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Strategien gegen Mobbing am Arbeitsplatz

Schätzungsweise eine Millionen Berufstätige leiden unter Mobbing am Arbeitsplatz. Machtspielchen und die systematische Zerstörung des Selbstbewusstseins haben heftige Folgen für Betroffene. Wir informieren über Mobbing, seine Ursachen, Prävention – und darüber, wie man aus der Mobbing-Falle wieder herauskommt.


Mobbing: Eine Definition

Der Begriff Mobbing stammt aus dem Englischen. Wörtlich übersetzt bedeutet er “belagern” oder “anpöbeln”. Man spricht von Mobbing, wenn eine Person bewusst, strategisch und regelmäßig von einer Person oder Gruppe fertig gemacht wird. Generelle Konflikte zwischen Kollegen sind damit nicht gemeint. Nach offizieller Definition spricht man von Mobbing, wenn einem Menschen mindestens einmal wöchentlich willentlich Schaden zugefügt wird.

Dieser Schaden kann an Arbeitsplätzen verschiedenen Formen auftreten. Die Mobbing-Attacken reichen von abwertenden Blicken und dem völligen Ignorieren des Kollegen, über die Verbreitung von Gerüchten bis hin zu übertriebener und dauerhafter Schikane bei kleinen Fehlern. Sogar Diebstahl gehört immer wieder zu Mobbing-Aktionen dazu.

Bossing

Mittlerweile gibt es ebenfalls einen Begriff für Schikane durch den Vorgesetzten. Das sogenannte “Bossing” bedeutet übersetzt “kommandierend” und beschreibt das klassische Phänomen des Machtmissbrauchs. Die höhere Position ist ein permanentes Druckmittel, dass den Gemobbten davon abhält sich zu wehren. Er wird als Ventil für angestaute Wut oder Selbstzweifel des Mobbers missbraucht.

Straining

Ein weiterer Unterbegriff des Mobbings ist das “Straining”. Dieses Phänomen beschreibt einen subtileren Mobbingprozess, der für Außenstehende offensichtliche Angriffe ausschließt. Übersetzt als “anspannend” und “sich plagend” wird dem Opfer beim Straining Schaden zugefügt, indem es systematisch ausgegrenzt wird. Es wird nicht informiert, ihm wird nicht geantwortet, es wird nicht mehr angesehen und seine Äußerungen werden übergangen.

Mobbing von Ursachen am Arbeitsplatz

Mobbing am Arbeitsplatz hat viele Gesichter

Die Ursachen für Mobbing am Arbeitsplatz sind psychologisch leicht erklärt. Der Mobber weist ein Defizit auf, das er durch seine Aktionen auszugleichen versucht. Ein bekanntes Motiv ist Neid. Der Mobber hat selbst ein schwaches Selbstbewusstsein, dass durch diverse Komplexe ausgelöst wird, die entweder Persönlichkeit, soziale Stellung im Kollegium oder Erscheinung betreffen. In diesem Fall versucht er sich selbst oder anderen Macht und Überlegenheit zu demonstrieren. Er will beweisen, dass er im Vergleich zum Betroffenen höher gestellt ist. Diese Position wird immer weiter ausgereizt. Wenn sich der Betroffene nicht wehrt, steigern sich die Attacken ins Bodenlose. Der Grund für die Attacken liegt darin, dass der Mobber nicht weiß, wie er mit seinem Neid umgehen soll. Er empfindet Ungerechtigkeit und weicht aufgrund mangelnder Fähigkeiten zur Konfliktlösung ins Mobbing aus.

Die Auswahl der Mobbing-Betroffenen

Betroffene müssen sich nicht unbedingt Fehler erlaubt haben. Im Gegenteil, oft ist es Fehlerlosigkeit, die einen Mobber neidisch werden lässt und zu demütigenden Aktionen treibt. Es kommt vor, dass sie sich auf eine Person versteifen, wenn sie merken, dass andere Mitarbeiter mitmachen, dass sie niemand aufhält oder wenn das Opfer sich nicht wehrt.

Wie sich Mobbing am Arbeitsplatz ausprägt

Dem Betroffenen werden Äußerungen verweigert

Das geschieht auf subtile oder offensive Weise. Durch Gestik und verbale Andeutungen oder direktes Anschreien und Unterbrechen. Oft werden auf jegliche Aussagen des Betroffenen, die versuchen sich dem Mobbing zu entziehen, Kritik oder Drohungen geäußert. Wenn die Person versucht Kontakt zu seinen Kollegen aufzunehmen, wird das abgeblockt.

