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Stenografie lernen: 5 Tipps & 3 Fallstricke bei der Kurzschrift

Manchmal kommst du beim Mitschreiben einfach nicht hinterher. Hast du einen Satz geschrieben, ist der Redner schon drei Sätze weiter. Helfen kann in diesem Fall die Stenografie. Die Kurzschrift ermöglicht dir besonders schnelles Schreiben – und zwar bis zu zehnmal schneller als mit der normalen Langschrift. Wie du Stenografie lernen kannst, erfährst du hier.

Stenografie kann in allen Situationen nützlich sein, in denen du schnell etwas mitschreiben willst. Das kann dir in der Schule, im Studium oder im Beruf einige Vorteile verschaffen. Alles, was du über Stenografie wissen musst, erfährst du im Folgenden.

Was Stenografie ist

Verschiedene Kurzschriftsysteme

Stenografie ist kein neueres Phänomen. Ganz im Gegenteil: Bereits die Alten Griechen und Römer nutzten Kurzschriftsysteme. Im Mittelalter verwendete man sie unter anderem als Akten- und Kanzleischrift. Heutzutage hat die Stenografie eine weniger große Bedeutung, ist jedoch nicht gänzlich unbedeutend. Anwendung findet sie beispielsweise im Bundestag, in dem die Sitzungen noch immer von Stenografen protokolliert werden.

Allerdings kann dir die Stenografie auch im Alltag behilflich sein, beispielsweise wenn du in der Uni eine Vorlesung mitschreiben willst oder schnell einige Gedanken zu Papier bringen möchtest. Die Kurzschrift erspart dir einiges an Zeit. Und nicht nur das: Du profitierst auch auf ganz andere Weise von der Stenografie. Beim Erlernen der Technik stärkst du nicht nur deine Konzentration, sondern entwickelst auch ein intensiveres Verhältnis zur Sprache.

Erfunden wurde die Stenografie (auch: Stenographie) von Marcus Tullius Tiro im ersten Jahrhundert vor Christus. Das erste Stenografielehrbuch erschien jedoch erst 1678, allerdings wurden über die Jahre ganz verschiedene Kurzschriftsysteme entwickelt. Erst 1924 verabschiedete man die Deutsche Einheitskurzschrift (DEK), die auch heute in Deutschland und Österreich noch standardmäßig verwendet wird. Diese unterteilt sich in drei Schriftstufen: Verkehrsschrift, Eilschrift und Redeschrift, die jeweils aufeinander aufbauen.

Schnell schreiben mit der Verkehrsschrift: So geht’s

Mit der Verkehrsschrift schneller schreiben

Mit Stenografie kannst du besonders schnell schreiben. Während du mit der Langschrift, die du in der Schule lernst, nur knapp 40 Silben pro Minute schreiben kannst, gehen mit der stenografischen Verkehrsschrift bereits 120 Silben in der gleichen Zeit. Besonders schnell, allerdings auch stark verkürzt, ist die Redeschrift. Mit ihr kannst du bei entsprechender Übung bis zu 450 Silben pro Minute schreiben. Du schreibst also fast genauso schnell, wie du denkst.

Bis du die Stenografie jedoch vollständig beherrschst, brauchst du einiges an Geduld. Denn bei der Kurzschrift kommt es auf jedes Detail an. Punkte, Striche und Abstände haben anders als bei der Langschrift stets eine besondere Bedeutung. Das Lernen der Kurzschrift ist darum nicht gerade leicht und vor allem anfangs ein wenig verwirrend. Wir schaffen Klarheit, damit beim Lernen nichts schief gehen kann.

Schreibraum festlegen

Willst du Stenografie lernen, kannst du gleich loslegen, denn du brauchst keine besonderen Hilfsmittel. Alles, was du benötigst, hast du bestimmt schon zuhause, nämlich Stift und Papier. Mit einem Lineal solltest du dir auf dem Papier Hilfslinien einzeichnen, die dir die Stenografie anfangs erleichtern. Es gibt vier Hilfslinien: Grundlinie, Oberlinie, Obergrenze und Untergrenze. Der Abstand zwischen den einzelnen Linien ist stets gleich und wird als Stufe bezeichnet.

Hast du Gefallen an der Stenografie gefunden, kannst du dir auch spezielle Stenohefte und Stenobleistifte zulegen. Diese kannst du oft günstig in herkömmlichen Schreibwarenläden bekommen. Das Papier ist dabei besonders glatt, so dass der Bleistift leicht über das Papier gleitet, während der Stift gut in deiner Hand liegt. Für den Anfang sind herkömmliche Stifte und Papier jedoch völlig ausreichend.

