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Stereotype: Definition, 4 Beispiele & 3 Tipps gegen Vorurteile

Fachredakteurin
Aktualisiert:

Stereotype und Vorurteile sind Bestandteile unseres Alltags. Doch die Schubladen im Kopf erleichtern dir auch die Denkarbeit. In diesem Artikel erfährst du, was genau Stereotype und Vorurteile sind. Zudem legen wir dir Tipps an die Hand, wie du Stereotype vermeidest.

Der Mensch neigt dazu, andersartige Personen mit bestimmten Eigenschaften zu betiteln. Unter Stereotype verstehen wir demnach Aussagen wie "Die Deutschen sind besonders fleißig" oder auch "Die Amerikaner sind sehr materialistisch."

Definition: Was Stereotype sind

Definition: Was Stereotype sind

Der Begriff "Stereotyp" (Singular: der Stereotyp, Plural: die Stereotype) kommt ursprünglich aus dem Griechischen.

Das griechische Wort "steréos" bedeutet so viel wie "starr" und "typos" heißt auf Deutsch "Eindruck".

Die Bezeichnung Stereotyp hat ihre Wurzeln im Buchdruck und wurde von den Menschen im 18. Jahrhundert für unveränderliche Schriften benutzt.

Heutzutage findet der Begriff vor allem Verwendung, um klischeehafte Vorstellungen von bestimmten Personengruppen auszudrücken.

Der US-amerikanische Journalist Walter Lippmann hat folgende Definition für Stereotype hervorgebracht:

Stereotype sind … "verfestigte, schematische, objektiv weitgehend unrichtige kognitive Formeln, die zentral entscheidungserleichternde Funktion in Prozessen der Um- und Mitweltbewältigung haben."

Das Adjektiv 'stereotyp'

Der Begriff "stereotyp" kann dir auch als Adjektiv begegnen. Er bezeichnet zum Beispiel Verhaltensweisen, die immer wieder auf dieselbe Weise auftreten. Winkt dein Nachbar dir jeden morgen auf dieselbe Art zu, ist das stereotypes Verhalten.

Außerdem wird ein solches Verhalten oft bei autistischen Personen beobachtet. Hier spricht man auch von repetitiven (sich wiederholenden) Verhaltensweisen.

Stereotype und Vorurteile

Stereotype und Vorurteile

Das Vorurteil (englisch: "prejudice") ist ein häufig genutztes Synonym für den Stereotypen (englisch: "stereotype"). Allerdings haben die beiden Begriffe eine unterschiedliche Bedeutung.

Stereotype vermitteln die Überzeugung, das bestimme Eigenschaften charakteristisch für eine Gruppe von Personen sind.

Diese Eigenschaften können sowohl positiv als auch negativ sein. Während die individuellen Unterschiede außer Acht gelassen werden, beziehen sich die Stereotype vor allem auf eine Person als Mitglied einer Gruppe.

Das stereotype Denken und automatische Kategorisieren passiert sogar unbewusst. Dahingegen handelt es sich bei einem Vorurteil um eine negative Haltung gegenüber den Mitgliedern einer Personengruppe.

Vorurteile sind mit Emotionen verknüpft und gründen meist auf einer vorangehenden Verurteilung der Gruppe. Vorurteile sind also stärker im Urteil als Stereotype.

Beispiele für Vorurteile

Fakt ist, Vorurteile sind von klein auf erlernbar. Wir werden jeden Tag mit einer großen Menge an Informationen konfrontiert. Das Gehirn ist nicht in der Lage, alle auf einmal zu verarbeiten.

Damit du dein alltägliches Leben trotzdem meistern kannst, versucht dein Gehirn die aufgenommenen Informationen zu vereinfachen, indem es sie in Kategorien einordnet und miteinander verknüpft. Um solche Strukturierungen zu erlernen, kann sogar schon das Lesen von Nachrichten reichen.

Folgende Aussagen sind Beispiele für geläufige Vorurteile:

  • Hartz-IV-Empfänger leben auf Kosten von anderen Menschen.
  • Deutsche haben wenig Humor.
  • Dicke Menschen sind faul.
  • Beamte arbeiten sehr langsam.
  • Frauen können kein Auto fahren.
  • Ausländer sind besonders kriminell.
Confirmation Bias

Unter dem sogenannten Confirmation Bias (auf Deutsch: Bestätigungsfehler) verstehen wir die Neigung von Menschen, sich die Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie den eigenen Wahrnehmungen entsprechen.