Soziale Beziehungen werden boykottiert

Um den sozialen Ruin zu bewirken, halten Mobber andere Kollegen dazu an, den Betroffenen ebenfalls zu ignorieren oder zu belagern. Im Fall von Bossing kann es passieren, dass der Vorgesetzte sein Opfer sogar in ein abgeschiedenes oder unansehnliches Büro versetzt, damit sich keine Besucher dorthin verirren. Ziel des Mobbers ist es, den sozialen Status in Mitleidenschaft zu ziehen und das Selbstbewusstsein des Betroffenen zu zerstören. Es werden Gerüchte verbreitet und Aktionen geplant, die die Person bloßgestellt und blamiert. Imitationen gehören zum simpelsten Repertoire eines Mobbers. Witze auf Kosten des Opfers, die Religion oder Erscheinung betreffen, stellen effektives Material dar.

Berufliche Degradierung

Eine Möglichkeit der beruflichen Degradierung ist diese: Um den Betroffenen zu demütigen, wird ihm seine Verantwortung und Leistungsfähigkeit entzogen. Er bekommt nur noch sinnlose oder banale Aufgaben, die eigentlich nicht zu seinem Aufgabenbereich zählen.

Die andere Möglichkeit, um an dieses Ziel zu gelangen ist diese: Die Aufgaben, die dem Betroffenen gegeben werden, weisen einen zu hohen Schwierigkeitsgrad auf. Entweder liegen sie absichtlich über den Qualifikationen des Mitarbeiters, oder reguläre Aufgaben werden in einem so hohen Tempo aufgegeben, dass es unmöglich ist, diese in der vorgegebenen Zeit zu erledigen. Ziel ist es hier, dem Betroffenen seine Geduld zu rauben, seine Nerven zu strapazieren und ihn in die Verzweiflung zu treiben. Er soll sich unfähig fühlen und sein Selbstbewusstsein verlieren.

Mobbing in Form sexueller Belästigung

Dass der oder die Betroffene keinen sozialen Wert mehr hat, versucht der Mobber auch durch sexuelle Handlungen zu erreichen. Wenn dies in der Gruppe geschieht ist das Ziel die gesellschaftliche Entblößung. Im Nachhinein wird von Kollegen darüber gesprochen werden und das Opfer wird sozial degradiert.

Im Fall von Bossing erlaubt sich der Chef spontane sexuelle Berührungen, in der Regel bei Mitarbeiterinnen. Aus Angst entlassen zu werden, unternehmen viele Frauen zunächst nichts dagegen. Dieser Druck verleitet den Chef häufig dazu, noch mehr Übergriffe zu wagen und diese auszureizen. Aus Scham und Angst vor Ächtung schweigen die Frauen. Die Aktionen bleiben oft jahrelang unbemerkt.

Der konkrete Angriff auf die Gesundheit

Hier ist der Höhepunkt des Mobbings erreicht. Wenn dem Mobber die Attacken nicht mehr reichen, breitet er seine Angriffe auch auf die Physis aus. Dazu gehört ebenfalls die psychische Misshandlung, die in Depressionen oder Selbstmord gipfeln kann. Es kommen Drohungen physischer Gewalt und deren tatsächliche Umsetzung zum Einsatz. Es werden Kosten für den Betroffenen verursacht und sowohl privater Besitz als auch Büroeigentum in seiner Nähe zerstört.

Warum wird nichts unternommen?

Die meisten Menschen, die entweder beginnen mitzumobben oder einfach nur zusehen, haben selbst Angst ein Opfer von Mobbing zu werden. Gerade bei Mobbing durch Gruppen besteht die Gefahr selbst zum Außenseiter zu werden. Um ihren sozialen und beruflichen Status nicht zu verlieren, folgen sie lieber der Masse anstatt das Richtige zu tun.

Im Fall von Straining gibt es das Problem, dass kaum jemand die subtilen Angriffe wahrnimmt. Sie erfolgen oft heimlich, wenn es also jemand mitbekommen soll, liegt es bei dem Betroffenen, sich an Kollegen oder Vorgesetzte zu wenden.

Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz

Die Folgen von Mobbing können durchaus ernster enden als ein einfacher Wechsel des Arbeitsplatzes. Betroffene geraten nicht mehr aus dem spiralförmigen Sog des Opfer-Daseins heraus und verlieren ihre Lebenslust. Aufgrund des zerstörten Selbstbewusstseins entsteht aus beruflicher Vereinsamung auch private Abgrenzung. Die Gemobbten wollen niemandem zur Last fallen und schämen sich derartige Themen anzusprechen. Sie geraten während des Kampfes mit sich in Selbstmitleid. Daraus folgen Depressionen. Letztendlich werden sie ihres lieblosen Lebens müde und der Mobber wird verantwortlich für eine Tat, mit der er niemals gerechnet hätte. In der Regel sind Mobber nicht sadistisch und wollen das Leben eines Menschen beenden. Sie sind sich der Schwere ihrer Aktionen und deren Auswirkungen einfach nicht bewusst.

