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Japanisch lernen: Das 1×1 für die ersten Schritte

Japanisch lernen

Die japanische Sprache ist mit rund 127.000.000 Sprechern eine der elf am häufigsten gesprochenen Sprachen der Welt. Auch im Internet ist das Japanische vergleichsweise häufig vertreten: Fünf Prozent aller Seiten sind auf Japanisch verfasst.

Anreize zum Erlernen dieser faszinierenden Sprache gibt es viele. Nicht nur Fans von Mangas und Animés fühlen sich zur japanischen Kultur und somit auch zur Sprache hingezogen. Auch angehende Japanreisende sind gut beraten, wenn sie sich ein paar Grundkenntnisse aneignen, bevor es losgeht. Durch die Sprache kann man sich einen besseren Zugang zum Land und seinen Bewohnern verschaffen. Japanischkenntnisse können das Reiseerlebnis bereichern. Insiderinformationen über Sehenswürdigkeiten und Orte erhält man wahrscheinlicher, wenn man mit den Anwohnern ins Gespräch kommt. Umgekehrt kann es passieren, dass man sein Gegenüber verunsichert, wenn man es einfach auf Englisch anspricht.

Nicht zuletzt aus der wirtschaftlichen Perspektive gesehen ist Japan als eines der vier exportstärksten Länder interessant. Die Sprache zu beherrschen kann im Umgang mit japanischen Geschäftskontakten hilfreich sein oder zumindest einen sympathischen ersten Eindruck machen. Aber auch der Wunsch, im Sushi-Restaurant das mangelhafte Beherrschen der Ess-Stäbchen durch ein perfektes Verständnis der Speisekarte wieder wettmachen zu wollen, kann ein berechtigtes Motiv sein, Japanisch zu lernen.

Japanisch in der Welt – Verbreitung und Unterschiede

Das Japanische wird zwar von 2,4 Prozent der Weltbevölkerung gesprochen, gilt aber trotz dieser hohen Anzahl von Sprechern nicht als Weltsprache. Dafür gibt es zwei Gründe: Es gibt nicht viele Menschen, die als Zweitsprache Japanisch sprechen, und das es wird vor allem innerhalb der eigenen Landesgrenzen gesprochen. Doch auch in anderen Teilen der Welt gibt es japanische Minderheiten: Es gab drei Migrationsbewegungen Ende des neunzehnten bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts. In den USA lebt heute die größte ausgewanderte Sprechergruppe, davon über die Hälfte auf Hawaii. Viele ehemalige japanische Auswanderer leben in Südamerika, insbesondere in Brasilien. Hier lebt die größte japanische Gemeinschaft außerhalb Japans. Auch in Korea, Taiwan, auf Sachalin und in Teilen Chinas gibt es vor allem ältere Menschen, die Japanisch sprechen. Grund dafür sind ehemalige Kolonien und Besetzungsaktivitäten Japans in diesen Gebieten.

Weil sich die Sprachgemeinschaft vornehmlich auf Japan konzentriert, sind besonders die Unterschiede in Japan selbst am interessantesten. Da Japan aus 6.852 Inseln besteht, ist die hohe Anzahl von Dialekten keine Überraschung. Grob unterteilt werden sie in zwei Typen: Der erste wird im östlichen Gebiet um Tokio gesprochen. Aus diesem leitet sich auch die japanische Standardsprache ab. Aufgrund verschiedener Faktoren verbreitet er sich immer mehr über die ganze Insel. Die zweite, im Westen verbreitete Dialektgruppe heißt Kyoto-Osaka-Typ. Die Verschiedenartigkeit der Dialekte wirkt sich auf die Betonung, die Grammatik und auch das Vokabular aus. Bei manchen Dialekten aus den Randgebieten Japans kann es sogar vorkommen, dass sie von Sprechern anderen Japanisch-Sprechern nicht verstanden werden. Ein extremer Fall sind die sogenannten Ryūkyū-Sprachen: Sie werden als eigene japanische Sprachen gewertet.