Informationen, welche die eigenen Erwartungen nicht bestätigen, werden ausgeblendet (Selbsttäuschung). Der Bestätigungsfehler führt so auch zur Verfestigung von Stereotypen.

Hier erfährst du mehr über häufige kognitive Verzerrungen sowie vier Tipps im Umgang.

Beispiele für Stereotype

Beispiele für Stereotype

Die nachfolgenden Aussagen stellen weitverbreitete Stereotype dar:

  • Deutsche sind besonders pünktlich.
  • Brasilianer können sehr gut tanzen.
  • Juden sind intelligent.
  • Latinas sind exotisch.

Dabei haben all diese Ansichten eine Gemeinsamkeit: Sie beziehen sich auf eine bestimmte Nationalität. Jede Kulturgemeinschaft hat eine Sammlung von musterhaften und klischeehaften Vorstellungen über ihre Umgebung.

Stereotypische Vorstellungen von anderen Nationalitäten sind ein Teil davon. Sie ergeben sich beispielsweise durch den interkulturellen Austausch von Vertretern unterschiedlicher Nationen.

Übrigens: Die frühesten Klischeevorstellungen über Personengruppen ist die antike Vier-Säfte-Lehre von Hippokrates von Kos (469-399 v. Chr.).

Sie besagt, dass sich der Charakter eines Menschen nach dem Vorherrschen und der Qualität eines bestimmten Körpersaftes oder einer Kombination der Säfte ableiten lässt. Nach Hippokrates existieren diese vier Säfte:

  • Blut (Sanguiniker)
  • Schleim (Phlegmatiker)
  • Schwarze Galle (Melancholiker)
  • Gelbe Galle (Choleriker)

Hier erfährst du mehr über die vier Typen der Temperamentenlehre.

Klischee Definition
Das Klischee leitet sich von dem französischen Wort "cliché" ab und bedeutet so viel wie "Abklatsch". Es beschreibt eine vorgefertigte Ansicht und eine eingefahrene Vorstellung über einen Sachverhalt. Meistens bezieht es sich auf eine bestimmte Gruppe von Personen.

Stereotype und Erziehung

Stereotype und Erziehung

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Stereotypen spielt die Erziehung.

Für ein kleines Kind sind die Eltern die wichtigsten Bezugspersonen. Alles, was Eltern ihren Kindern lehren, prägt sie ihr ganzes Leben lang.

Meist werden im Kindes- und Jugendalter Ungleichbehandlungen im Rahmen von Geschlechterstereotypen gefestigt. Sie stehen dann auch in einem klaren Zusammenhang mit der späteren Berufswahl oder den Karriereaussichten.

Ab einem Alter von etwa drei Jahren beginnen Kinder, ihre Geschlechtsidentität wahrzunehmen und auszubilden. So lernen sie, welche äußerlichen Merkmale und Attribute mit ihrem Geschlecht verbunden werden. Es existieren vier grundlegende Arten von Geschlechterklischees:

  • Häusliches Verhalten: Frauen müssen sich um die Kinder kümmern und das Haus sauber halten, während sich Männer beispielsweise mit den Finanzen beschäftigen.
  • Berufe: Männer wählen technische Berufe und Frauen entscheiden sich eher für Lehr- und Pflegeberufe.
  • Charaktermerkmale: Frauen sind eher gefühlvoll und zurückhaltend, Männer sind selbstsicher und furchtlos.
  • Aussehen: Männer tragen beispielsweise kurze Haare und sind muskulös, Frauen hingegen haben lange Haare und tragen Make-Up.

Derartige Geschlechterrollen sind immer mit einem gewissen Zwang verbunden. Die Gesellschaft erwartet also, dass Frauen und Männer sich auf eine bestimmte Weise verhalten und fühlen. Die Entstehung von Stereotypen fängt schon im Kindesalter mit der Entwicklung von Geschlechterklischees an.

Finde hier Tipps zur Kindererziehung und erfahre mehr über verschiedene Erziehungsstile.

Funktionen von Stereotypen

Funktionen von Stereotypen

Stereotype haben die Funktion, Gegenstände und Personen zu charakterisieren.

Für das menschliche Miteinander erfüllen sie wichtige Funktionen, die wir dir in diesem Kapitel genauer erklären.

Der Stereotyp als Orientierungsmöglichkeit

Aus der rein kognitiven Sicht betrachtet, stellen Stereotype für den Menschen ein Kategorisierungsschema zur Verfügung. Es ermöglicht, die Flut an komplexen Wahrnehmungen zu ordnen. So schafft stereotypisches Denken auch Sicherheit für das eigene Handeln.

