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Reziprozität: 5 Tipps gegen das Gegenseitigkeitsprinzip + 4 Formen

Kriegst du von deinem Nachbarn ein Weihnachtsgeschenk, schenkst du ihm auch etwas. Dieses Gegenseitigkeitsprinzip hat in den meisten Fällen positive Auswirkungen. Es kann aber auch zur Gefahr werden. Wir erklären, was Reziprozität ist und wie du dich am besten vor Manipulation schützt.


Reziprozität erlebst du in den unterschiedlichsten Lebenssituationen. Stell dir vor du arbeitest in einem Großraumbüro und hast eigentlich nicht viel mit deinen Kollegen zu tun. An deinem Geburtstag überreicht dir einer deiner Kollegen ein Geschenk. Ein paar Wochen später hat dieser Kollege Geburtstag. Nun fühlst du dich verpflichtet, ihm ebenfalls etwas zu schenken, obwohl du vorher nicht einmal darüber nachgedacht hast.

Ebenso verhält es sich, wenn dir Freunde Komplimente zu deiner Frisur oder zu deinen neuen Schuhen machen. Automatisch achtest du mehr darauf, was deine Freunde anhaben und wie sie aussehen, um sie spätestens beim nächsten Treffen mit einem Gegenkompliment glücklich zu machen. Das beruhigt nicht nur dein Gewissen, sondern zaubert deinen Freunden auch ein Lächeln aufs Gesicht.

Definition von Reziprozität

Reziprozität sorgt für ein ausgeglichenes Sozialverhalten

Reziprozität lässt sich am besten mit der Redensart "Wie du mir, so ich dir" zusammenfassen. Wahrscheinlich verbindest du diesen Satz mit etwas Negativem, zum Beispiel einem Racheakt oder einer Handlung, die jemand anderem schadet. Im Fall der Reziprozität bedeutet "Wie du mir, so ich dir" aber etwas Positives. Menschen streben von Natur aus danach, ein ausgeglichenes Verhältnis im sozialen Miteinander zu bewahren. Das bedeutet, dass du das Gefühl hast reagieren zu müssen, sobald dir jemand anders mit einer Aufmerksamkeit, einer Aussage oder etwas Anderem eine Freude macht. Das positive Handeln eines anderen Menschen hält dich in einer Art Falle gefangen, aus der du dich erst mit einer weiteren positiven Handlung befreien kannst.

Der Begriff Reziprozität kommt aus dem Lateinischen. Er ist vom Wort "reciprocare" abgeleitet, was so viel wie gegenseitig oder wechselseitig bedeutet. Reziprozität wird oft auch als Gegenseitigkeitsprinzip bezeichnet. Hältst du dich an das Prinzip, hilft es dir dabei dich weder ausnutzen zu lassen noch jemand anderen auszunutzen. In deinem Unterbewusstsein spielt Reziprozität eine große Rolle und sorgt dafür, dass du Konflikten möglichst aus dem Weg gehen kannst.

Obwohl das Gegenseitigkeitsprinzip eigentlich mit einer positiven Absicht verbunden ist, kann es auch negative Auswirkungen auf dich haben. So fühlst du dich womöglich unter Druck gesetzt, wenn du einen Gefallen oder eine Aufmerksamkeit nicht zeitnah erwiderst. Das verursacht Stress, der immer mehr zunimmt, je länger du brauchst, um deine vermeintliche Schuld zu begleichen.

Gesetz der Reziprozität

Das ungeschriebene Gesetz der Reziprozität ist unabhängig von Alter, Geschlecht, Kultur oder Herkunft. Es gilt für alle Menschen, sowohl im privaten, als auch im geschäftlichen Bereich. Das Gegenseitigkeitsprinzip schützt dich auch vor dir selbst, indem es dafür sorgt, dass du anderen nicht unendlich viele Gefallen tust, ohne selbst etwas zurück zu bekommen. Hast du immer nur das Wohl anderer im Blick, geraten deine eigenen Bedürfnisse und Gefühle in den Hintergrund und werden im schlimmsten Fall sehr vernachlässigt.

Achte immer darauf nicht zu viel und nicht zu wenig zu geben. Natürlich ist es wichtig, anderen ab und zu einen Gefallen zu tun. Dann sind dir deine Mitmenschen dankbar und mögen dich lieber. Dabei darfst du deine eigenen Bedürfnisse aber nicht vernachlässigen. Andererseits darfst du deine Freunde auch nicht zu deinen Gunsten ausnutzen, das fällt schnell auf und du machst dich unbeliebt. Hin und wieder wird das Gesetz der Reziprozität nämlich auch gezielt angewendet, um bestimmte Handlungen zu provozieren.

