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Arbeitszeugnis: Die wichtigsten Tipps und Fallstricke bei der Beurteilung

Ein Arbeitszeugnis ist dein Aushängeschild für den nächsten Job. Es fasst zusammen, was du in deiner bisherigen Tätigkeit geleistet hast und wie du darin abschneidest. Ein gutes Arbeitszeugnis braucht Zeit sowie Sorgfalt und sollte nicht in Eile angegangen werden. Wir sagen dir, was es rund ums Arbeitszeugnis zu beachten gibt.

Das Arbeitszeugnis ist eine Wissenschaft für sich. Personalchefs haben ihre eigene Sprache entwickelt, um sich versteckt Informationen über deine Kompetenz mitzuteilen. Dabei ist das Arbeitszeugnis keinesfalls eine Erfindung der modernen Arbeitswelt, sondern blickt auf eine lange Geschichte zurück.

Geschichte des Arbeitszeugnis

Bereits im 16. Jahrhundert stellten Ausbildern ihren Lehrlingen Arbeitszeugnisse aus, in denen die Aufgaben und Begabungen des Mitarbeiters schriftlich festhalten worden. Die Methode etablierte sich, sodass Hausherren nur noch Lehrlinge mit Zeugnissen einstellten. Schließlich hatte man so einen Ansprechpartner, an den man gegebenenfalls seine Beschwerden richten konnte.

Im 19. Jahrhundert legte man in Preußen fest, dass jeder Arbeiter ein Gesinde-Dienstbuch mit sich führen muss. In diesem wurden seine Aufgaben, aber vor allem sein Benehmen und sein Fleiß festgehalten. Im Jahr 1900 wurde ein Arbeitszeugnis dann gesetzlich festgeschrieben. Jeder Arbeitnehmer hat seitdem ein Recht auf ein ausgestelltes und bescheinigtes Arbeitszeugnis durch den Arbeitgeber.

Formen und Fristen für Arbeitszeugnisse

So wichtig das Arbeitszeugnis für einen neuen Job ist, so viele Kleinigkeiten gibt es auch zu beachten. Von der Form über den Inhalt bis hin zu den formalen Vorgaben muss ein Arbeitszeugnis rundum stimmen, damit du einen guten ersten Eindruck bei deiner Bewerbung hinterlässt.

Einfaches vs. qualifiziertes Arbeitszeugnis

Einfaches vs. qualifiziertes Arbeitszeugnis

Ein Arbeitszeugnis unterscheidet sich grundlegend in zwei Kategorien: einfach oder qualifiziert. Mit der einfachen Methode erlangt dein neuer Arbeitgeber lediglich einen Überblick über deine bisherigen Aufgaben. Diese Form von Arbeitszeugnissen sind eher selten, da sie nur neutral über deine Verantwortungsbereiche Auskunft geben.

Relevanter ist das qualifizierte Arbeitszeugnis. In Deutschland ist es per Gesetz vorgeschrieben, dass dein Arbeitgeber dir ein solches Arbeitszeugnis ausstellen muss. Dieses sollte zwei Kriterien folgen:

  1.  Es muss die Wahrheit über deine Aufgaben beinhalten.
  2. Ein Arbeitszeugnis muss freundlich beziehungsweise wohlwollend formuliert sein.

Sowohl das einfache als auch das qualifizierte Arbeitszeugnis dürfen daher keine negative Beurteilung über dich beinhalten. Daraus sind jedoch einige Tricks entstanden, wie dein Arbeitgeber dich auch indirekt kritisieren kann.

Ein Arbeitszeugnis fristgerecht anfordern

Ein Arbeitszeugnis fristgerecht anfordern

Auf Grundlage des Gesetzes hast du das Recht, dein Arbeitszeugnis in schriftlicher Form anzufordern. Das geht auch, wenn du nur wenige Wochen im Unternehmen tätig warst. Ebenso darfst du eine Bescheinigung für fast jedes Beschäftigungsverhältnis verlangen: ob als Praktikant, Angestellter oder Geschäftsleiter. Bist du ein Auszubildender in deinem Unternehmen, muss dir dein Betrieb sogar verpflichtend von sich aus ein Zeugnis ausstellen.

Auch bei der Frist muss man die Form des Zeugnisses unterscheiden. Da das einfache Arbeitszeugnis deine persönlichen Daten, Aufgabenfelder und die Daten deines Beschäftigungsverhältnisses enthält, kannst du es auch erst nach deinem Austritt aus dem Unternehmen anfordern. Der Betrieb muss dir ein einfaches Zeugnis auf Anfrage ausstellen, wenn du innerhalb der letzten drei Jahre aus dem Betrieb ausgeschieden bist.