Einzelne Buchstaben lernen

Lerne zuerst einzelne Buchstaben

Wenn du Papier und Stift zurecht gelegt hast, kannst du direkt damit beginnen, die Buchstaben zu lernen. Ebenso wie bei der Langschrift musst du hier jeden Buchstaben einzeln üben und dir einprägen. Leider haben die Stenobuchstaben nur wenig Gemeinsamkeiten mit dem herkömmlichen Alphabet. Sie sind stark vereinfacht und verkürzt. Nimm dir deshalb nicht zu viel vor, sondern lerne anfangs nur wenige Buchstaben. Jeden Tag kannst du dann neue Buchstaben dazu nehmen, so dass du nach einigen Wochen das gesamte Alphabet beherrschst.

Allgemein wird bei den Stenobuchstaben zwischen kleinen Zeichen, mittleren Zeichen und großen Zeichen unterschieden. Kleine Zeichen sind halbstufig, mittlere Zeichen füllen eine Stufe aus und große Zeichen gehen über eine Stufe hinaus. Allerdings kannst du Wörter der Langschrift nicht eins zu eins in Steno übertragen. Die Stenoschrift hat ganz eigene Regeln, die von der normalen Rechtschreibung abweichen. Solche Regeln sind unter anderem:

  1. Ausschließlich Konsonanten werden geschrieben. Vokale werden meist nur durch die Verbindung zweier Konsonanten angedeutet.
  2. Einzelne Buchstaben werden gekürzt.
  3. Es gibt keine Großschreibung.
  4. Doppelte Vokale und Konsonanten werden auf einen Buchstaben gekürzt.
  5. Dehnungs-h sowie Dehnungs-e fallen stets weg.

Allerdings bestätigen auch bei der Stenografie Ausnahmen die Regel. So wird ein Vokal doch geschrieben, wenn er sich am Wortanfang oder Wortende befindet, um die Wortbedeutung zu verdeutlichen. So stellst du beispielsweise ein ’e’ am Wortanfang als einen Anstrich von der Grundlinie dar, während du es am Wortende durch einen halbstufigen Aufstrich veranschaulichst. Ein langer Anstrich am Wortanfang und ein langer Flachstrich am Wortende beschreiben ein ’o’. Allgemein unterscheiden sich ’e’ und ’o’ durch die Länge ihrer Verbindung. Ein ’e’ besitzt eine enge Verbindung, während ein ’o’ über eine lange Verbindung verfügt. Allerdings kann auch die Hoch- oder Tiefstellung sowie die verstärkte Schreibung darauf folgender Konsonanten auf einen Vokal hindeuten.

Nicht nur für einzelne Buchstaben gibt es Stenozeichen, sondern auch für häufige Buchstabenkombinationen wie ’ch’, ’sch’, ’qu’ und ’pf’. Diese Zeichen musst du zusätzlich zu den einzelnen Buchstaben lernen.

Stenokürzel einprägen

Präge dir die Stenokürzel gut ein

Neben den Buchstaben gibt es in der Stenografie einige Kürzel, die es dir ermöglichen, ein Wort oder eine Vor- oder Nachsilbe nur mithilfe eines Zeichens darzustellen. Auch hier musst du wieder jedes einzelne Stenokürzel lernen und dir einprägen. Und Kürzel gibt es für vielerlei Wörter, vor allem für solche, die besonders häufig genutzt werden wie ’ich’, ’er’, ’der’, ’die’ und ’das’. Allerdings werden Stenokürzel auch dann verwendet, wenn Wörter in Stenoschrift besonders schwer zu schreiben sind, beispielsweise durch häufige Schreibrichtungswechsel. Beispiele dafür sind ’besonders’ und ’vielleicht’.

Regelmäßig üben

Wenn du Stenografie genauso gut wie die Langschrift beherrschen möchtest, ist regelmäßiges Üben ausschlaggebend für deinen Erfolg. Denn die Kurzschrift lernst du nicht über Nacht. Vielleicht erinnerst du dich noch daran, wie lang es als Kind dauerte, das Alphabet zu lernen. Natürlich muss das Erlernen der Stenografie nicht genauso lange dauern. Du solltest dennoch geduldig mit dir sein und nicht zu viel von dir erwarten. Erst durch regelmäßiges Schreiben kannst du dir die Stenoschrift langfristig einprägen. Besonders das Schreiben der Vokale, die oft nur angedeutet werden, stellt sich als schwierig dar. Auch darum sollte Stenografie nicht vor dem 14. Lebensjahr erlernt werden, da erst in diesem Alter die Sprachentwicklung so weit fortgeschritten ist, dass das Kurzschriftsystem vollends verständlich ist.

Stenokurs belegen

Möchtest du dir Stenografie nicht selbst beibringen, sondern lieber einen Kurs belegen, hast du dabei verschiedene Möglichkeiten. Stenokurse werden mitunter an Volkshochschulen und Universitäten angeboten. Hier kannst du die Kurzschrift strukturiert lernen und findest andere Gleichgesinnte, mit denen du zusammen üben kannst. Alternativ bietet sich auch Einzelunterricht an. Das ist zwar teurer, allerdings kann ein Privatlehrer direkt auf mögliche Fehler eingehen. Du lernst somit schneller.