Japanisch sprechen: Aussprache und Besonderheiten

Die Laute der japanischen Sprache unterscheiden sich nicht stark von denen des Deutschen. Daher sind sie relativ einfach zu erlernen. Die Vokale sind sogar fast gleich, wobei das /u/ einer Mischung aus dem deutschen „u“ und „ü“ ähnelt. Was die Konsonanten angeht, gibt es auch hier keine großen Herausforderungen. Eine kleine Schwierigkeit könnte folgender Aspekt sein: Anstatt dem im Standarddeutschen gebräuchlichen „r“ gibt es einen Konsonant, der klanglich einer Mischung aus „r“ und „l“ ähnelt. Das kann Lernenden Schwierigkeiten bereiten. Anders als im Deutschen kommen im Japanischen die Konsonanten immer in Verbindung mit Vokalen vor. Wenn das manchmal anders klingt, liegt es daran, dass man die Vokale /i/ und /u/ je nach Position im Wort bisweilen so weit kürzt, dass sie kaum oder gar nicht mehr hörbar sind. Einzige Ausnahme von den Vokal-Konsonant-Kombinationen im Japanischen ist das „n“, der einzige Konsonant, der allein stehen kann.

Die größte Hürde für Japanischlernende ist wohl – eher als die Aussprache – das Erlernen der drei Hauptschriften des Japanischen, Hiragana, Katakana und Kanji. Hiragana und Katakana stellen mit jedem Zeichen eine Silbe dar. Kanji sind aus dem Chinesischen stammende Ideogramme. Daneben gibt es noch Romaji, die Umschrift japanischer Wörter mittels lateinischer Buchstaben.

Japanische Vokabeln

Einen großen Lernaufwand bedeuten die oft komplexen Kanji-Zeichen. Sie stehen für jeweils einen bestimmten Begriff. Davon gibt es um die 50.000, und für jedes Kanji existieren verschiedene Lesarten. Zudem kann man sie untereinander kombinieren, wodurch wieder ganz neue Bedeutungen entstehen. Ein kleiner Trost ist, dass nicht einmal Gelehrte sie alle kennen. Zudem wurden „nur“ 1.945 Kanjis vom japanischen Bildungsministerium als wissenswert eingestuft. Abgesehen davon gibt es die Lesehilfe Furigana. Das sind klein neben den Kanji notierte Hiragana- oder Katakana-Zeichen. Japanischlernende kommen jedoch trotzdem nicht um das Kanji-Lernen herum. Die drei Zeichensysteme werden parallel verwendet, oft sogar im gleichen Satz. Hinzu kommt, dass die Schreibweise zur Eingrenzung der Bedeutung gleichklingender Wörter dient.

Eine weitere Besonderheit im Vokabular des Japanischen sind die Zahlwörter: Je nachdem was man zählt, verändert sich auch das Zahlwort. Außerdem werden oft Zähleinheitswörter benutzt, die zwischen Zahl und dem gezählten Begriff im Satz stehen. Das ist vergleichbar mit „Blatt“ in „drei Blatt Papier“.

Japanische Grammatik

Ein wichtiges Merkmal der japanischen Grammatik ist die Höflichkeitssprache. Im Deutschen wird Höflichkeit lediglich durch die Ansprache mit Sie und Du und die entsprechende Verbform ausgedrückt. Im Japanischen gibt es drei verschiedene Höflichkeitsformen, die die Endung des Verb verändert. Außerdem werden in der Höflichkeitssprache bestimmte Wörter verwendet und Präfixe dem Bezugswort vorangestellt. Die Stufen der Höflichkeitssprache reichen von „bescheiden-höflich“ über „neutral-höflich“ bis „ehrerbietig-höflich“. Am leichtesten zu erlernen gilt die neutral-höfliche Ansprache. Diese kann man in vielen Kontexten verwenden, ohne Gefahr zu laufen, sich im Ton zu vergreifen. Generell sind Japaner nachsichtig und nehmen es Ausländern nicht krumm, wenn sie mit der Wahl der Höflichkeitsstufe daneben liegen.

