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Sonderurlaub bekommen: 13 Gründe & deine Ansprüche

Mit Sonderurlaub können sich Angestellte in besonderen Situationen freinehmen und behalten gleichzeitig ihren Anspruch auf eine Vergütung. Wir klären dich darüber auf, wann du bezahlten Sonderurlaub bekommen kannst und welche Gründe für zusätzlichen Urlaub dein Chef akzeptieren muss.

Was Sonderurlaub eigentlich ist

Was Sonderurlaub eigentlich ist

Sonderurlaub ist eine besondere Form des Urlaubs, den der Arbeitgeber einem Beschäftigten bei besonderen anerkannten Gründen gewähren kann. Im Unterschied zum Erholungsurlaub dient der Sonderurlaub nicht der Regeneration des Arbeitnehmers, sondern nimmt Rücksicht auf besondere Lebensereignisse. Deswegen besteht der Anspruch auf Sonderurlaub zusätzlich zum gesetzlichen Urlaubsanspruch oder den vereinbarten Urlaubstagen im Arbeitsvertrag.

Auch wenn die Umstände nicht näher definiert sind, kann sich der Beschäftigte bei Beantragung eines Sonderurlaubs auf das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB §616) berufen. Die meisten Arbeitgeber orientieren sich bei den Anlässen und der Länge von Sonderurlauben zudem an den Tarifverträgen für den öffentlichen Dienst. Im Unterschied zu unbezahltem Urlaub muss der Arbeitgeber Sonderurlaub vergüten.

Anspruch auf Sonderurlaub

Der Anspruch auf vergüteten Sonderurlaub hängt von gewissen Voraussetzungen ab. In jedem Fall muss der Beschäftigte seinem Arbeitgeber mitteilen, dass er Sonderurlaub braucht und im Zweifel einen Nachweis über den Grund erbringen. Bei einer Hochzeit ist beispielsweise ein Schreiben des Standesamtes vorzulegen, in dem der genaue Termin der Trauung angegeben ist. Allgemein gibt es für Sonderurlaub folgende Bedingungen.

  1. Der Grund, dass der Beschäftigte seiner Arbeit nicht nachgehen kann, liegt in seiner Person oder in seinem persönlichen Umfeld. Wer aufgrund des WM-Finales beispielsweise frei haben möchte, bekommt deswegen keinen Sonderurlaub.
  2. Die Zeit, in der der Beschäftigte auf der Arbeit fehlt, darf laut BGB "nicht erheblich" sein. Im Regelfall bedeutet das, der Arbeitnehmer sollte nicht länger als ein paar Tage, maximal eine Woche fehlen. Überzieht er bewusst die Zeit seines Sonderurlaubs, entfällt der Anspruch auf eine Lohnfortzahlung.
  3. Die Notwendigkeit für Sonderurlaub und damit die Arbeitsverhinderung entsteht ohne das Verschulden des Beschäftigten.

Gründe für Sonderurlaub

Alle der folgenden Beeinträchtigungen des Arbeitnehmers erfüllen die Kriterien für Sonderurlaub. Sie sind also kurzfristig, persönlich und unverschuldet. Sie zählen außerdem zu den teilweise gesetzlich, teilweise zumindest von den meisten Arbeitgebern anerkannten Gründen für bezahlten Sonderurlaub.

1. Hochzeit

Sonderurlaub für die eigene Hochzeit

Den Bund fürs Leben einzugehen, feiern viele Menschen mit einer ausgiebigen Zeremonie. Doch eigentlich müssten die frisch vermählten Eheleute direkt nach der standesamtlichen oder kirchlichen Trauung wieder zur Arbeit fahren. In der Regel bekommen Arbeitnehmer dennoch einen Tag Sonderurlaub für die Feierlichkeiten zugesprochen. Und auch Deutsche Arbeitsgerichte betrachten den Verzicht eines kompletten Arbeitstages für Hochzeiten als angemessen. Wer die Feiern darüber hinaus ausdehnen möchte oder in die Flitterwochen fahren möchte, muss auf das bestehende Urlaubstagekontingent zurückgreifen. 15 wertvolle Tipps für den perfekten Honeymoon findest du in diesem Artikel.

Um die Hochzeit eines nahen Verwandten mitfeiern zu können, sieht das Gesetz ebenfalls einen Anspruch auf Sonderurlaub vor. Die gilt allerdings nicht für Hochzeiten von Freunden oder Jubiläen wie die silberne oder goldene Hochzeiten.

