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Bescheiden sein: 4 Arten & 4 Tipps für mehr Bescheidenheit

Bescheiden zu sein wird von vielen Menschen sehr geschätzt. Schließlich ist Bescheidenheit gemeinhin das Gegenteil von Arroganz, die stets eher ungern gesehen wird. Wir erklären dir, was Bescheidenheit genau ist und wie du selbst bescheidener werden kannst.

Das Wort bescheiden kann ganz verschiedene Bedeutungen haben, je nachdem, in welchem Kontext es steht. So wird Bescheidenheit zwar grundsätzlich als positiv gesehen, wandelt jedoch auf einem schmalen Grat und kann schnell in Heuchelei und unterschwellige Prahlerei kippen.

Was "bescheiden sein" bedeutet

Was "bescheiden sein" bedeutet

Das Wort "bescheiden" kann ganz verschiedene Bedeutungen haben, je nachdem, in welchem Kontext es steht. So kann es sowohl positive als auch negative Bedeutungen haben.

Die häufigste Verwendung der Begriffe "bescheiden" oder "Bescheidenheit" gibt es im Zusammenhang mit einem genügsamen beziehungsweise zurückhaltenden Verhalten. Jemand, der nicht prahlt oder mit seinen Fähigkeiten angibt, gilt allgemein als bescheiden. 

Genauso gilt es auch als Verb. In diesem Fall ist es reflexiv, braucht also ein reflexives Pronomen wie "sich", "mich" und so weiter. "Sich mit etwas zu bescheiden" bedeutet soviel wie "sich mit etwas zufrieden geben" oder "sich mit etwas genügen".

Eine weitere Bedeutung von Bescheidenheit sind geringe Ansprüche oder eine schlichte Lebensweise. Ist die Einrichtung eines Zimmers zum Beispiel eher bescheiden, ist es in der Regel nicht groß eingerichtet und enthält nur das nötigste Mobiliar.

Bescheiden kann aber auch als negative Wertung aufgefasst werden. Wenn etwa Flüche oder allzu abwertende Bezeichnungen für beispielsweise Leistungen oder auch das Wetter vermieden werden wollen, benutzen viele gern das Wort "bescheiden". 

Wortherkunft von bescheiden

Das Wort "bescheiden" stammt ursprünglich aus der mittelalterlichen Rechtssprache. Hier gab es den Ausdruck "jemandem Bescheid geben" im Sinne von "jemandem etwas zuteilen".

"Sich bescheiden" bedeutete in diesem Zusammenhang dann, dass einem etwas vom Richter zugeteilt wurde und man sich damit dann begnügen musste.

Menschen, die sich auf diese Art vom Richter bescheiden ließen, galten als einsichtig oder besonnen. Diese Adjektive kommen unserem heutigen Verständnis von Bescheidenheit dann schon recht nahe.

Arten von Bescheidenheit

Bescheiden zu sein hat viele Gesichter. Manche sind Lebensweisen, manche sind positive Charaktereigenschaften, manche eher negativ. Andere Arten von Bescheidenheit entstehen wiederum aus religiösen oder ethischen Motivationen.

Bescheiden leben

Bescheiden leben

Eine bescheidene Lebensweise steht allgemein für ein entspannteres und fröhlicheres Leben. Es geht darum, Materialismus und übermäßigen Konsum zu vermeiden. So kannst du deinen Fokus viel besser auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben lenken und diese voll und ganz genießen. 

Menschen, die bescheiden leben, geben ihr Geld nur für Dinge aus, die sie auch wirklich möchten und benötigen. Auf teure Güter wie ein schnelles Auto, vergoldete Uhren oder ähnliches verzichten sie. Besonders diese verschwenderischen Lebensstile zeichnen sich durch unersättlichen Hunger nach immer mehr Besitz aus, der auf Dauer nicht glücklich macht. 

Insbesondere in den letzten Jahren kam vermehrt der Trend des Minimalismus auf. Durch unsere heutige Gesellschaft, in der alles immer besser, schneller und mehr sein muss, wächst in vielen der Wunsch nach einer bescheideneren und achtsameren Lebensweise. 

Dabei geht es nicht darum, geizig zu sein oder generell auf jede Form von Konsum zu verzichten. Vielmehr sollst du dir mehr Gedanken darum machen, was genau du konsumierst und dieses dann voll auskosten.

