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Bildungsgutschein: Berufliche Fortbildung nach Wahl

Weiterbildung mit Bildungsgutscheinen

Ein Bildungsgutschein wird seit dem Jahr 2003 vom Jobcenter oder von der Agentur für Arbeit vergeben. Er bezeichnet eine schriftliche Kostenzusage für eine berufliche Weiterbildung. Die Arbeitsagentur ist hierbei der Kostenträger und stellt Gelder zur Verfügung, die für eine entsprechende Fortbildung benötigt werden.

Das Angebot kann nur bei einem anerkannten Bildungsträger in Deutschland wahrgenommen werden. Die Agentur für Arbeit informiert über geeignete und zugelassene Träger. Auch eigene Recherchen zu Anbietern sind zulässig, solange die Träger von Bildungsmaßnahmen im Sinne einer Vergabe von Dienstleistungen am Arbeitsmarkt anerkannt sind.

Anspruch auf einen Bildungsgutschein

Um einen gesetzlichen Anspruch auf einen Bildungsgutschein zu haben, müssen bestimmte Voraussetzungen zur Person gegeben sein. Förderungswürdig sind grundsätzlich Menschen, die Leistungen im Sinne des Arbeitslosengeldes I und nach Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) erhalten. Darüber hinaus sind Personen antragsberechtigt, die sich in Kurzarbeit befinden. Ein weiterer Personenkreis umfasst Arbeitslose, die eine vollständig abgeschlossene berufliche Ausbildung vorweisen können oder alternativ mindestens drei Jahren einer beruflichen Erfahrung. Auch nicht erwerbstätige Menschen, die aktiv arbeitssuchend sind sowie Arbeitnehmer, deren Arbeitsvertrag einer Befristung ohne Verlängerung unterliegt, haben Anspruch auf einen Bildungsgutschein.

Die Agentur für Arbeit ist nicht verpflichtet, jede Weiterbildung zu akzeptieren und zu finanzieren, für die ein Interessent einen Antrag stellt. Sie hat jedoch zusätzlich zu den genannten Punkten die Aufgabe, beruflich qualifizierende Maßnahmen und Möglichkeiten der Weiterbildung für Jugendliche im Alter von 15 bis 25 Jahren anzubieten. Voraussetzung für ein solches Angebot ist eine nachgewiesene aussichtslose Situation in Bezug auf den Erhalt eines Arbeitsplatzes oder die Vermittlung in eine Ausbildungsstelle. Das langfristige Abwenden von Arbeitslosigkeit ist die zentrale Aufgabe eines Bildungsgutscheins. Dabei ist es irrelevant, ob die Arbeitslosigkeit bereits gegeben ist oder erst in Kürze bevorsteht.

Die Art von Bildungsgutscheinen orientiert sich am Nutzen für den Bewerber. Die berufliche Maßnahme dient dazu, den Interessenten in den Arbeitsmarkt zu überführen oder ihn darin zu halten. Die Umsetzung kann sowohl in Form einer qualifizierenden mehrwöchigen Weiterbildung bestehen als auch in einem Kurs von nur wenigen Tagen. Ob eine jeweilige Maßnahme zielführend ist, entscheidet der Berater vor dem Hintergrund der individuellen Situation des Antragsstellers und der Lage am Arbeitsmarkt.

Voraussetzungen

Der gesetzliche Hintergrund des Bildungsgutscheins ist das dritte Sozialgesetzbuch zum Thema Arbeitsförderung. Darin wird die berufliche Förderung von Arbeitnehmern durch eine aktive Kostenübernahme entsprechender Weiterbildungen definiert. Das Gewähren einer Maßnahme ist hierbei jedoch nicht mit einem generellen Rechtsanspruch verbunden, sondern zählt zu den sogenannten Kann-Leistungen. Es liegt immer im Ermessen der Agentur für Arbeit, ob sie eine finanzierte Unterstützung befürwortet oder nicht.

Um einen Bildungsgutschein in Anspruch nehmen zu können, ist vorab eine Beratung bei der Agentur für Arbeit zwingend erforderlich. Die Zweigstelle ist nicht beliebig, sondern gehört zum Einzugsgebiet der Meldeadresse des Antragsstellers. Der Termin findet bei einem Kundenbetreuer statt, der dem Interessenten einer Weiterbildungsmaßnahme zugeordnet wird. Im Rahmen des Beratungstermins wird einerseits die Notwendigkeit der Maßnahme geklärt und andererseits die allgemeine Eignung des Kunden für die Weiterbildung geprüft. Erst wenn die Befähigung des Interessenten festgestellt wurde, kann ein Bildungsgutschein ausgestellt werden.

Die Kostenübernahme ist mit einem festen Zeitfenster verbunden. Der Gutschein hat in der Regel eine Gültigkeit von drei Monaten. Innerhalb dieses zeitlichen Rahmens muss die Weiterbildung beginnen, ansonsten verfällt der Gutschein und kann nicht abgerechnet werden. Die Kostenübernahme hat keine Auszahlung der anfallenden Kosten für den Antragsteller zur Folge. Er muss bei der Zahlung der Maßnahme nicht in Vorleistung treten. Die Abrechnung der Kosten für den jeweiligen Kurs findet unmittelbar zwischen der Agentur für Arbeit und dem Träger der Weiterbildungsmaßnahme statt.