Mittlerweile gibt es darüber hinaus unzählige Online-Kurse, die du belegen kannst. Auch so kannst du Stenografie strukturiert lernen, allerdings bequem von zuhause aus. Je nachdem für welchen Online-Kurs du dich entscheidest, bekommst du auch konstruktives Feedback, mit dem du deine Stenokenntnisse verbessern kannst. Zusätzlich kannst du dir ein Lehrbuch zur Stenografie anschaffen und eigenständig an deinen Fähigkeiten arbeiten.

Stenografie lernen: Das solltest du vermeiden

Das solltest du beim Lernen der Kurzschrift vermeiden

Das Erlernen der Stenografie nimmt einige Zeit in Anspruch. Vielleicht verlierst du zwischendurch die Motivation und versuchst, den Lernprozess abzukürzen. Das ist jedoch keine gute Idee, da sich so Fehler einschleichen können und du den Überblick verlieren kannst. Mitunter gibst du dann ganz auf und die ganze Übung war umsonst. Damit das nicht passiert, solltest du folgende Punkte vermeiden.

Direkt die Redeschrift lernen

Stenografie lässt sich in verschiedene Schriftstufen einteilen. Anfänger lernen zuerst die Verkehrsschrift, die noch mit relativ wenigen Kürzungen auskommt und darum leichter verständlich ist. Die Eilschrift nimmt dagegen schon vermehrt Kürzungen vor. So werden hier unbetonte Silben, die nicht zum Wortstamm gehören, einfach weggelassen. Aus ’Wasser’ wird so ’Wass’. Auch einzelne Buchstaben im Wort werden ausgelassen, um Zeit einzusparen. Statt ’hart’ schreibst du beispielsweise ’hat’. Noch verkürzter und damit komplizierter ist die Redeschrift. Hier werden selbst Stammsilben abgekürzt, so dass ’ziehen’ zu ’ieh’ wird. Viele Wörter und zusammenhängende Redewendungen werden um mehr als die Hälfte ihrer Länge gekürzt – und sind für Stenografen dennoch verständlich.

Anders sieht das allerdings für Anfänger aus. Diese sind aufgrund der starken Kürzungen oftmals verwirrt. Besser ist es darum, beim Lernen schrittweise vorzugehen. Da die Schriftstufen aufeinander aufbauen, solltest du sie auch nacheinander lernen – und zwar in der richtigen Reihenfolge. Beherrschst du erst einmal die Verkehrsschrift, kannst du relativ schnell die Eilschrift lernen. Wenn du die Eilschrift sicher anwenden kannst, wird dir auch die Redeschrift nicht allzu schwer fallen. Nur in dieser Reihenfolge gelangst du sicher zum Erfolg. Beginnst du mit der Redeschrift, brauchst du nicht nur viel länger, um Stenografie zu lernen. Es ist auch wahrscheinlicher, dass du scheiterst.

Buchstaben ungenau ausführen

Führe die Buchstaben keinesfalls ungenau aus

Bei der Stenografie kommt es auf jeden Punkt und Strich an. Die genaue Ausführung der Buchstaben ist essentiell, um die Kurzschrift im Nachhinein lesen zu können – ganz im Gegensatz zur Langschrift, bei der jeder seinen ganz individuellen Stil entwickeln kann. Während die einen rundliche Buchstaben schreiben, sind die Buchstaben bei anderen eher spitz. In der Stenografie ist dies nicht möglich. Die Schrift wäre sonst vollkommen unverständlich. Hier hat jeder Bogen und jeder Winkel eine besondere Bedeutung. Auch die Abstände und die Strichdicken haben verschiedene Aussagekraft. Es ist also extrem wichtig, genau zu arbeiten und die Stenozeichen genau nach Vorlage zu schreiben. Ansonsten ist deine eigene Schrift nachher für dich unverständlich.

Den Lernaufwand unterschätzen

Willst du Stenografie lernen, musst du bereit sein, regelmäßig zu üben und die einzelnen Zeichen auswendig zu lernen. Das kann ganz schön aufwendig sein. Es gibt unzählige Zeichen, Kürzel und darüber hinaus Regeln, die für Anfänger oft schwer umzusetzen sind. Das Ziel der Stenografie ist schließlich nicht, leicht erlernbar zu sein, sondern besonders effektiv und schnell. Erwarte darum nicht zu viel von dir, nimm dir ausreichend Zeit und lasse dich von Fehlern nicht zurückhalten. Diese sind beim Erlernen der Kurzschrift ganz normal. Auch wenn es dir anfangs vorkommt, als wärst du mit der Stenografie langsamer als mit der Langschrift, muss das nicht immer so bleiben. Je mehr du übst, umso schneller wirst du mit der Zeit. So kannst auch du letztendlich von der Stenografie profitieren.

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