Brauchst du wirklich das neue Buch, wenn noch zehn andere in deinem Regal darauf warten, gelesen zu werden? Musst du dir wirklich die neue Trendhose kaufen, wenn du eigentlich einen vollen Kleiderschrank hast? Mit etwas Bescheidenheit im Umgang mit Geld und seinem eigenen Besitz soll so bewusster und genussvoller gelebt werden. 

Tiefe Bescheidenheit und Religion

Tiefe Bescheidenheit und Religion

Ein Synonym für tiefe Bescheidenheit ist Demut. Diese ist vor allem in einigen der Weltreligionen zu finden und dort sehr präsent. Demut steht für das Gegenteil von Arroganz und schätzt andere höhere als sich selbst. Gläubige verschiedener Religionen stellen das Wohl anderer höher als das eigene und halten sich zurück mit Prahlerei und Maßlosigkeit in ihrem Konsum. 

Besonders der christliche und jüdische Glauben ist geprägt von Demut vor Gott als wichtigste Eigenschaft eines Gläubigen. Dabei geht es nicht darum, seinen eigenen Wert als geringer zu schätzen als er ist. Stattdessen gilt es vielmehr, die Geringheit der Menschen gegenüber der unendlichen Größe Gottes anzuerkennen. 

Eine Religion, die ebenfalls sehr für Bescheidenheit steht, ist der Buddhismus. Neid, Arroganz und Missgunst haben in diesem Glauben keinen Platz. Ein bescheidenes, minimalistisches und friedliches Leben, in dem man sich mit den einfachen Dingen zufrieden gibt, gibt gutes Karma und gilt als erstrebenswert. 

Einen ausführlichen Artikel über Demut findest du hier.

Falsche Bescheidenheit

Bescheidenheit muss nicht immer positiv sein. Vielleicht hast du schon mal den Spruch "nur keine falsche Bescheidenheit" gehört. Bescheidenes Verhalten kann immerhin auch so weit gehen, dass es schon wieder arrogant oder angebend wirkt. Dann schlägt es schnell in Heuchelei um.

Im Englischen gibt es dafür den Begriff "humblebragging". Er setzt sich aus den Wörtern "humble" (bescheiden) und "bragging" (prahlen) zusammen und bedeutet demnach soviel wie "bescheidenes prahlen". Dieses Verhalten hast du sicherlich auch bereits einmal erlebt. 

Die Kollegin beklagt sich, dass sie schon wieder zugenommen hätte – dabei ist sie die schlankste im Raum und will eigentlich nur mit ihrer Figur angeben. Ein Klassenkamerad hatte überhaupt keine Zeit zum Lernen – und schreibt trotzdem die beste Note in der Klausur. 

Dieses Verhalten wird von vielen noch geringer geschätzt als eine einfache Prahlerei. Es will nämlich nicht nur einfach angeben, sondern zugleich noch mehr Aufmerksamkeit und Mitleid erregen.

Bescheidenheit als Lob

Bescheidenheit als Lob

Bescheidenes Verhalten entwickelt sich schnell in die Richtung, dass eigene Leistungen heruntergespielt werden. Man will unbedingt hochmütiges Verhalten vermeiden, da dieses von den meisten Menschen als wenig positiv aufgefasst wird.

Jedoch kann Bescheidenheit auch als Lob und Anerkennung gegenüber anderen ausgelegt werden. Wenn du zum Beispiel einen Wettbewerb knapp gewinnst, wird es von vielen hoch angerechnet, wenn du nicht nur mit deiner eigenen Leistung prahlst.

Stattdessen solltest du ebenfalls die Leistung deiner Konkurrenz anerkennen. Auch das gilt als Bescheidenheit. Dich über deinen Erfolg freuen darfst du natürlich trotzdem.

Extrem bescheiden: Frugalisten

Frugalismus ist ein Trend, der sich vor allem in den USA in den letzten Jahren entwickelt hat. Frugalisten haben das Ziel, so viel zu sparen, dass sie mit 30 oder 40 Jahren in Rente gehen und von ihrem bis dahin Erspartem gut leben können. Das erfordert viel Durchhaltevermögen und Verzicht in diesen zehn bis zwanzig sehr intensiven Arbeitsjahren. 