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis erfordert eine persönliche Beurteilung deiner Tätigkeit. Die Gesetzeslage sieht daher vor, dass du diese Bescheinigung schnellstmöglich nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses anfordern kannst. So werden Falschaussagen aufgrund von Erinnerungslücken vermieden. Du solltest jedoch darauf achten, ob dein Arbeitsvertrag eine Klausel zum Arbeitszeugnis enthält. Manchmal wird dort festgeschrieben, wie lange du einen Nachweis anfordern kannst oder wie viel Zeit dem Arbeitgeber zur Fertigstellung zur Verfügung gestellt werden muss.

Habe ich Anrecht auf ein Zwischenzeugnis?

Habe ich Anrecht auf ein Zwischenzeugnis?

Für ein Zwischenzeugnis musst du keine bestimmte Frist einhalten, du kannst jederzeit danach fragen. Allerdings gibt es hierfür keinen gesetzlichen Anspruch. Du solltest deinem Arbeitgeber aber aus eigenem Interesse etwas Zeit geben, dich kennenzulernen, bevor du um ein Zwischenzeugnis bittest.

Vor allem ist auch der Grund für dein Zwischenzeugnis entscheidend: Entweder willst du deine Position innerhalb des Unternehmens wechseln, oder du nutzt es für Bewerbungen außerhalb des Betriebs. Du solltest also im Hinterkopf behalten, dass du mit einem Zwischenzeugnis auch eine indirekte Aussage tätigst.

Neben einer neuen Bewerbung sind auch Fortbildungen oder Beförderungen Gründe, nach einem Zwischenzeugnis zu fragen. Weiterbildungsmaßnahmen stärken deine Kompetenzen und erweitern deine Aufgabenfelder. Diese Qualifikationen sind für eine Bescheinigung daher besonders relevant.

Formale Kriterien: Darauf musst du beim Arbeitszeugnis achten

Formale Kriterien: Darauf musst du beim Arbeitszeugnis achten

Neben dem Inhalt ist auch die Form des Arbeitszeugnisses wichtig. Der erste Eindruck wird immer über ein gut strukturiertes, sorgfältig ausgefülltes Zeugnis vermittelt. Diese Bescheinigung kann also bereits eine ersten Eindruck hinterlassen. Du solltest daher einige formale Kriterien beim Erhalt deines Zeugnisses beachten.

Professionelles Erscheinungsbild

Für ein Arbeitszeugnis sollte ein Geschäftsbogen verwendet werden, egal ob zum Abschluss oder als Zwischenbescheinigung. Besondere Sauberkeit und Sorgfalt ist geboten. Ebenso sollte dein Arbeitgeber das Zeugnis nie handschriftlich ausfüllen. Früher galt die Schreibmaschine als richtige Schreibform, heute werden alle Zeugnisse mit dem PC erstellt und anschließend in ausgedruckter Form überreicht. Lediglich die Unterschrift deines Arbeitsgebers ist handschriftlich gewünscht.

Anschrift und Datum

Wie bei jedem Dokument, das als Nachweis gilt, muss auch dein Arbeitszeugnis einige Eckdaten enthalten. Allem voran ist Ort und Datum entscheidend, um die Bescheinigung zeitlich einzuordnen. Manchmal erhältst du vielleicht mehrere Zeugnisse innerhalb des selben Unternehmens, das Datum ist also auch für dich wichtig.

Zudem enthält ein Arbeitszeugnis immer deine wichtigsten Daten. Das bedeutet deinen vollen Namen (auch eventuelle Zweitnamen), dein Geburtsdatum, deine Adresse und den Zeitraum deiner Beschäftigung im Betrieb. Achte hier besonders auf die Vollständigkeit und Richtigkeit der aufgeführten Angaben.

Muster und Inhalt von Arbeitszeugnissen

Muster und Inhalt von Arbeitszeugnissen

Natürlich sieht nicht jedes Arbeitszeugnis gleich aus, schon alleine in der Länge gibt es Unterschiede. Dennoch folgen die Nachweise einem bestimmten Muster. So gibt es eine Vielzahl an kostenlosen Generatoren, die dein Arbeitgeber beim Erstellen des Zeugnisses verwenden kann. Der Arbeitsnachweis sollte jedoch schlüssig und strukturiert aufgebaut sein.