Reziprokes Handeln im privaten Bereich

Sich gegenseitig Beschenken ist reziprokes Handeln

Würdest du auf die Idee kommen, deinem Partner nichts zu Weihnachten zu schenken? Wahrscheinlich nicht, denn eine solche Entscheidung führt schnell zu Irritationen, Tränen oder einem Streit. Das Gegenseitigkeitsprinzip wäre damit ausgehebelt. Eine gemeinsame Entscheidung gegen Geschenke, ist für keinen von euch beiden ein Problem. Das liegt daran, dass sich niemand einseitig ausgenutzt oder übergangen fühlt.

Im Umgang mit fremden Menschen gilt das Prinzip genauso, wie im Umgang mit dem Partner, mit Freunden oder der Familie. Um das zu verdeutlichen eignet sich das Beispiel eines Restaurantbesuchs besonders gut. Bestellst du nach dem Essen die Rechnung, erhältst du normalerweise nur einen Kassenzettel auf dem steht, wie viel du bezahlen musst. In einigen Restaurants bringen Kellner nach dem Essen aber nicht nur die Rechnung, sondern auch einen Schnaps oder Kaffee aufs Haus, manchmal Bonbons oder eine Aufmerksamkeit für Kinder, wenn welche dabei sind. Studien beweisen, dass eine solche Geste die Gäste dazu bringt mehr Trinkgeld zu geben, weil sie dadurch ihre Dankbarkeit ausdrücken können. Das durchschnittliche Trinkgeld fällt in Zusammenhang mit einer Aufmerksamkeit fast doppelt so hoch aus, wie bei einer Rechnung ohne kostenlose Aufmerksamkeit. Reziprozität ist also auch eine wirksame Marketingstrategie, die gezielt dazu eingesetzt wird, um dich zum Geld ausgeben beziehungsweise zum Zahlen von mehr Trinkgeld zu bringen.

Reziprokes Handeln im geschäftlichen Bereich

Reziprokes Handeln bei Vertragsgesprächen

Das Reziprozitätsprinzip spielt nicht nur im privaten Bereich eine Rolle, sondern auch im geschäftlichen. Verkäufer wenden das Prinzip geschickt an, um Kunden von ihrem Produkt zu überzeugen. Dazu tun sie ihren potenziellen Kunden vor der Vertragsverhandlung einen Gefallen, um sie in ein Abhängigkeitsverhältnis zu bringen. Schon die kleinste Aufmerksamkeit kann dabei viel bewegen und einen Kunden, der eigentlich noch am Vertragsabschluss gezweifelt hat, zum Ja-Sagen bewegen.

Vielleicht warst du selbst sogar schon einmal in einer solchen Situation. An Bahnhöfen oder vor Universitäten werden immer wieder kostenlose Exemplare von Zeitungen oder Zeitschriften verteilt. Oft bekommst du an den entsprechenden Ständen auch Süßigkeiten oder Kugelschreiber umsonst. Das ist gezielte Manipulation, denn sobald du die Geschenke annimmst, werden dir Abonnements der Zeitung oder Zeitschrift angeboten. Bewiesenermaßen schließen mit diesem Trick mehr Menschen Abonnements ab. Das liegt daran, dass du dich in einer Dankbarkeits-Falle befindest, die du erst mit Abschluss eines Abonnements wieder verlassen kannst. Sympathie spielt dabei übrigens keine Rolle, das Gegenseitigkeitsprinzip allein reicht aus, um dich zu überzeugen.

Schutz vor Manipulation: So entkommst du dem Gegenseitigkeitsprinzip

Lass dich nicht mit dem Gegenseitigkeitsprinzip manipulieren

Es gibt immer wieder Situationen in denen Menschen das Reziprozitätsprinzip ausnutzen, um ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Dazu manipulieren sie andere, damit sie ihnen beim Erreichen dieser Ziele helfen oder den Weg dahin frei machen. Du solltest dich aber auch selbst fragen, ob du schon einmal jemandem einen Gefallen getan hast, damit er in deiner Schuld steht. Wenn du Leute gut kennst und weißt wie sie reagieren, kannst du sie mithilfe des Gegenseitigkeitsprinzips nämlich gezielt beeinflussen. Dahinter steckt nicht immer eine böse Absicht, aber in jedem Fall eine Berechnung. Um dich selbst vor Manipulationen zu schützen, musst du deine Schuldgefühle erkennen und ihnen aktiv entgegenwirken, bis du dich von ihnen löst. Folgende Punkte können dir dabei helfen.