Ein gewöhnlicher Haushalt spart etwa zehn Prozent seines Einkommens. Frugalisten legen dagegen 30 bis sogar 80 Prozent ihres Einkommens beiseite. Vom restlichen Geld dennoch leben zu können, erfordert viel Disziplin, guten Umgang mit Geld und vor allem eine sehr bescheidene Lebensweise. 

Bescheidenheit als Nachteil

Bescheidenheit als Nachteil

Grundsätzlich wird Bescheidenheit gesellschaftlich durchaus geschätzt. Arroganz und prahlendes Verhalten werden dagegen eher verachtet. Dennoch ist es wichtig, dass du das richtige Maß an Bescheidenheit findest. 

Zuviel Bescheidenheit kann durchaus ihre Nachteile haben. Besonders für dein eigenes Selbstwertgefühl ist es ungesund, stets die eigenen Leistungen herunterzuspielen und nicht anzuerkennen. Du wirst dich auf Dauer automatisch als wertloser und unfähiger sehen, als du eigentlich bist. 

Insbesondere in der Berufswelt ist zu viel Bescheidenheit alles andere als förderlich, wenn du auf der Karriereleiter aufsteigen möchtest. Jemand, der sich seiner Talente und Fähigkeiten bewusst ist und diese auf selbstbewusste (aber nicht arrogante) Art kund tut, wird sehr viel schneller von Vorgesetzten wahrgenommen. 

Nimmst du dich dagegen immer zurück und bleibst bescheiden, werden dir möglicherweise einige Leistungen gar nicht zugesprochen. Ein Beispiel dafür ist ein Teamprojekt. Ihr wart zu zweit, du hast die meiste Arbeit hineingesteckt und ihr werdet vom Chef gelobt. Du bleibst bescheiden und spielst Aufwand und Leistung herunter, während dein Teampartner das Lob stolz annimmt. Sofort sticht er mehr heraus und wird vom Chef eher wahrgenommen.

Achte also darauf, deine eigenen Leistungen durchaus anzuerkennen und nicht zu sehr in den Schatten zu stellen. Bescheiden zu sein heißt nicht gleichzeitig, kein Selbstbewusstsein zu besitzen. Mit ein wenig Übung wirst du aber die richtige Mischung zwischen diesen Eigenschaften finden.

Tipps für mehr Bescheidenheit

Tipps für mehr Bescheidenheit

Dass dein gewisses Maß an Bescheidenheit durchaus eine nützliche Eigenschaft sein kann, ist im Laufe des Artikels wohl deutlich geworden. Vor allem ist es aber wichtig, dass deine Bescheidenheit ehrlich ist. Vorgespielte oder übertriebene Bescheidenheit dagegen wird oft noch weniger gemocht als Arroganz. 

Wie es dir gelingt, bescheidener zu werden, verraten wir dir in den folgenden Tipps. Behalte im Hinterkopf, dass es bei Bescheidenheit nicht darum geht, dein Selbstwertgefühl zu verringern oder deine eigenen Leistungen nicht zu schätzen.

Anerkennung von Fehlern und Grenzen

Jeder Mensch macht Fehler. Wir alle haben unsere Schwächen und niemand ist perfekt. Wenn du diese Tatsache anerkennst, bist du der Bescheidenheit schon ein ganzes Stück näher. Du musst also nicht alle deine Schwächen und Fehler schönreden. 

Jeder deiner Mitmenschen weiß, dass auch du Fehler hast. Arrogantes Verhalten, bei dem du dich besser darstellst als andere, nützt dir daher im Grunde gar nichts. Gib stattdessen einfach auch mal zu, wenn du einen Fehler gemacht hast.

Genauso solltest du deine Grenzen und Schwächen kennen. Wenn du weißt, dass dir etwas schwerfallen wird, kannst du das zugeben und um Hilfe bitten. Das bringt dich weiter und macht dich gleich viel bescheidener.

Dankbarkeit

Wenn du Hilfe bekommst, sei dankbar. Aussagen wie "das hätte ich auch alleine geschafft" lassen dich überheblich wirken. Dankbarkeit und Wertschätzung dagegen machen auch die andere Person glücklich. Einen großen Erfolg zu feiern ist wichtig. Genauso darfst du dich auch über deine Leistung freuen und diese anerkennen.

Mache dir aber auch bewusst, wie du bis zu diesem Punkt gekommen bist. Haben dich vielleicht deine Eltern oder Freunde auf diesem Weg unterstützt? Haben du und dein Team besonders gut zusammengearbeitet?