2. Todesfall oder Beerdigung

Sonderurlaub für Todesfall und Beerdigung

Bei einem Todesfall in der Familie gerät nicht nur das Seelenleben komplett durcheinander, auf Angehörige kommt oftmals auch ein hoher organisatorischer Aufwand zu. Anspruch auf Sonderurlaub gibt es allerdings nur, wenn der Verstorbene ein Verwandter 1. Grades war, also entweder ein Elternteil, das eigene Kind oder ein Stief- sowie Adoptivkind. Ebenso gilt der Anspruch auch bei Ableben von Geschwistern oder des Ehepartners.

Wie viele Urlaubstage dem Beschäftigten in einem solchen Fall zustehen, ist nicht eindeutig geregelt. Somit hängt es in besonderem Maße von der Kulanz des Arbeitgebers ab. Ebenso von der Länge der Betriebszugehörigkeit des Beschäftigten. Im Regelfall stellen Unternehmen ihre Mitarbeiter aber für mindestens zwei Tage frei – einmal für den Todestag selbst und einmal für die Beerdigung. Darüber hinaus kann sich der Arbeitnehmer um weitere freie Tage zur Verarbeitung des Trauerfalls bemühen.

3. Staatsbürgerliche Pflichten

Grundsätzlich müssen Beschäftigte ihr ehrenamtliches Engagement in ihrer Freizeit ausüben. Spezielle Regelungen greifen für Arbeitnehmer, die staatsbürgerlichen Pflichten nachgehen. Richter oder Schöffen haben Anspruch auf eine Fortzahlung ihres Gehaltes und Sonderurlaub, um ihren Tätigkeiten nachzugehen.

Bei anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten wie dem Einsatz bei der freiwilligen Feuerwehr gibt es Regelungen im Landesrecht. Diese beinhalten teilweise eine Erstattung für den Arbeitgeber durch das Land. Ein Sonderfall ist die Freistellung für den Katastrophenschutz, beispielsweise bei Hilfskräften des Technischen Hilfswerks (THW). Zu dieser ist der Arbeitgeber verpflichtet. Einen Ratgeber zu mehr persönlichem Engagement findest du hier.

4. Behörden- und Gerichtstermine

Wenn eine Behörde den Arbeitnehmer zu einem Termin einlädt, muss ihm der Arbeitgeber Sonderurlaub gewähren. Das gilt allerdings nicht, wenn der Mitarbeiter sich einen für ihn günstigen Zeitpunkt ausgesucht hat, um seinen Ausweis zu verlängern. Wer als Zeuge oder Involvierter zu einem Gerichtstermin geladen wird, hat ebenso Anspruch auf Sonderurlaub.

5. Pflegefall in der Familie

Sonderurlaub für Pflegefälle

Der Vater oder die Mutter ist kurzfristig schwer erkrankt und pflegebedürftig. Besonders wenn der Elternteil weit entfernt ist, stellt das den Arbeitnehmer vor große Probleme. Oft kann er aus der Ferne kurzfristig keine Betreuung organisieren. Aus diesem Grund stehen dem Mitarbeiter in diesem Fall bis zu zehn Tage zu, in denen er seinem Arbeitsplatz fern bleiben darf.

Einen Anspruch auf Vergütung gibt es zwar nicht, dafür gibt es aber das Pflegeunterstützungsgeld während der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung als Lohnersatzleistung. Diese finanzielle Unterstützung zahlt die Pflegeversicherung des Erkrankten. Voraussetzung ist allerdings, dass der Angehörige entweder bereits als pflegebedürftig eingestuft wurde oder der baldige Eintritt in eine Pflegestufe sehr wahrscheinlich ist.

Darüber hinaus können sich Angehörige nach dem Pflegezeitgesetz eine bis zu sechsmonatige Pause vom Beruf nehmen. Zwar genießen sie während dieser Zeit einen Sonderkündigungsschutz, doch einen Anspruch auf Vergütung haben sie währenddessen nicht. Ein finanzieller Ausgleich entsteht weiterhin durch das Pflegegeld. Nach sechs Monaten können Angehörige dann die Familienpflegezeit nutzen. Diese sichert über 24 Monate eine weitere finanzielle Unterstützung zu, wenn der Mitarbeiter mindestens 15 Stunden in der Woche weiterhin arbeitet. Außerdem kann er ein zinsloses staatliches Darlehen vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben bekommen.

