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Beliebte Formulierungen im Arbeitszeugnis – und was sie bedeuten

Das Arbeitszeugnis darf laut Gesetz keine negativen Bemerkungen des Arbeitgeber über den Arbeitnehmer beinhalten. Deshalb haben Arbeitgeber verschiedene Codes zur Bewertung entwickelt, die nicht so leicht zu entschlüsseln sind. Wir zeigen, wie es auch dir gelingt.

Personalern fällt es leicht, die gängigen Codes für Arbeitszeugnisse zu deuten. Sie erfahren so einiges über den Bewerber, noch vor dem Vorstellungsgespräch – möglicherweise sogar ohne, dass dieser es ahnt. Damit du dich nicht unwissentlich mit einem schlechten Arbeitszeugnis bewirbst, erklären wir dir die verschiedenen Arbeitgeber-Strategien zur Bewertung. Viele Arbeitszeugnis-Formulierungen drücken insgeheim sogar konkrete Noten aus.

Qualifiziertes Arbeitszeugnis: Aufbau

Nach der Überschrift folgen deine Stammdaten (Geburtstag, Zeitraum der Beschäftigung und so weiter). Danach kommt deine Tätigkeitsbeschreibung im Betrieb. Wenn auf diese Beschreibung noch eine Bewertung deiner sozialen und fachlichen Fähigkeiten folgt, handelt es sich um ein sogenanntes “qualifiziertes Arbeitszeugnis”. Es unterscheidet sich vom „einfachen Arbeitszeugnis“ ohne Wertung des Arbeitnehmers. Wenn die sozialen Fähigkeiten vor den Fachlichen stehen, kann das bedeuten, dass die fachlichen Qualifikationen weniger nennenswert sind. Nach diesem Part findet man in der Regel den Grund für das Ende des Arbeitsverhältnisses sowie die Schlussformel und mögliche Zukunftswünsche. Wie üblich bei offiziellen Schreiben schließt das Arbeitszeugnis mit der Unterschrift des Arbeitgebers, dem Datum und den Firmendaten.

Zeugnissprache

Geheimcodes sind nicht zulässig

Ein Geheimcode würde auf besondere Charaktereigenschaften hinweisen, die nennenswert sind. Beispiel: Sie trat sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens für die Interessen der Arbeitnehmer ein. Übersetzung: Sie war gewerkschaftlich tätig. Genau so könnte „Geselligkeit“ mit „Alkoholismus“ verschlüsselt werden. Diese Art von Geheimcodes dürfen gesetzlich nicht verwendet werden. Die Bewertung des Mitarbeiters muss dem Wortlaut nach erfolgen.

Der Zeugniscode – deine Arbeitszeugnis Noten

Da die Noten allesamt nur als Lob formuliert werden dürfen, ergeben sich lediglich Abstufungen. Die exakten Codes für bestimmte Noten sind hierbei variabel. Einige beliebte Beispiele haben wir für dich zusammengefasst. Die Bewertung der Gesamtleistung drückt hierbei oft eine Art „Abschlussnote“ aus.

Beispiele für Arbeitszeugnis Noten

Note sehr gut

  1. … erzielte herausragende Arbeitsergebnisse.
  2. … wurde von Kollegen, Vorgesetzten und Kunden stets als freundlicher und fleißiger Mitarbeiter geschätzt. (Sozialverhalten)
  3. … bewies stets ein sehr hohes Maß an Leistungsbereitschaft und Eigeninitiative.
  4. … erzielte basierend auf umfangreichem und besonders fundiertem Fachwissen immer deutlich überdurchschnittliche Erfolge.
  5. … bewies auch in extremen Stresssituationen und unter Zeitdruck stets hohe Belastbarkeit und Zielorientierung.
  6. Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden und danken für die stets sehr guten Leistungen. / Die Leistungen lagen stets sehr weit über unseren Erwartungen. (Abschlussnote)

Note gut

  1. … zeigte stets überdurchschnittliche Arbeitsqualität.
  2. … Verhältnis zu Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden war einwandfrei.
  3. … bewies stets eine hohe Pflichtauffassung und Leistungsbereitschaft.
  4. … wendete gute Fachkenntnisse laufend mit großem Erfolg im Arbeitsgebiet an.
  5. … zeichnete sich auch in extremen Stresssituationen durch hohe Belastbarkeit und Zielorientierung aus.
  6. Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden und danken für die stets guten Leistungen. / Die Leistungen lagen weit über unseren Erwartungen.

