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Toleranz: 7 Tipps & 3 No-Gos für mehr Aufgeschlossenheit

Fachredakteurin
Aktualisiert:

Wer bei Meinungsverschiedenheiten nachsichtig ist, zeigt Toleranz. Wir geben in diesem Artikel nützliche Tipps, mit denen du sowohl aufgeschlossener als auch toleranter wirst und erklären, welche Fehler du vermeiden solltest.


Der Begriff Toleranz kommt aus dem Lateinischen. "Tolerare" bedeutet so viel wie erdulden oder ertragen. Ursprünglich bezog sich der Begriff Toleranz auf Zustände, die unveränderbar sind und die man als Mensch so hinnehmen muss, wie sie sind. Mittlerweile bedeutet Toleranz aber viel mehr als das.

Definition: Das ist Toleranz

Definition: Das bedeutet Toleranz

Für ein friedliches und glückliches Zusammenleben ist Toleranz sehr wichtig.

Tolerant ist, wer andere Menschen so hinnimmt wie sie sind und ihre Einstellungen und Verhaltensweisen nicht verurteilt.

Konkret bedeutet das: Sei offen gegenüber anderen Ansichten, lass alternative Meinungen zu und versuche sie nachzuvollziehen.

Toleranz bedeutet nicht, dass du andere Meinungen eins zu eins übernehmen und deine eigenen Ansichten aufgeben musst. Es geht lediglich darum verschiedene Betrachtungsweisen, Äußerungen und Handlungen zuzulassen.

Alle Menschen haben die gleichen Rechte und sollten einander mit Respekt behandeln. Unabhängig davon hat aber jeder Einzelne seine persönlichen Ansichten und richtet sein Leben nach verschiedenen kulturellen Regeln aus, die alle ihre Berechtigung haben.

Tolerant ist, wer andere oder fremde Überzeugungen und Handlungen duldet. Gerade wenn dir etwas völlig fremd ist, trittst du dieser Sache erst einmal skeptisch entgegen.

Wahrscheinlich störst du dich an gewissen Dingen und würdest deinen Gesprächspartner am liebsten von deiner persönlichen Ansicht überzeugen. In einem solchen Moment ist Toleranz gefragt. Natürlich kannst und darfst du aber auch nicht alles durchgehen lassen.

Gewalttätiges Verhalten oder die Schädigung von Personen und Gegenständen sind zum Beispiel nicht tolerierbar. Verurteilst du Menschen, die anders aussehen oder einer anderen Religion angehören als du selbst, bist du das Gegenteil von tolerant: intolerant.

Einige intolerante Menschen tun ihre Ablehnung offen kund, behandeln Andersdenkende schlecht, beleidigen und diskriminieren sie. So kommt es immer wieder zu Konflikten. Oft ist Intoleranz mit Unsicherheit und Angst verbunden.

Es ist völlig normal, dass du einer fremden, neuen und unbekannten Verhaltensweise erst einmal skeptisch gegenübertrittst. Dennoch kann ein Zusammenleben mit anderen Menschen nur funktionieren, wenn du offen für Neues bist und Unbekanntes nicht sofort verurteilst und schlecht redest.

Du beugst Intoleranz vor, indem du dich mit unterschiedlichen Ansichten und Meinungen beschäftigst und andere Kulturen kennenlernst. Behalte im Hinterkopf, dass du immer von deinem individuellen Standpunkt aus urteilst. Andere Menschen haben eine ganz andere Ausgangsposition als du.

Ein Beispiel für Toleranz im Alltag ist die Blitzer-Toleranz. Für die meisten Blitzer und Radarfallen gilt ein Toleranzabzug von drei Kilometern pro Stunde bei Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern. Die Toleranz bezieht sich dabei auf die Ungenauigkeit der Blitzer.

Toleranz versus Akzeptanz

Toleranz versus Akzeptanz

Akzeptanz und Toleranz werden oft in einem Atemzug genannt, unterscheiden sich aber voneinander.

Zwar beruhen beide Konzepte auf Freiwilligkeit, Akzeptanz erfordert aber eine konkrete Entscheidung, während Toleranz ein Prozess ist, der im Unterbewusstsein abläuft.