Trotz der Überwindung von Mobbing am Arbeitsplatz kann es noch Spätfolgen geben. Gerade junge Berufseinsteiger neigen dazu, unter dem Druck des neuen Jobs zu zerbrechen. Wenn es dann noch jemand auf sie abgesehen hat, können schon kleinere Mobbingaktionen eskalieren. Labile Persönlichkeiten neigen dazu auch später, im höheren Erwachsenenalter, noch Depressionen aufgrund des Traumas zu entwickeln.

Mobbing Hilfe – Strategien zur Bewältigung von Mobbing

Sich nicht zu wehren, ist keine Lösung

Wenn du selbst gemobbt wirst, solltest du dich nicht in der Rolle des Opfers sehen, denn das wird der Mobber spüren. Betroffene versuchen oft die Schikane zu ignorieren oder mit Freundlichkeit dagegen anzukämpfen. Diese Versuche werden erfolglos bleiben und die Attacken nur noch verschlimmern, da der Angreifer nun merkt, dass er mit seinem Verhalten ohne Konsequenzen weitermachen kann.

Verhaltensanalyse

Zunächst sollte man versuchen die Beweggründe des Angreifers zu verstehen und sich selbst zu reflektieren. Warum hat die Person es genau auf mich abgesehen? Welche Angriffsfläche biete ich und aufgrund welcher Unsicherheit könnte der Mobber sich an mir austoben wollen? Aufgrund der oben beschriebenen Ausprägungen von Mobbing am Arbeitsplatz lässt sich eine exponentiell steigende Mobbing-Kurve kalkulieren. Das eigene Verhalten muss verändert werden, um auch eine Veränderung im Verhalten des Mobbers zu bewirken.

Sprich über deine Probleme

In einem weiter fortgeschrittenen Mobbing-Stadium ist es wichtig Freunde oder Familie einzuweihen, um sich nicht auch noch mit privater Vereinsamung herumplagen zu müssen. Wenn es keine vertrauenswürdigen privaten Kontakte gibt, hilft es zu einem Psychologen zu gehen und sich gemeinsam Verhaltensweisen zu überlegen, die dem Mobber keine Angriffsfläche mehr bieten. Konsequente Erniedrigung kann niemals allein bewältigt werden. Es braucht einen bestärkenden Ausgleich und Unterstützung zum Kampf gegen Mobbing.

Ein ernstes Gespräch unter vier Augen

Auch wenn es dir vermutlich peinlich ist und es unglaublich viel Mut erfordert, ist die Strategie, den Mobber zu einem privaten Gespräch aufzufordern, auf jeden Fall einen Versuch wert. Mobber verhüllen ihre Attacken oft in Lachen. Sie ziehen ihr Verhalten so auf, dass man den Eindruck bekommen könnte, sie meinen die bösen “Streiche” nur scherzhaft. Nicht selten reden sie sich das auch tatsächlich ein und sind sich der schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen nicht bewusst. Aus diesem Grund solltest du in einem Vier-Augen-Gespräch sachlich erklären, dass es nicht lustig ist, was der Mobber tut und er ernsthafte Schäden damit anrichten kann. Wenn du gemobbt wirst, solltest du in einem Gespräch dieser Art niemals darum Bitten, nicht mehr schikaniert zu werden. Das zeugt von Schwäche und hält den Mobber nur noch eher dazu an, sich weiterhin auf dich zu stürzen. Ebenso solltest du ihn nicht provozieren. So gerät er in Versuchung eure Kräfte noch mehr zu messen.

Beschwerderecht bei Mobbing am Arbeitsplatz

Wenn du dir nicht anders zu helfen weißt oder das Mobbing am Arbeitsplatz nach all deinen Strategieversuchen immer noch nicht aufgehört hat, kannst du dein Beschwerderecht nutzen. Wenn körperlicher Missbrauch vorliegt, solltest du dich an einen Anwalt wenden. Bedenke dabei, dass du Beweise für die Straftaten deines Mobbers vorlegen musst, um den Prozess erfolgreich zu verlassen.

Strategien zur Prävention von Mobbing

Die beste Methode nicht gemobbt zu werden, ist dich nicht angreifbar zu machen. Beginnt eine Person damit, dich nicht mehr zu grüßen oder regelmäßig abfällig anzuschauen, interveniere und sprich sie in kürzester Zeit darauf an. Wenn sie frech zu dir ist, sei auch frech zurück, selbst wenn es dich Überwindung kostet. Wenn du nicht den Mut findest, die Person anzusprechen, weihe andere Kollegen oder Bekannte frühzeitig ein und berichte sofort, wenn sich die Situation verschlimmert.

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