Note befriedigend

  1. … erfüllte die Erwartungen in jeder Hinsicht.
  2. … das Verhalten zu Mitarbeitern und Vorgesetzten war vorbildlich.
  3. … zeigte Leistungsbereitschaft.
  4. … besitzt ein solides Fachwissen in seinem Fachgebiet.
  5. … erwies sich auch bei hohem Arbeitsanfall als belastbarer Mitarbeiter.
  6. Wir bedauern sein/ihr Ausscheiden sehr und danken für die guten Leistungen. / Die Leistungen lagen über unseren Erwartungen.

Note ausreichend

  1. … die Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen.
  2. … das Verhalten zu Vorgesetzten war einwandfrei.
  3. … zeigte auch Leistungsbereitschaft.
  4. … besitzt das erforderliche Fachwissen.
  5. … erwies sich bei üblichem Arbeitsanfall als zuverlässiger Mitarbeiter.
  6. Wir bedanken uns für seine/ihre Mitarbeit. / Die Leistungen entsprachen unseren Erwartungen.

Note mangelhaft

  1. … hat unseren Erwartungen weitestgehend entsprochen.
  2. … das persönliche Verhalten war insgesamt einwandfrei.
  3. (Leistungsbereitschaft wird nicht erwähnt)
  4. … zeigte bei den übertragenen Aufgaben das notwendige Fachwissen, das er/sie wiederholt erfolgversprechend einsetzte.
  5. (Erwähnung der Belastbarkeit fehlt)
  6. (Danksagung/Bedauern fehlt) / Die Leistungen entsprachen insgesamt unseren Erwartungen.

Verschlüsselungstechniken

In der Zeugnissprache kommt es immer auf den Kontext an. Stehen die Formulierungen in einem anderen Zusammenhang, verändert sich sofort ihre Bedeutung. Im Folgenden zeigen wir dir einige beliebte Strategien, um den Arbeitnehmer möglichst „wohlwollend“ zu bewerten. Es haben sich ebenfalls einige Standardsätze etabliert, die konkret zu deuten sind. Dazu mehr im Kapitel “Arbeitszeugnis Musterformulierungen”.

Auslassungen

Oft gibt es bei der Erstellung von Arbeitszeugnissen fest zusammengehörende Formulierungen. Werden diese ausgelassen, ist dies ein klares Zeichen, woran es gemangelt hat. Wenn das “Verhalten gegenüber Kollegen immer einwandfrei” war, kann dies bedeuten, dass das Verhalten gegenüber Vorgesetzten nicht so vorbildlich war. Ein weiteres, deutliches Zeichen für mangelnde Zufriedenheit des Arbeitgebers ist es, wenn das Arbeitszeugnis sehr kurz ist und die Bewertung somit sogar entfällt.

Formulierungen im Passiv

Hinter Formulierungen wie “Der Arbeitnehmer wurde im Bereich XY eingesetzt. “ oder “Ihm wurden folgende Aufgaben übertragen …” würde man erst einmal nichts Böses vermuten. Bei einer positiven Bewertung würde die Formulierung allerdings so ausfallen: “Der Arbeitnehmer arbeitete im Bereich XY.” und “Er erledigte folgende Aufgaben …”.

Verwendung von Verneinungen

Wenn du Verneinungen in deinem Arbeitszeugnis findest, solltest du stutzig werden. Rein rhetorisch sind diese nämlich überflüssig und deuten dem Personaler an, dass etwas nicht gestimmt hat. Beispiel: „Sein Verhalten war ohne jede Beanstandung“ anstatt „Sein Verhalten war stets vorbildlich“. Negation gilt in Puncto Arbeitszeugnis immer als negative Wertung.

Reihenfolge

Formulierungen im Arbeitszeugnis: „War sehr gesellig“ & Co.

Die wichtigen Aufgaben befinden sich in der Regel weiter oben oder weiter vorn im Arbeitszeugnis. Wenn die offensichtlich weniger Wichtigen aber nun oben angeordnet werden, kann dies bedeuten, dass die Bewältigung der wesentlichen Aufgaben nicht zufriedenstellend war.

Die Reihenfolge in einzelnen Aufzählungen kann ebenfalls auf eine Priorisierung hindeuten. Wenn dein Verhalten zum Beispiel zu “Kollegen, Kunden und Vorgesetzten” einwandfrei war, könnte das bedeuten, dass du dich für die Meinung deiner Vorgesetzten nur wenig interessiert hast. Umgekehrt könnte ein einwandfreies Verhalten zu “Vorgesetzten, Kunden und Kollegen” darauf hinweisen, dass du kein gutes Verhältnis zu deinen Kollegen hattest.