Durch das Kategorisieren und Bewerten von Objekten und Personen weißt du nämlich schnell, woran du bist. Durch musterhaftes Denken kann der Mensch handlungsfähig bleiben.

Begegnest du beispielsweise einer dir unbekannten Person im Rahmen einer Gruppenarbeit, dann ist eine schnelle und gut funktionierende soziale Orientierung gefragt.

Eine ausführliche Analyse über einflussnehmende Merkmale deines Gegenübers ist nicht immer möglich, bevor du dir ein Urteil bildest. Hier kommen dann die Stereotype und Vorurteile ins Spiel, die dir eine schnelle Orientierung bieten.

Anpassung durch Stereotype

Anpassung durch Stereotype

Mithilfe von Stereotypen kann es dir auch gelingen, dich zügiger an verschiedene Lebensbedingungen anzupassen.

Also beispielsweise an vorherrschende Norm- und Wertvorstellungen sowie Handlungsregeln.

Stereotype erlauben es, die Meinung einer Person über eine bestimmte Gruppe aufgrund des gesellschaftlichen Einflusses an die allgemeine Meinung anzupassen.

Durch Stereotype wird ein hohes Maß an sozialen Belohnungen erreicht, gefolgt von Anerkennung und sozialer Zuwendung.

Abgrenzung

Stereotype werden oft mit anderen Personen geteilt. Sie fördern dann das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Bindung untereinander, also nach dem Motto: "Wir gegen die anderen." So erlauben Stereotype eine klare Abgrenzung gegenüber Außengruppen und stützen damit das "Wir-Gefühl".

Selbstdarstellung

Sozial geteilte oder gar gewünschte Stereotype dienen beispielsweise auch der Selbstdarstellung – sie bilden einen positiven Eindruck gegenüber anderen Personen.

Durch Vorurteile und Stereotype ist es möglich, sich als kompetenter Urteilender vor anderen Menschen zu präsentieren. Dann ist aber auch eine vorurteilsbehaftete Einstellung der Zuhörenden vorausgesetzt.

Folgen von Stereotypen

Folgen von Stereotypen

Die feste mentale Einstellung von Mitgliedern verschiedener sozialer Gruppen bringt selbstverständlich auch negative Folgen mit sich.

Die Geschichte hat uns bereits gelehrt, was passieren kann, wenn Stereotype und Vorurteile im großen Ausmaß verbreitet werden.

Die sogenannte Allport-Skala des US-amerikanischen Psychologen Gordon Allport liefert eine Erfassung der Vorurteile innerhalb einer Gesellschaft.

Sie unterscheidet die Diskriminierung in verschiedenen Stufen und zeigt damit sehr deutlich, wohin Klischeevorstellungen und Stereotype führen können.

Verleumdung (Antilokution)

Unter einer Verleumdung verstehen wir eine Äußerung, die jemand anderes diffamiert beziehungsweise herabwürdigt. Das deutsche Strafrecht bringt mit einer Verleumdung die absichtliche Verbreitung von unwahren Tatsachen über eine andere Person in Verbindung.

Derartige unwahre Tatsachen können dazu führen, dass die betroffene Person in der öffentlichen Meinung herabgewürdigt wird. Laut Allport reden die meisten Menschen mit Vorurteilen auch über diese. Ihre feindseligen Gefühle teilen sie dann mit Gleichgesinnten oder auch Fremden.

Damit ist das Stadium der Verleumdung erreicht.

Vermeidung

Gewinnen vorhandene Vorurteile an Kraft, dann wird die jeweilige Person auch die Berührung mit Individuen der abgelehnten Gruppe vermeiden. Das kann auch der Fall sein, wenn die Person dafür sogar "beachtliche Unannehmlichkeiten" in Kauf nehmen muss.

Diskriminierung

Diskriminierung

Im Stadium der Diskriminierung möchte die mit Vorurteilen behaftete Person alle Mitglieder der abgelehnten Gruppe sozial isolieren.

Dazu zählt beispielsweise das Fernhalten der Individuen von sozialen Einrichtungen oder auch von Wohngegenden.

Die sogenannte Apartheid ist ein Beispiel für eine solche Diskriminierung von Personengruppen.

Dabei handelte es sich um ein politisches System aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts, das sich die strikte Trennung von Rassen zum Ziel machte.

So gab es in öffentlichen Bereichen eine Trennung von farbigen und hellhäutigen Menschen. Farbige lebten in speziellen Wohngebieten, die auch als Townships bekannt sind.

