeptiere dich mit all deinen Stärken und Schwächen und du wirst dich von einigen Lasten befreien können.

Grenzen setzen

Um deiner Selbstaufopferung ein Ende zu setzen, solltest du lernen Grenzen zu setzen und auch einmal „Nein“ zu sagen. Du kannst und musst nicht jedem helfen, vor allem wenn du dafür dein eigenes Leben zurückstellen musst. Manche Menschen neigen dazu, Hilfsbereitschaft auszunutzen. Wenn du das Gefühl hast, dass eine Person dich ständig und auch bei Kleinigkeiten um Hilfe bittet, solltest du die Notbremse ziehen. Auch wenn du dich verpflichtet fühlst zu helfen, obwohl niemand direkt nach deiner Hilfe gefragt hat, solltest du dich zurücknehmen. Zwingst du deinen Mitmenschen deine Hilfsbereitschaft auf, können weder sie noch du einen Nutzen daraus ziehen.

Entspannung

Entspannung löst innere Fesseln

Wenn du dich mit der Zeit erschöpft und überlastet fühlst, solltest du wieder mehr auf deine Bedürfnisse achten und dir auch einmal Auszeiten gönnen. Sorge für Entspannung, indem du dir beispielsweise einen Nachmittag nur für dich gönnst. Du kannst ein Buch lesen, einen guten Film schauen, spazieren gehen oder Sport treiben. So kannst du Stresshormone abbauen und neue Energie tanken. Wenn du langfristig mehr Ruhe in deinen Alltag bringen möchtest, kannst du es mit Entspannungstechniken wie Progressiver Muskelentspannung versuchen.

Freizeit gestalten

Schaffe einen Ausgleich, indem du deine Freizeit aktiv gestaltest. Stelle deine Bedürfnisse nicht mehr zurück, sondern komme deinen eigenen Wünschen nach. Treffe dich mit Freunden, besuche Veranstaltungen oder fange ein neues Hobby an. Lasse mehr Freude in dein Leben. Schaffe dir jeden Tag eine Sache, auf die du dich freuen kannst. Verplane nicht den ganzen Tag, sondern lasse dir ein Zeitpuffer. So kannst du Stress vermeiden und zwischendurch ein wenig entspannen.

Psychotherapie

Du musst keine Angst davor haben, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Therapeut kann dir am besten bei der Lösung deines Problems helfen. Zusammen könnt ihr an der Stärkung deines Selbstwertgefühls arbeiten und dich von deiner Co-Abhängigkeit lösen. Du lernst deine Bedürfnisse zu erkennen und auf sie einzugehen. So kannst du schlimmeren psychischen Erkrankungen wie einem Burnout vorbeugen.

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