Die Einleitung über dich

Neben den formalen Voraussetzungen für ein sorgfältiges Schreiben (also dem Geschäftsbogen inklusive Briefkopf) sollte durch den Titel eindeutig zu erkennen sein, um welche Form von Zeugnis es sich handelt. Dementsprechend trägt der Titel etwa den Namen „Arbeitszeugnis“ oder „Zwischenzeugnis“.

Daran schließt sich die Einleitung deiner Person an. Alles Wissenswerte über dich sollte an dieser Stelle genannt werden.

Die Unternehmensbeschreibung

Nicht unbedeutend ist die Beschreibung der Aufgabe des Unternehmens, in dem du arbeitest oder gearbeitet hast. Nicht alle Arbeitgeber integrieren diesen Abschnitt in das Muster ihres Arbeitszeugnisses. Für eine Bewerbung auf eine neue Stelle kann eine solche Unternehmensbeschreibung jedoch hilfreich sein, um einen ersten Eindruck über das Arbeitsumfeld deiner bisherigen Tätigkeit zu erhalten. Zum Beispiel ist es aufschlussreich zu wissen, ob du bisher eher Teil eines kleinen oder großen Teams warst.

Deine bisherigen Aufgaben

In der Beschreibung deiner Tätigkeit im Unternehmen spielt vor allem die Dauerhaftigkeit und Relevanz deiner Aufgaben eine große Rolle. Dieser Absatz sollte Abläufe enthalten, denen du regelmäßig nachgegangen bist. Die Kernaufgaben finden daher große Beachtung in diesem Abschnitt des Zeugnisses.

Je nach dem Anforderungsprofil deines zukünftigen Jobs können auch kleinere Tätigkeitsfelder Berücksichtigung finden. Vorsicht ist jedoch bei Aufgaben geboten, denen du nur vereinzelt nachgegangen bist. Denn die Beschreibung sagst viel darüber aus, was du bisher gelernt hast und über welche Kenntnisse du verfügst. Es ist daher ratsam, dass wirklich nur regelmäßige Abläufe und Aufgaben aufgeführt sind .

Die eigentliche Bewertung

Die eigentliche Bewertung

Die Beurteilung deiner Arbeitsleistung und deiner „social skills“ steht in diesem Abschnitt. Dieser Teil macht den Unterschied zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Arbeitszeugnis.

Die Bewertung deiner Leistung enthält eine vollständige Beurteilung aller vorher geführten Aufgaben. Alle schon im Arbeitszeugnis erwähnten Tätigkeiten sollten nun auch beurteilt werden. Das können zum Beispiel deine Fachkenntnisse sein, deine Motivation oder dein Arbeitsstil.

Wird hier eine Tätigkeit ausgelassen, ist dies ein versteckter Code dafür, dass dein Arbeitgeber darüber lieber nichts sagen möchte. Achte also im Abschnitt der Bewertung auf die Deckungsgleichheit zu deinen Aufgaben.

Neben deiner Fachkompetenz wird auch dein soziales Verhalten beurteilt. Die Reihenfolge ist hierbei essentiell: zuerst wird Auskunft über die Verhaltensform zum Vorgesetzten gegeben. Erst danach folgt das Verhältnis zum Kollegium sowie den Geschäftspartnern. Bei einer Tätigkeit, die Kontakt mit Kunden erfordert, sollten auch diese „soft skills“ ihre Erwähnung finden.

Der Schluss

Im Gegensatz zu anderen formellen Schreiben ist auch der Schluss für ein Arbeitszeugnis von großer Bedeutung. Zunächst wird der Grund aufgeführt, aus welchem du das Unternehmen verlässt. Vor allem das Ausscheiden „auf eigenem Wunsch hin“ ist an dieser Stelle entscheidend.

Darauf folgt eine sogenannte Dankes- und Bedauernsformel, die eben diese 2 Kriterien enthält: Ein Dankeschön für deine gute Arbeit und das große Bedauern, dass du den Betrieb nun verlässt.

Nicht zu unterschlagen sind die daran anschließenden Zukunftswünsche. Was für Unwissende nur wie eine nette und höfliche Floskel klingt, ist für Personalchefs ein relevanter versteckter Hinweis. Die Wünsche sollte vor allem viel Erfolg im privaten und beruflichen Leben enthalten.