Akzeptanz ist die Bereitschaft, eine Verhaltensweise oder Meinung zu akzeptieren, auch mit möglichen Konsequenzen. Nimmt dein Partner beispielsweise einen Job in einer anderen Stadt an und du bist mit einer Fernbeziehung einverstanden, akzeptierst du seine Wahl.

In diesem Fall entscheidest du dich aktiv dafür, etwas zu akzeptieren, das dir eigentlich nicht passt. Toleranz äußert sich dagegen in der passiven Hinnahme einer Verhaltensweise oder Meinung. Du lässt also etwas geschehen, ohne es zu kommentieren, obwohl es dir womöglich nicht gut gefällt.

Hört dein Nachbar zum Beispiel laut Musik, die dir absolut nicht gefällt und dich stört, hast du die Wahl: Entweder du beschwerst dich oder du tust nichts und wartest ab, was passiert. Entscheidest du dich dafür nichts zu tun, tolerierst du das Verhalten deines Nachbarn zwar, akzeptierst es aber nicht.

Tipps für mehr Toleranz

Tipps für mehr Toleranz

Bestimmt hast du schon öfter Situationen erlebt, in denen du eine Entscheidung, eine Äußerung oder eine Handlung einer anderen Person absolut nicht nachvollziehen konntest.

Jeder Mensch gerät immer wieder in solche Positionen, oftmals auch mit Freunden oder Familienmitgliedern.

Deine Reaktion in solchen Momenten zeigt, wie tolerant du bist. Folgende Punkte solltest du beachten, wenn du an deiner persönlichen Toleranz arbeiten möchtest.

Reflektiere dein Verhalten

Versuche immer wieder an deiner Toleranz zu arbeiten. Niemand ist perfekt. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen du dein Verhalten im Nachhinein hinterfragst und vielleicht sogar als falsch einstufst. Regelmäßige Reflexion hilft dabei dein eigenes Verhalten zu verstehen und vielleicht zu ändern.

Tipps zur Selbstreflexion gibt es hier.

Toleranz: Sei respektvoll

Auch wenn du absolut anderer Meinung bist als dein Gegenüber, ist es von entscheidender Bedeutung, dass du nicht respektlos reagierst. Es wird immer wieder vorkommen, dass ein anderer Mensch Entscheidungen trifft, die du verurteilst. Dabei kann dein Respekt für die betroffene Person schnell verloren gehen.

Um das zu vermeiden, versuchst du am besten den persönlichen Hintergrund des Betroffenen nachzuvollziehen und zu respektieren. Vielleicht hilft es dir dabei das Verhalten des anderen Menschen besser zu verstehen. Das heißt aber nicht, dass du dieses Verhalten auch akzeptieren oder deine persönliche Meinung ändern musst.

Sei einfühlsam

Es kann sehr hilfreich sein, wenn du dich in die Situation deines Gegenübers versetzt. Versuche die Welt aus seiner Perspektive zu sehen. Beschäftige dich dazu mit euren unterschiedlichen Lebensentwürfen.

Das gelingt, indem du dich so gut wie möglich in den anderen einfühlst, seine persönlichen Lebensumstände in Betracht ziehst und auch kulturelle Differenzen beachtest. Das hat auch viel mit Respekt vor der anderen Person zutun.

Was dir vertraut und was dir fremd erscheint, hängt von deinen individuellen Erfahrungen ab. Für einen Menschen, der in seinem Leben ganz andere Erfahrungen gemacht hat als du, können Dinge völlig fremd sein, die dir vertraut erscheinen.

Toleranz: Sei geduldig

Geduld lässt sich üben

Geduld ist eine Tugend, die es dir ermöglicht tolerant zu sein. Lass deinen Gesprächspartner ausreden und warte erst einmal ab, bevor du mit Gegenargumenten konterst.

Das erspart dir Stress und mögliche Konflikte. Nimm Aussagen nicht persönlich, sondern überlege in Ruhe, wie sie zu Stande kommen.