Ignoriere deine Schuldgefühle

Am besten ist, wenn du es schaffst dich von deinen Schuldgefühlen zu befreien. Das wird dir oft nicht leicht fallen, daher kannst du auch versuchen die Gefühle zu ignorieren. Das gibt dir die Chance rational zu handeln und genau zu überlegen, welches Verhalten in einer bestimmten Situation angebracht ist. Lässt du dich von deinen Schuldgefühlen lenken, bist du dagegen sehr anfällig für das Gegenseitigkeitsprinzip. Du darfst aber auch komplett egoistisch handeln und solltest alle Möglichkeiten genau abwägen, bevor du handelst. Versuche dazu eine möglichst neutrale Haltung einzunehmen. Bedanke dich, wenn dir jemand einen Gefallen tut, aber fühle dich nicht sofort dazu verpflichtet den Gefallen zu erwidern.

Nimm nicht jeden Gefallen an

Überlege dir genau, ob du einen Gefallen annehmen möchtest oder nicht. Gerade wenn du eine Person nicht gut kennst und Angst davor hast in ihrer Schuld zu stehen, lehnst du lieber ab, bevor der Gefallen zustande kommt. Sei selbstsicher und verlasse dich darauf, dass du allein eine Lösung findest.

Erwidere nicht jeden Gefallen

Genauso wie du nicht jeden Gefallen annehmen musst, musst du auch nicht jeden Gefallen erwidern. Besonders wenn du ahnst, dass dir jemand einen Gefallen tut, weil er Hintergedanken dabei hat, brauchst du kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn du dich nicht revanchierst. Du musst aber aufpassen, dass du nicht anfängst andere Leute auszunutzen, weil es praktisch ist. Wäge daher genau ab, welchen Gefallen du erwiderst und welchen nicht.

Bedenke die Existenz des Gegenseitigkeitsprinzips

Bedenke die Existenz des Gegenseitigkeitsprinzips

Mach dir immer wieder bewusst, dass das Gegenseitigkeitsprinzip existiert und dass es dein Verhalten beeinflusst. Das ändert zwar nichts daran, dass du deine Schuld weiterhin begleichen willst, hilft dir aber dabei eine bewusste Entscheidung zu treffen. Dann traust du dich auch mal Nein zu sagen. Bist du dir über die Existenz des Prinzips im Klaren, erkennst du auch, ob andere dir aus Nettigkeit einen Gefallen tun oder um dich zu manipulieren.

Beende das Gegenseitigkeitsprinzip

Unternimmt keiner der Beteiligten etwas, zieht sich das Gegenseitigkeitsprinzip immer weiter hin. Du lädst deinen Nachbarn ein, weil er dich eingeladen hat. Beim nächsten Mal lädt dich dein Nachbar wieder ein, obwohl ihr beide eigentlich keine Lust auf die Feier des anderen habt. Hab Mut diesen Kreislauf zu durchbrechen. Eventuell musst du mit Konsequenzen rechnen, aber dir wird es danach besser gehen. Warte nicht darauf, dass die andere Person den ersten Schritt macht, sondern werde selbst aktiv.

Damit das Gegenseitigkeitsprinzip gar nicht erst zustande kommt, kündigst du am besten gleich an, dass du für deine Hilfe keine Gegenleistung erwartest. Dann kommt es im Nachhinein nicht zu einem Missverständnis oder zu Schuldgefühlen.

Reziprozität in der Psychologie

Sich im Alter um die Eltern kümmern als Beispiel für "generalisierte Reziprozität"

Welchem Menschen aus deinem Umfeld vertraust du bedingungslos? Wahrscheinlich ist es jemand, der dich nicht ausnutzt, sondern dir immer wieder etwas zurückgibt, wenn du ihm etwas gegeben hast. Das Gegenseitigkeitsprinzip gehört fest zum Leben dazu, auch wenn dir das gar nicht bewusst ist. In der Psychologie wird die Reziprozität als soziales Prinzip bezeichnet, das für alle Menschen gilt. Der menschliche Wunsch einen Ausgleich zwischen Geben und Nehmen herzustellen, ist dabei ausschlaggebend. Das gilt zumindest für die direkte und die generalisierte Reziprozität. Insgesamt wird in der Wissenschaft zwischen vier Formen der Reziprozität unterschieden.