Abrundende Formalia

Ebenso sollte das Zeugnis von deinem Arbeitgeber unterschrieben werden, damit es als offiziell beglaubigt gilt. Hier wird ebenfalls noch einmal Ort und Zeit genannt sowie der offizielle Firmenstempel hinzugefügt.

Da dein Zeugnis auf einem Firmenbogen verfasst werden sollte, befindet sich am Ende auch häufig die Anschrift und weitere Daten deines Arbeitsgebers.

Formulierungen im qualifizierten Zeugnis

Die Formulierungen und Ausdrucksformen im Ausstellen von Arbeitszeugnissen sind eine ganz eigene Wissenschaft. Personaler integrieren in der sogenannten Zeugnissprache versteckte Noten, die du nur aufgrund der richtigen Satzreihenfolge entdeckst. Man spricht sogar von sogenannten Geheimcodes. Wir haben dir eine Übersicht zusammengestellt, wie du alle relevanten Formulierungen entschlüsselst. 

Es gilt also, in allen Teilen deines Arbeitszeugnisses auf die Sprache zu achten. Auch ein Zwischenzeugnis kann versteckte Botschaften enthalten, die ausschlaggebend für eine Beförderung sind.

Natürlich kann man jedoch nicht jedem Unternehmen unterstellen, dass es bei seinen Arbeitszeugnissen Tricks verwendet. Insbesondere kleine Firmen und neue Startups sind manchmal unwissend und integrieren unabsichtlich Hinweise. Wenn du also Oberflächlichkeiten entdeckst, die in deinem Zeugnis fehlen, sprich am besten erst einmal mit deinem Vorgesetzten.

Was nicht in ein Arbeitszeugnis sollte

Was nicht in ein Arbeitszeugnis sollte

Es existieren viele Vorgaben für den Inhalt eines Arbeitszeugnisses. Neben allem, was rein muss, gibt es eine Handvoll Fakten, die dein Arbeitgeber in keinem Zeugnis integrieren darf. Wir zeigen dir 2 Beispiele, die zu Fehlern in deinem Arbeitszeugnis führen.

Mitgliedschaften

Ob du einer Gewerkschaft angehörst oder auch dem Betriebsrat: diese Auskunft hat keine Relevanz für ein Arbeitszeugnis. Es sagt nämlich nichts über deine Kompetenz aus, deine Tätigkeit richtig auszuführen. Gewerkschaftsmitglied zu sein ist in Deutschland freigestellt und sollte dementsprechend auch nicht im Zeugnis erwähnt sein.

Wie häufig du krank warst

Entsprechend dem Grundsatz, dass ein Arbeitszeugnis wohlwollend verfasst werden muss, darf dein Arbeitgeber nichts über die Häufigkeit von Krankheiten sagen. Solange deine Abwesenheit nicht die Möglichkeit der Beurteilung verhindert, darf diese keine Berücksichtigung in deiner Bewertung finden. Auch das Fehlen aufgrund der Elternzeit hat nichts in einem Arbeitszeugnis zu suchen.

Was du bei einem unbefriedigenden oder fehlerhaften Zeugnis tun kannst

Was du bei einem unbefriedigenden oder fehlerhaften Zeugnis tun kannst

Wenn du aufgrund eines formalen Fehlers oder einer unvorteilhaften Formulierung mit deinem Arbeitszeugnis unzufrieden bist, hast du ein Anrecht auf Korrektur. Es muss jedoch nachzuweisen sein, dass es ein ausschlaggebender Fehler ist, wenn also zum Beispiel dein Name eine Rechtschreibfehler enthält.

Wenn du den Eindruck hast, an deinem Arbeitszeugnis ist etwas fehlerhaft, solltest du umgehend deinen Arbeitgeber kontaktieren. Kleine Änderungswünsche, vor allem aufgrund formaler Kriterien, treffen häufig auf Verständnis und werden korrigiert. Auch inhaltlich kannst du um Korrektur bitten, hast dabei allerdings nicht immer Aussicht auf Erfolg. Es gibt eine Reihe von Rechtsstreitigkeiten im Arbeitsrecht, in denen der Inhalt des Zeugnisses eine Rolle spielt.

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Kommentare


Tom Vogt 24. Januar 2019 um 14:54

Guten Tag,
bisher hatte ich nie wirklich ein Arbeitszeugnis von meinen Arbeitgebern bekommen. Allerdings hatte ich auch nicht gefragt. Es ist gut zu wissen, dass der Arbeitgeber mir das eigentlich verpflichtet ist mir eines zu geben. Ich werde das nächste mal meinen Anwaltkonsultieren.

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