Auffällige Formulierungen

Ebenfalls zu beachten sind unübliche Formulierungen wie “originelle Ideen” oder “energische Mitarbeit”, die durchaus negativ ausgelegt werden können. Arbeitgeber bewegen sich gerne in diesen Grauzonen, da die Interpretation dieser Attribute im Großen und Ganzen jedem selbst überlassen bleibt. Offensichtlicher ist es, sobald der Arbeitnehmer sich in seinen Tätigkeiten “bemüht” hat. Dies ist ohne jeglichen Interpretationsspielraum immer eine negative Wertung.

Weiterhin gehören zu auffälligen Formulierungen übertriebenes Lob oder die Überbetonung von Selbstverständlichkeiten: “Besonders schätzten wir an XY seine Pünktlichkeit” oder “XY hat mit den Mitarbeitern stets gute Gespräche geführt”. Diese Beispiele wirken geradezu ironisch. Sie befinden sich rechtlich aber im Rahmen, da die Formulierungen in Arbeitszeugnissen lediglich positiv und wohlwollend klingen müssen.

Codes im Arbeitszeugnis selbst entschlüsseln

Eine gute Technik, die Bewertungen im eigenen Arbeitszeugnis zu entschlüsseln, ist das potentielle Lob abzustufen. Ein starkes Lob preist eine starke Leistung, ein schwaches Lob verdeutlicht eine schwache Leistung. Wo auf deiner imaginären Skala liegt die Formulierung deiner Leistung? Welche Steigerungsformen finden sich in deinem Arbeitszeugnis wieder und wo werden sie eingesetzt?

Arbeitszeugnis übersetzen – 10 Muster-Formulierungen

Beispiel 1: Wir wünschen ihm alles Gute und Gesundheit.
Übersetzung: Achtung, er kränkelt!

Beispiel 2: Für die Zukunft wünschen wir ihm alles Gute, besonders Erfolg.
Übersetzung: Erfolg hatte er hier nämlich keinen.

Beispiel 3: Sie hat alle Arbeiten mit großem Fleiß und Interesse erledigt.
Übersetzung: Sie war zwar fleißig und interessiert, aber nicht gerade erfolgreich.

Beispiel 4: Die Aufgaben, die wir ihr übertrugen, hat sie zu unserer Zufriedenheit erledigt.
Übersetzung: Sie erledigte nur die Aufgaben, die man ihr explizit erteilte. Ansonsten war sie eher passiv und zeigte wenig Eigeninitiative.

Beispiel 5: Er hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt
Übersetzung: Die Leistung war äußerst schwach.

Beispiel 6: Sie zeigte für ihre Arbeit Verständnis.
Übersetzung: Sie war faul.

Beispiel 7: Er verfügt über Fachwissen und zeigt ein gesundes Selbstvertrauen.
Übersetzung: Er überschätzt sich und hat geringe Fachkenntnisse.

Beispiel 8: Sie erledigte alle übertragenen Aufgaben ordnungsgemäß.
Übersetzung: Sie bewies keine Eigeninitiative und tat nur das Nötigste.

Beispiel 9: Er koordinierte die Arbeit seiner Mitarbeiter und gab klare Anweisungen.
Übersetzung: Er hat schlechte Führungsqualitäten.

Beispiel 10: Er verlässt uns im gegenseitigen Einvernehmen.
Übersetzung: Es erfolgte eine Kündigung durch den Arbeitgeber.

Achtung vor Überinterpretation

Auch wenn viele der Äußerungen in einem Arbeitszeugnis auf eine verschlüsselte Leistung hindeuten, muss das nicht heißen, dass jeder Satz auf die Goldwaage gelegt werden muss. Am wichtigsten ist der Mittelteil des Zeugnisses, der Sozialverhalten und fachliche Kompetenz bewertet. Auf die Schlussformel und Zukunftswünsche sollte ebenfalls geachtet werden. Der Rest hingegen sollte nicht überinterpretiert werden.

Es muss sich auch nicht immer die Note “sehr gut” ergeben, damit du dein Zeugnis einreichen kannst. Ein Arbeitszeugnis einzureichen ist besser als es aus Angst auszulassen. In diesem Fall wird sich der Personaler wundern, warum es in deinem Lebenslauf eine Tätigkeit gibt, die nicht nachgewiesen wird. Er könnte den Eindruck bekommen, dass du schlechtes Verhalten vertuschen willst, dass du unordentlich bist und dein Zeugnis verloren hast oder sogar, dass du dir den Lebensabschnitt nur ausgedacht hast. Wenn du dein Arbeitszeugnis als “ausreichend” oder schlechter einschätzt, solltest du bei deiner Bewerbung im Bewerbungsschreiben oder im Motivationsschreiben darauf hinweisen.

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