Dazu musst du deine eigenen Bedürfnisse zurückstellen, darfst dein Ziel aber trotzdem nicht aus den Augen verlieren. Hast du mit innerer Unruhe zu kämpfen, fällt es dir wahrscheinlich nicht leicht geduldig zu sein.

Versuche es doch einmal mit Meditationsübungen. Die können dir dabei helfen deine Gefühle zu kontrollieren. Bewahrst du während einer Diskussion Ruhe und Geduld, hast du Zeit deine Meinung mit gut durchdachten Erklärungen zu vermitteln.

Sei offen für Diskussionen

Versuche Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten als etwas Positives zu sehen. Sie bieten Stoff für Diskussionen. Eine Diskussion ist immer eine gute Idee, wenn sie mit reflektierten Argumenten geführt wird, die nicht fallen, um die andere Person zu provozieren.

Zu einer erfolgreichen Diskussion gehört auch, dass du nachfragst, wenn du etwas nicht verstehst. Bitte dein Gegenüber seine Meinung genauer auszuführen und seinen Standpunkt zu erklären. Dann kannst du die Argumentation besser nachvollziehen und eventuell mit eigenen Aussagen widerlegen.

Außerdem signalisierst du mit Nachfragen, dass du andere Ansichten nicht einfach abtust, sondern Lust hast dich mit ihnen zu beschäftigen. Gehe selbstbewusst an eine Diskussion heran, aber sei trotzdem offen für die Argumente des Anderen.

Natürlich funktioniert das Ganze nur, wenn dein Gegenüber sich genauso auf die Diskussion einlässt wie du. Versteift er sich auf seine Meinung und geht nicht auf deine Argumente ein, solltet ihr die Diskussion beenden, bevor ein ernster Konflikt entsteht.

Tipps zum Diskutieren und Argumentieren gibt es hier.

Toleranz: Informiere dich über andere Menschen und Kulturen

Informiere dich über andere Menschen und Kulturen

Es gibt unzählige Lebensformen, die von deinem alltäglichen Leben sehr weit entfernt sind. Das ist völlig normal und bei allen Menschen so.

Diese Differenzen machen die Menschheit so vielfältig und interessant. Informiere dich über andere Menschen, Kulturen und Glaubenssysteme. Das macht dich sicherer im Umgang mit anderen Meinungen.

Es kommt nämlich immer wieder vor, dass Leute aus Unsicherheit und Unwissen intolerant reagieren. Das Verhalten ist dann eine Art Selbstschutz gegen das fremde und unbekannte Tun anderer Menschen.

Vielleicht findest du schnell Gefallen daran, dich mit anderen Kulturen und Glaubenssystemen zu beschäftigen. Recherchiere nicht nur selbst, sondern bitte Menschen, die einer bestimmten Kultur oder Religion angehören, dir mehr darüber zu erzählen und stelle ihnen Fragen.

Hab keine Angst davor neue Erfahrungen zu machen, auch wenn das bedeutet, dass du deine Komfortzone verlassen musst.

Wissen zu unterschiedlichsten Themen ist auch in der Diskussion mit Anderen hilfreich. Hast du dich ausreichend informiert und bist dennoch anderer Meinung als dein Diskussionspartner, kannst du das begründet erklären. Womöglich kann dein Gegenüber so besser nachvollziehen, wo eure Differenzen liegen.

Arbeitet gemeinsam an einer Lösung

Befindest du dich in einer Situation, in der es dir schwer fällt, tolerant zu sein, sprichst du dein Gegenüber im besten Fall darauf an. Beschreibe was genau du an seiner Äußerung oder Handlung nicht in Ordnung findest.

Versucht dann gemeinsam zu erarbeiten, inwiefern sich eure kulturellen Wahrnehmungen unterscheiden. Durch gezieltes Nachfragen nähert ihr euch einander an und versucht nachzuvollziehen, wie die Meinungsverschiedenheit zustande kommt.

Nachdem jeder seine Argumente erklärt hat, sucht ihr nach einer Lösung, die eure unterschiedlichen Meinungen berücksichtigt. Das ist natürlich eine Herausforderung und wird nicht immer funktionieren, aber einen Versuch ist es definitiv wert.