Ebenso existierten getrennte Schulsysteme. Die weiße Bevölkerung genoss zu dieser Zeit Privilegien, während farbige Menschen nicht einmal das Wahlrecht besaßen.

(Körperliche) Gewaltanwendung

Bekannt ist, dass Vorurteile zum Teil mit starken Emotionen verknüpft sind. Steigern sich die Emotionen, kann es auch zu verschiedenen Arten der Gewaltanwendung kommen. Dazu zählt zum Beispiel die Verunstaltung von Grabsteinen auf jüdischen Friedhöfen.

Vernichtung

Der höchste Grat der Gewalt durch Vorurteile äußert sich beispielsweise in Lynchjustiz und Völkermord (Genozid). Ein treffendes Beispiel dafür sind die Massenmorde an jüdischen Mitbürgern im nationalsozialistischen Deutschland.

Vermeidung von Stereotypen

Vermeidung von Stereotypen

Jeder Mensch denkt in Stereotypen, denn sie sind Teil unseres Alltags. Kinder lernen bereits ab einem Alter von etwa drei Jahren, Informationen in Gruppen einzuteilen.

Dabei sind die typischen Merkmale das Geschlecht sowie die Haar- und Hautfarbe.

Stereotype können sich allerdings auch negativ auf das Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen auswirken.

In diesem Kapitel erklären wir dir, wie du klischeehaftes Denken vermeiden beziehungsweise abbauen kannst. Wichtig zu wissen ist, dass ein Unterschied zwischen bewussten und unterbewussten Stereotypen existiert.

Menschen, die eigentlich tolerant sein wollen, können dennoch unterbewusst stereotypisch denken. Die Stereotype kommen vor allem zum Vorschein, wenn die jeweiligen Personen Stress ausgesetzt sind oder unter Zeitdruck stehen.

Hier findest du Tipps für mehr Toleranz und Aufgeschlossenheit.

Eigne dir Wissen gegen Stereotype an

Der allererste und zugleich auch wichtigste Schritt zur Überwindung von Stereotypen und Vorurteilen ist die Erkenntnis, dass jeder Mensch stereotypisch denkt. Der Einfluss von klischeehaften Denkmustern kann durch unterschiedliche Weise zum Ausdruck kommen.

Du kannst ihren Einfluss aber verringern, indem du dich ihnen bewusst machst. Du kannst den Stereotypen beispielsweise begegnen, indem du dir Wissen zu dem jeweiligen Thema aneignest – so kannst du dann auch Rückschlüsse ziehen.

Ein stetig wachsender Erfahrungsschatz lässt Vorbehalte nach und nach verschwinden.

Reflektiere deine Kontakte

Denke über deinen Freundeskreis und deine Arbeitskollegen nach. Bei wem hattest du auf den ersten Blick Vorurteile oder hast der Person stereotypische Eigenschaften unterstellt. Bist du jetzt immer noch dieser Meinung oder hat sich deine Sichtweise geändert?

Reflektiere nun wie und warum sich dein Bild dieser Person im Laufe der Zeit verändert hat. Das macht dir bewusst, dass du dich auf Stereotype nicht verlassen kannst und vorschnelles Urteilen langfristig keinen Nutzen für dich hat.

Ändere deine Perspektive

Ändere deine Perspektive

Um Vorurteilen und Stereotypen aus dem Weg zu gehen, kannst du dich beispielsweise in Empathie üben.

Empathie ist ein sehr zentraler Aspekt emotionaler Intelligenz und fördert so auch das soziale Zusammenleben.

Menschen, die Vorurteile haben, lassen sich mehr von ihrem inneren Bild leiten, als die eigentliche Person wahrzunehmen.

Empathie bedeutet in dem Zusammenhang auch Beobachtung. Versuche, deine Umgebung und dein Gegenüber richtig wahrzunehmen.

Übrigens: Forschende vermuten, dass Rassismus sich in einem Mangel an Einfühlungsvermögen manifestiert.

Hier findest du 7 Eigenschaften und 8 Tipps für mehr soziale Kompetenz.

Affirmative Action

Der Begriff "Affirmative Action" hat sich im Zuge der Bürgerrechtsbewegung in den USA entwickelt. Er bezeichnet gesellschaftspolitische Maßnahmen, die der negativen Diskriminierung sozialer Gruppen entgegenwirken soll.

Dabei sollen den benachteiligten Gruppen Vorteile gewährt werden, die ihre Nachteile ausgleichen sollen. Dazu zählen beispielsweise staatlich finanzierte Bildungsangebote für Kinder aus einkommensschwachen Familien.

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