Direkte Reziprozität

Die direkte Reziprozität lässt sich am besten mit einer Studie des Forschers Bronisław Malinowski erklären. Er untersuchte Anfang des 20. Jahrhunderts den Tauschhandel auf einer Insel in der Südsee. Dabei stellte er fest, dass der Handel immer in einer festgelegten Abfolge passiert. Zunächst gibt eine Person eine Ware an eine zweite Person. Die zweite Person nimmt die Ware an, während die erste Person darauf wartet, eine andere Ware als Ausgleich zu erhalten. In dem Moment, in dem die erste Ware übergeben ist und auf die Ausgleichsware gewartet wird, ist die Situation von einer gewissen Unsicherheit geprägt.

Generalisierte Reziprozität

Die generalisierte Reziprozität bezieht sich auf Handlungen, bei denen der Ausgleich erst zu einem sehr späten Zeitpunkt stattfindet. Die Spezifik der einzelnen Handlung ist zum Zeitpunkt des Ausgleichs schon vergessen. Ein Beispiel dafür ist die Eltern-Kind-Beziehung. Wenn dich deine Eltern als Kind ausreichend unterstützt und versorgt haben, dir vielleicht auch bei der Suche nach der ersten eigenen Wohnung geholfen und womöglich sogar die Mietkaution übernommen haben, fühlst du dich Jahre später in der Pflicht, dich um sie zu kümmern, wenn sie nicht mehr alleine klar kommen. Dabei kommt es nicht darauf an, dass du einzelne Punkte auf einer To-Do-Liste abarbeitest, sondern auf generelle Fürsorge. Es wird sich niemand mehr genau daran erinnern, wie viel Geld deine Eltern für dich ausgegeben haben und wie oft sie dich zum Arzt gefahren haben. Darauf kommt es aber auch nicht an. Das Einzige was zählt ist deine Bereitschaft, zu einem späteren Zeitpunkt für sie da zu sein.

Reziprozität der Perspektive

Die sogenannte Reziprozität der Perspektive beschreibt die Fähigkeit, dich in die Lage eines anderen Menschen hineinversetzen zu können und dessen Standpunkt einzunehmen. Dazu musst du dich mit den Lebensumständen einer anderen Person vertraut machen und dich möglichst gut in die aktuelle Lebenssituation hinein fühlen.

Reziprozität von Positionen

Die Reziprozität von Positionen bedeutet, dass du eine bestimmte Rolle einnimmst, die durch dein Umfeld zustande kommt. Du bist zum Beispiel ein Arbeitnehmer, wenn du in einem Angestelltenverhältnis arbeitest und Mutter oder Vater, wenn du ein Kind hast.

Fehlende Reziprozität

Menschen mit Helfersyndrom handeln nicht reziprok

Nicht jeder Mensch beachtet das Gegenseitigkeitsprinzip. Es kann in beide Richtungen übertrieben werden, nämlich in dem du dich zu viel oder zu wenig um soziale Ausgeglichenheit bemühst. Hilfsbereitschaft fällt normalerweise unter das Gesetz der Reziprozität. Es gibt aber Menschen, die unter dem Helfersyndrom leiden, also krankhaft hilfsbereit sind. Dabei erscheint es auf den ersten Blick tapfer und selbstlos, immer für andere da zu sein und Hilfsbedürftigkeit sofort zu erkennen. Menschen, die altruistisch handeln, sind normalerweise Vorbilder für andere Menschen. Deine Hilfsbereitschaft sollte aber nicht dazu führen, dass du dich aufopferst und nie eine Gegenleistung erwartest. Wenn du anderen permanent hilfst, um dich selbst besser zu fühlen, ist das krankhaft und kann zu Depressionen und Burnout führen. Achte also immer auf Ausgeglichenheit und deine persönlichen Bedürfnisse. Dein Selbstwertgefühl darf zu keinem Zeitpunkt unter deiner Hilfsbereitschaft leiden.

Das Gegenteil davon sind Menschen, die andere schamlos ausnutzen. Egoisten ist das Gegenseitigkeitsprinzip egal. Sie sind nur auf den eigenen Vorteil aus, auch wenn sie anderen Menschen dadurch schaden. Um Geld zu sparen, lassen sie sich von anderen einladen, geben aber selbst nie etwas aus. Solche Menschen müssen sich immer wieder ein neues soziales Netzwerk aufbauen, da ihre Mitmenschen in der Regel schnell merken, dass sie ausgenutzt werden.

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