Thematische Schwerpunkte von Bildungsgutscheinen

Ein Bildungsgutschein wird in der Regel für eine konkrete Maßnahme an einem festen Ort mit einem dafür formulierten Bildungsziel vergeben. Die Themenbereiche sind dabei sehr vielfältig und hängen mit dem beruflichen Sektor zusammen, in dem das Bildungsangebot stattfindet. Bildungsgutscheine werden meist im Rahmen von Weiterbildungen, Schulungen, Kursen oder Fortbildungen ausgestellt. Der Zeitraum kann wenige Tage oder auch mehrere Wochen umfassen. Die Themen, die von einem Bildungsträger angeboten werden, müssen inhaltlich zur eigenen Tätigkeit beziehungsweise zum angestrebten Arbeitsfeld passen.

Vielfältige Themen für Bildungsgutscheine

Bildungsgutscheine dienen der persönlichen Qualifizierung in einem konkreten beruflichen Rahmen. Dementsprechend bieten die Maßnahmenträger Kurse und Fortbildungen an, die in den einzelnen Bereichen Kompetenzen und Fertigkeiten vermitteln. Die Themenfelder können die Bereiche Logistik, Gesundheit, Wirtschaft, Kommunikation, Sprachen, Computer, Sozialwesen und vieles mehr umfassen. Wer sich ein Gebiet nach persönlicher Neigung auswählt, sollte immer darauf achten, einen Bezug zum bestehenden oder angestrebten beruflichen Tätigkeitsfeld herzustellen. Je kompatibler das Kursangebot zur eigenen beruflichen Realität, umso größer die Chancen für eine spätere Einbindung in den Arbeitsmarkt.

Flexibilität in Bezug auf die berufliche Orientierung ist ein weiterer Aspekt, der für die Entscheidungsfindung von Bedeutung ist. Auch wenn es sinnvoll ist, eine Weiterbildung zu wählen, die den eigenen Interessen entspricht, sind häufig Berufsfelder besser geeignet, die auf dem aktuellen Arbeitsmarkt stärker gefragt sind. Es ist hilfreich, gegebenenfalls eine zweite Option für eine berufliche Fortbildung in Erwägung zu ziehen und auch im Beratungsgespräch die eigene Flexibilität für verschiedene Optionen zu vermitteln. Um einschätzen zu können, welche Tätigkeiten auf dem Arbeitsmarkt gesucht werden, hilft ein Blick in die offenen Angebote der verschiedenen Stellenbörsen. Häufig finden sich hier Anregungen für mögliche Weiterbildungsthemen.

Bildungsgutschein beantragen bei Jobcenter / Arbeitsamt

Hinsichtlich des Ablaufs muss zunächst der zuständige Kundenberater bei der Agentur für Arbeit über den Wunsch nach einem Bildungsgutschein in Kenntnis gesetzt werden. Wenn die Voraussetzungen grundsätzlich erfüllt sind, wird der Berater meist innerhalb eines Zeitraums von etwa vier Wochen den Termin zur Beratung vereinbaren. Der eigentliche Antrag wird in schriftlicher Form eingereicht. Zum Gespräch werden sämtliche Nachweise mitgebracht, die eigene Bewerbungsbemühungen dokumentieren. Auch Informationen über berufliche Ziele, die mit der Weiterbildung erreicht werden sollen, sind einzureichen. Wenn bereits ein konkreter Weiterbildungsträger bekannt ist, kann dieser benannt werden, ansonsten ist auch der Kundenberater bei der Suche behilflich.

Die Bearbeitung des Antrags sollte möglichst zeitnah erfolgen, damit der Antragsteller im Genehmigungsfall rechtzeitig die Fortbildung in Anspruch nehmen kann. Der Kundenberater informiert üblicherweise den Interessenten über den ungefähren Zeitpunkt der zu erwartenden Rückmeldung.

Wer einen positiven Bescheid erhält und einen Bildungsgutschein nutzen kann, hat nicht nur Anspruch auf eine Kostenübernahme der Kursgebühren. Sämtliche Beträge, die mit der Fortbildung in Verbindung stehen, werden übernommen. Wenn der Ort der Maßnahme nicht am eigenen Wohnort liegt, können auch die Fahrtkosten sowie die Beträge für Unterbringung und auch Verpflegung von der Agentur für Arbeit erstattet werden. Wer Kinder hat, kann Auslagen für eine Betreuung während der laufenden Weiterbildungszeit geltend machen. Fahrtkosten und Kinderbetreuung werden nicht automatisch übernommen, sondern müssen gesondert beantragt werden.

Nicht immer werden Bildungsgutscheine bewilligt, obwohl augenscheinlich alle Kriterien für eine Genehmigung gegeben sind. Sofern die formalen und gesetzlichen Richtlinien erfüllt sind, kann der Interessent selbst einiges tun, um die Chance auf Bewilligung des Gutscheins zu erhöhen. Der wichtigste Aspekt ist die Eigeninitiative. Wer sehr gut vorbereitet zum Beratungstermin erscheint, hat ideale Bedingungen für ein positives Ergebnis. Zur wichtigsten Vorbereitung gehört die Recherche nach Weiterbildungsangeboten. Ein Bewerber, der mit fertig ausgearbeiteten eigenen Vorschlägen über Art, Dauer und Ort der Maßnahme zum Termin kommt und aufzeigen kann, welche Perspektiven er mit dem Angebot verbindet, gilt in jedem Fall als gut vorbereitet und engagiert.

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