Bring ihnen Wertschätzung und Dankbarkeit entgegen und du wirkst gleich bescheidener. Noch dazu hast du die Freude über deinen Erfolg mit anderen geteilt, was ebenfalls ein schönes Gefühl ist.

Realistischer Umgang mit eigenen Stärken

Realistischer Umgang mit eigenen Stärken

Das Mittelmaß zwischen einem gesunden Selbstbewusstsein, Bescheidenheit und Arroganz zu erreichen, kann ziemlich schwierig sein. Um die richtige Balance zu finden, ist es wichtig, sich die eigenen Stärken bewusst zu machen. Genauso wie du deine Schwächen zugeben solltest, darfst du auch durchaus anderen deine Stärken zeigen.

Überschätze dich dabei aber nicht und halte dir vor Augen, dass es auch andere geben mag, die genauso gut oder vielleicht sogar besser sind als du. Je realistischer dein Bild von dir selbst und deinen Fähigkeiten ist, desto besser kannst du selbstbewusst damit umgehen und zugleich bescheiden bleiben.

Bewusstsein für die richtigen Dinge

Wie du bereits erfahren hast, steht Bescheidenheit nicht nur für ein nicht-arrogantes Verhalten. Vielmehr beschreibt sie eine gewisse Genügsamkeit. Genauso bedeutet bescheiden zu sein auch, kleine Dinge wertzuschätzen.

Du musst nicht mit jedem Trend mitgehen, dir stets die neueste Kleidung und Technik kaufen und dir jedes Jahr einen Luxusurlaub gönnen. Versuche, bewusster mit alledem umzugehen. Mache zum Beispiel öfter Spaziergänge in der Natur und versuche, auf Kleinigkeiten in deiner Umgebung zu achten. Ersetze den all-inclusvie-Urlaub durch eine Rucksack-Reise und schau, was auf dich zukommt. 

Du wirst schnell merken, wie sich dein Bewusstsein viel mehr auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben richtet. So wirst du genügsamer, achtsamer, bescheidener und mit der Zeit auch deutlich befreiter und glücklicher.

Synonyme für bescheiden

Synonyme für bescheiden

Im Laufe des Artikels sind dir vermutlich bereits einige Synonyme und andere Begrifflichkeiten für bescheiden begegnet. Je nach Auffassung des Adjektivs gibt es tatsächlich so einige weitere Begriffe, die du anstelle von bescheiden verwenden kannst. 

Bescheiden im klassischen Sinne als Charaktereigenschaft oder Zustand:

  • anspruchslos
  • genügsam
  • uneitel
  • unverwöhnt

Bescheiden im Sinne einer Einrichtung:

  • spartanisch
  • karg
  • einfach
  • schlicht

Bescheiden als Bezeichnung einer (zu) geringen Menge von etwas:

  • erbärmlich
  • kümmerlich
  • mager
  • mickrig
  • armselig 

Sprüche über Bescheidenheit

Sprüche über Bescheidenheit

Mit Bescheidenheit und deren Vorzügen sowie Nachteilen hat sich so manch eine Persönlichkeit der Vergangenheit beschäftigt. So sind viele kluge Zitate über diese Eigenschaft entstanden, von denen wir dir im Folgenden zehn vorstellen. 

  1. Falsche Bescheidenheit ist ebenfalls Hochmut. (Blaise Pascal)
  2. Zuviel Bescheidenheit ist halber Stolz. (Jüdisches Sprichwort) 
  3. Die Bescheidenheit ist die Schüchternheit des Stolzes. (Sully Prudhomme)
  4. Bescheidenheit ist der Anfang aller Vernunft. (Ludwig Anzengruber)
  5. Lieber aufrichtige Arroganz als falsche Bescheidenheit. (Unbekannt) 
  6. Die Bescheidenheit ist eine von meinen siebentausend Tugenden. (Griechische Weisheit)
  7. Bescheidenheit ist der einzige Glanz, dem man dem Ruhm hinzufügen kann. (Charles Duclos Pinot)
  8. Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. (Deutsches Sprichwort)
  9. Bescheidenheit bei mittelmäßigen Fähigkeiten ist bloße Ehrlichkeit: bei großen Talenten ist sie Heuchelei. (Arthur Schopenhauer)
  10. Bescheidenheit ist die Mutter der Tugend. (Titus Maccius Plautus)
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