6. Erkrankung von Angehörigen

Sonderurlaub bei erkrankten Angehörigen

Auch wenn das eigene Kind krank ist, müssen Angestellte nicht unbedingt ihren Erholungsurlaub für die Betreuung zuhause opfern. Ist das erkrankte Kind nicht älter als acht Jahre, stehen dem Elternteil bis zu zehn Tage Sonderurlaub im Jahr zu. Bei mehreren Kindern sind es sogar 25 Tage. Bei alleinerziehenden Eltern sind es jeweils doppelt so viele Tage, die sie im Jahr frei bekommen können (also 20 bei einem Kind und 50 bei mehreren Kindern).

In der Regel muss der Arbeitgeber nur für die ersten fünf Tage Lohn zahlen, danach zahlt die Krankenversicherung das sogenannte Kinderkrankengeld. Wichtig ist hierbei natürlich, dass der Elternteil dafür ein ärztliches Attest für das Kind vorlegt. Auszubildende haben sogar Anspruch auf sechs Wochen Kinderkrankengeld und bei besonders schweren Erkrankungen des Kindes zahlt die Versicherung diese Leistung sogar unbefristet.

7. Arzttermine

Sollte sich ein Arzttermin nicht außerhalb der Arbeitszeiten legen lassen, können Beschäftigte für die Dauer der Behandlung bezahlten Sonderurlaub bekommen. So kommt es beispielsweise häufig bei Blutabnahmen vor, bei denen der Patient morgens nüchtern erscheinen muss. Wenn es aber irgendwie möglich ist und keine sofortige Behandlung notwendig ist, muss der Arbeitnehmer zuerst versuchen, den Arzttermin in seiner Freizeit wahrzunehmen. Das gilt auch für Vorsorgeuntersuchungen, da sie auf keine akute Krankheit  zurückzuführen sind. Geht das nicht, muss er den Schaden möglichst minimieren, indem er den Termin am Rande seiner Arbeitszeit legt.

Der Chef darf übrigens nicht verlangen, dass der Mitarbeiter zu einem anderen Arzt geht, der kürzer entfernt ist und eher Zeit hat. Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes von 1984 darf jeder Arbeitnehmer den Arzt seine Vertrauens aufsuchen.

8. Religiöse Gründe

Arbeitnehmer dürfen ihren Arbeitsplatz für eine kurze Zeit verlassen, um Gebete in Ruhe verrichten zu können. Bedingung dafür ist allerdings, dass das Gebet nicht vor oder nach der Arbeitszeit sondern genau zu diesem Zeitpunkt stattfinden muss. Möchte der Mitarbeiter sogar eine Pilgerreise machen, muss er dafür eine Freistellung beantragen. Anspruch auf eine Bezahlung hat er währenddessen nicht.

9. Geburt eines Kindes

Sonderurlaub bei der Geburt eines Kindes

Bei der Geburt eines Kindes ist es entscheidend, ob es sich um ein eheliches oder uneheliches Kind handelt. Anspruch auf Sonderurlaub besteht für den Vater nur bei der Geburt eines ehelichen Kindes oder innerhalb einer eingetragenen eheähnlichen Lebenspartnerschaft. Da viele Unternehmen mittlerweile eine familienfreundlich Mitarbeiterführung schätzen, ist ein Sonderurlaub allerdings auch für unverheiratete Männer nicht unrealistisch. In solch einer Situation lohnt es sich aber, frühzeitig mit dem Chef zu reden.

10. Notfall im eigenen Haus

"Bitte seien Sie zwischen 10 und 13 Uhr zuhause. Wer während der Arbeitszeit zuhause einen Handwerker erwartet, muss sich dafür freinehmen. Sonderurlaub ist nur dann gestattet, wenn es sich um einen akuten Notfall wie etwa bei einem Wasserrohrbruch handelt.

11. Umzug

Sonderurlaub bei Umzügen

Generell gibt es keinen gesetzlich geregelten Anspruch auf Sonderurlaub wegen eines privaten Umzuges. Denn Bedingung für Sonderurlaub ist eben, dass der Arbeitnehmer den Grund nicht selbst verschuldet hat. Darum muss der Mitarbeiter gut begründen können, warum er nicht am Wochenende umziehen kann.

Da Umzüge allerdings meist mehr Zeit benötigen, geben viele Arbeitnehmer einen Tag frei. Ist der Umzug des Beschäftigen dagegen auf eine Versetzung zurückzuführen, darf der Arbeitnehmer wiederum Sonderurlaub beanspruchen.