Womöglich stellt sich aber auch heraus, dass eure Differenzen auf einem Missverständnis basieren und eure Ansichten gar nicht so grundverschieden sind, wie zu Beginn gedacht.

Natürlich funktioniert das nur, wenn alle Beteiligten offen für eine Annäherung sind. Gerade wenn du die andere Person gut kennst und weißt, wie sie reagiert, kannst du es mit einer Analyse eurer Situation versuchen.

Ja nachdem worüber ihr diskutiert, bietet sich ein Brainstorming zum Thema an. Sprichst du mit einer völlig fremden Person, ist es sehr schwierig einzuschätzen, ob sie überhaupt daran interessiert ist, eine Lösung zu erarbeiten.

Auch wenn du eine andere Meinung am Ende nicht teilst, trägt ein Austausch womöglich dazu bei, dass du sie nachvollziehen kannst.

Damit ist bereits sehr viel gewonnen. Zudem solltest du immer daran denken, dass alle Menschen verschieden sind. Versuche positiv zu denken und nicht nur die "negativen" Seiten deines Gegenübers zu sehen. Mit einer solchen Einstellung wird es dir leichter fallen, tolerant zu sein.

Aufgeschlossen sein: Das solltest du vermeiden

Gib anderen Meinungen eine Chance

Beachtest du die vorgenannten Tipps, förderst du deine Toleranz gezielt und hast die Möglichkeit deine Fortschritte an Hand der Liste immer wieder aufs Neue zu überprüfen und zu reflektieren.

Es gibt allerdings auch einige Dinge, die du unbedingt vermeiden solltest, wenn du anderen gegenüber aufgeschlossen sein willst. Folgende Punkte zählen dazu.

Dein Gegenüber anklagen

Der größte Fehler, der dir passieren kann, ist deine Mitmenschen für eine Einstellung oder Verhaltensweise anzuklagen und zu verurteilen. Damit widersprichst du der Definition von Toleranz, die besagt, dass Toleranz frei von Beurteilung ist.

Insbesondere wenn du dich noch gar nicht mit einem bestimmten Standpunkt beschäftigt hast, darfst du keine vorschnellen Entscheidungen treffen und schlecht über andere sprechen, nur weil sie einer anderen Meinung sind als du.

Anderen Meinungen keine Chance geben

Lässt du dein Gegenüber nicht aussprechen, sondern unterbrichst ihn sofort, hat er gar keine Möglichkeit seine Meinung korrekt darzustellen. Gib der Erklärung eine Chance.

Vielleicht überrascht sie dich und du kannst den Standpunkt im Nachhinein doch nachvollziehen oder lernst etwas Neues. Es ist ein großer Fehler andere Meinungen gar nicht erst zuzulassen. Jeder Mensch hat in seinem Leben andere positive und negative Erfahrungen gemacht.

Auch die Herkunft und kulturelle Bildung prägen jeden Einzelnen von uns. Aus einem Zusammenspiel all dieser Aspekte ergibt sich eine persönliche Meinung. Es ist also ratsam zu Beginn jeder Meinung eine Chance zu geben. Mit der Zeit merkst du, ob du sie verurteilst oder sie hinnimmst.

Toleranz-Paradoxon

Der österreichische Philosoph Karl Popper beschrieb das sogenannte Toleranz-Paradoxon erstmals in seinem Buch "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" (Band 1, 1945).

Demnach soll das Paradoxon greifen, wenn eine tolerante Macht so tolerant ist, dass sie intoleranten Mächten erlaubt, ihre eigene Toleranz einzuschränken.

Differenzen herausstellen

Niemals solltest du auf den Differenzen herumreiten, die zwischen dir und einer anderen Person existieren. Es ist schlauer, sie zu ignorieren, wenn es gar nicht anders geht. Dann musst du ignorant sein, um einen Streit zu vermeiden.

Meide dazu heikle Gesprächsthemen oder wechsle schnell das Thema, wenn etwas angesprochen wird, das bei dir und deinem Gesprächspartner zu Differenzen führt. Allerdings sollte Ignoranz nur eine Notlösung sein. Versuche zunächst die anderen Tipps anzuwenden.

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