Japanisch lernen auf Sprachreisen

Grammatik pauken und Vokabeln lernen sind nicht alles.Um ein gutes Selbstbewusstsein beim Sprechen zu entwickeln, ist es daher ratsam, das Gelernte mit Muttersprachlern zu üben. Nur hier kann man sich an deren Aussprache orientieren. Auch bemerkt man nur in Alltagssituationen, ob eine bestimmte Formulierung überhaupt gebräuchlich ist oder seltsam klingt. Da bietet es sich an, in Japan einen Sprachkurs zu belegen. So kann man das Erlernte in der Praxis festigen und nebenbei das Land und die Kultur erleben. Eine Vielzahl von Organisationen bietet verschiedenste Ziele für eine Sprachreise an. Neben Tokio stehen auch Osaka, Fukuoka, Kobe oder Gifu zur Auswahl. Bei einigen Anbietern kann man den Japanischkurs sogar mit Surfschulungen oder Auslandspraktika kombinieren.

Japanisch lernen an Hochschulen und Akademien

Hochschulen bieten oft kostenlose Fremdsprachen-Kurse für fachfremde eingeschriebene Studierende an. Nicht selten befindet sich das Japanische im Repertoire. Wer nicht eingeschrieben ist, kann sich über Angebote außerhalb der Hochschulen informieren oder an der Uni nachfragen, ob auch externe Teilnehmer mitmachen können. Weitere Angebote bieten japanische Kultur-Institutionen an, wie Kulturinstitute, Clubs oder Vereine. Bei allgemeineren Bildungseinrichtungen sollten Interessenten sich vorher über die Qualität des Kurses informieren, da dies sehr unterschiedlich ausfallen kann. Hier sollte man vor der Buchung den Kontakt zu Besuchern anderer Kurse suchen.

Japanisch online lernen

Nicht jeder hat genug Zeit, um regelmäßig einen Sprachkurs zu besuchen, oder wohnt in der Nähe einer Sprachschule. Daher mag es verlockend erscheinen, online Japanisch zu lernen.

Leider sind auf den Seiten der einschlägigen Sprachlehrverlage keine professionellen Japanisch-Onlinekurse zu finden. Dafür gibt es eine Reihe von Apps, Audio-eBooks, Podcasts und Video-Kursen von anderen Anbietern im Internet. Viele vermitteln aber eher die Grundlagen der Sprache. Japanisch-Lern-Apps sind inhaltlich sehr unterschiedlich gewichtet. Hier kann man zwischen Kanji-Datenbanken, bunt illustrierten Karteikarten-Apps in Manga-Optik und Hiragana- und Katakana-Übungen wählen. Bei einigen ist die Lernsprache Englisch.

Japanisch kostenlos lernen: Diese Möglichkeiten gibt es

Wer erst einmal schauen will, ob ihm das Japanische liegt, ohne direkt Geld zu investieren, hat verschiedene Optionen. Mit Gratis-Apps und auf einigen Internetseiten ist es möglich, grundlegende Kenntnisse des Japanischen zu erlangen. Als nächsten Schritt kann man seine Kenntnisse im Gespräch festigen und ein Sprach-Tandem beginnen. Hierbei trifft man sich mit einem Muttersprachler und unterhält sich mit ihm auf Japanisch. Im Gegenzug übt man auch das Deutsche mit seinem Tandem-Partner. Dies ist besonders effektiv, um Sprachpraxis zu erlangen und Fragen zu klären. Einen Tandem-Partner findet man über Gruppen in sozialen Netzwerken oder bei Veranstaltungen japanischer Kulturvereine. Auch ein Besuch des Japanisch-Institutes der nächstgelegenen Hochschule kann hilfreich sein. Oft gibt es dort schwarze Bretter, um solche bereichernden Kontakte herzustellen.

Ob man am Ende seinen Lieblingsmanga im Original lesen kann, im Tokioter Schilderdschungel weiß, wo es langgeht oder mit dem Geschäftspartner auf dessen Landessprache plaudert – Japanisch zu lernen lohnt sich.

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