12. Bewerbung

Hat der Arbeitgeber dem Beschäftigten gekündigt, steht diesem ein Anspruch auf Sonderurlaub zu, um sich auf eine neue Arbeitsstelle zu bewerben. Nur bei eine kurzzeitigen Beschäftigung und in der Probezeit ist dieser Anspruch nicht garantiert. Außerdem darf der Arbeitgeber den Zeitraum für den Sonderurlaub vorgeben. Genauso muss das Unternehmen den Mitarbeiter für Vorstellungsgespräche freistellen. Er kann allerdings darauf bestehen, dass er die so entfallenen Arbeitsstunden an einem späteren Zeitpunkt nacharbeitet. Tipps und Fallstricke für deine Bewerbungsmappe findest du hier.

13. Bildungsurlaub

Viele Arbeitnehmer in Deutschland haben das Recht, sich für eine Weiterbildung bezahlten Urlaub zu nehmen. Da Bildung Ländersache ist, unterscheidet sich der Umfang, den ein solcher Bildungsurlaub annehmen kann von Bundesland zu Bundesland. Aktuell haben bis aus Bayern und Sachsen alle Bundesländer ein Bildungsurlaubsgesetz beschlossen, das Arbeitnehmern fünf bis zehn Tage zusätzlichen Urlaub zurechnet. Wie du mit Bildungsurlaub deinen Horizont erweitern kannst, erklären wir dir hier. 

Damit will der Staat die Initiative des Arbeitnehmers für lebenslanges Lernen fördern. Die Kosten wie Seminargebühren oder Anreisekosten teilen sich Arbeitgeber und -nehmer. Zwar kann der Mitarbeiter selbst den Schwerpunkt seiner Weiterbildung wählen, jedoch sollte langfristig auch das Unternehmen davon profitieren. Wer sich also aus rein persönlichem Interesse weiterbilden will, muss dies innerhalb seines Erholungsurlaubes oder nach Feierabend tun.

Dafür gibt es keinen Sonderurlaub

Die Bahn kommt schon wieder zu spät, auf der Autobahn war mal wieder Stau oder Glatteis. Mit all diesen Gründen können Angestellte keine Fortzahlung ihrer Vergütung rechtfertigen, denn sie sind nicht von persönlicher Natur. Die Voraussetzung für Sonderurlaub ist somit nicht gegeben. Weiterhin gilt grundsätzlich: Der Arbeitnehmer trägt das Verkehrsrisiko. Ebenso wenig  rechtfertigen ehrenamtliche Tätigkeiten im Verein oder eine Kandidatur für ein öffentliches Amt einen Sonderurlaub.

Freistellung statt Sonderurlaub

Sowohl bei einer Freistellung als auch beim Sonderurlaub bleibt das Arbeitsverhältnis weiterhin bestehen. Der Arbeitnehmer befreit sich lediglich vorübergehend von der Pflicht, die vertraglich geregelte Arbeitsleistung zu erbringen. Bei Sonderurlaub steht dem Beschäftigten eine Vergütung zu. Eine Freistellung ist vom Gesetzgeber dagegen gar nicht berücksichtigt sondern viel mehr eine individuelle Vereinbarung zwischen Unternehmen und dem Mitarbeiter. Der Arbeitgeber kann deswegen den Lohn weiter zahlen, muss es aber nicht.

Aufgrund der Vertragsfreiheit in Deutschland kann der Anspruch und die Länge von Sonderurlaub auch in Arbeitsverträgen geregelt sein. Besonders Tarifverträge definieren Sonderurlaubstage näher aus. Grundsätzlich kann der Arbeitgeber den Anspruch auf Sonderurlaub aber ebenso im Arbeitsvertrag oder in den Betriebsvereinbarungen zu Ungunsten des Arbeitnehmers aufheben oder einschränken.

Sonderurlaub für das Sabbatical nutzen

Sonderurlaub für das Sabbatical nutzen

Einen gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub für ein Sabbatical haben in Deutschland nur Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst. Lediglich in manchen Tarifverträgen ist festgehalten, dass Mitarbeiter auf diese Weise Sonderurlaub bekommen können. In allen anderen Fällen braucht es für ein Sabbatical immer die Zustimmung vom Arbeitgeber.

Allerhöchstens für vier Wochen dürfen Angestellte Sonderurlaub für eine Auszeit bekommen. Ansonsten gilt das Arbeitsverhältnis als unterbrochen und sie sind nicht mehr sozialversichert. Meist können sich Mitarbeiter aber für ihr Sabbatjahr unbezahlten Urlaub nehmen oder Überstunden abfeiern. Welche Modelle es für ein Sabbatical und welche Vor- und Nachteile sie haben, erfährst du in diesem Ratgeber. <==== Link zu Sabbatical!

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