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Mimik deuten: 4 Tipps & 3 Übungen für einen wirksamen Gesichtsausdruck

Viel wichtiger als das gesprochene Wort ist die Mimik. Kannst du Gesichter lesen, erkennst du Absichten und entlarvst Lügner. Mit unseren Tipps und Übungen wirst du sowohl die Mimik Anderer besser deuten als auch deinen eigenen Gesichtsausdruck verbessern können.

Warum Mimik so wichtig ist

Warum Mimik so wichtig ist

Mimik ist ein anderes Wort für Mienenspiel. Gemeint sind also alle Regungen im Gesicht, zum Beispiel Lächeln, Stirnrunzeln, Gähnen, Starren, einen Schmollmund machen und so weiter. Mimiken sind ausgesprochen vielfältig: Etwa 3.000 unterschiedliche Gesichtsausdrücke gibt es Manche Forscher sprechen sogar von bis zu 10.000. Natürlich müssen wir nicht alle diese Möglichkeiten kennen und unterscheiden, das ist auch gar nicht möglich. Aber bestimmte Grundmuster sind wichtig, um die Gefühle und Absichten des Gegenübers zu interpretieren. Wer darin gut ist, schafft es sogar häufig, Lügner zu erkennen. Wer genau hinsieht, kann häufig verräterische Details ausmachen. Dennoch – Mimik lässt sich auch gezielt einsetzen, um andere Menschen von etwas zu überzeugen, mitzureißen oder einfach nur Sympathie zu erzeugen.

Wenn du die Mimik von anderen Menschen besser deuten willst, solltest du sie immer in Kombination mit ihrer Gestik betrachten. Auch wenn wir viel mit unseren Gesichtsausdrücken aussagen, sind diese immer nur ein Teil unserer gesamten Körpersprache.

So lernen wir Gesichtsausdrücke

Gesichter lesen: So lernen wir Mimik

Im Lauf der frühen Kindheit entwickeln wir schon viele Erfahrungen im Deuten von Mimik, wenn auch zunächst sehr vereinfacht: Nach oben gezogene Mundwinkel bedeuten „fröhlich“ oder „glücklich“, nach unten gezogene Mundwinkel „traurig“ oder „enttäuscht“. Diese Grunderfahrungen verfeinern sich im Lauf der Kindheit (und weit darüber hinaus) immer mehr. Obwohl wir nie Unterrichtseinheiten im Mimiklesen bekommen, lernen wir, Gesichtsausdrücke zu deuten, oft intuitiv.

Wir speichern einfach unsere Erfahrungen ab und merken uns ganz automatisch, welchen Gesichtsausdruck andere Menschen in bestimmten Situationen zeigen. Auf diese Weise wird unser Repertoire immer größer. Allerdings bedeutet das nicht, dass wir die Mimik anderer immer richtig deuten: Schließlich können Menschen mit einem Gesichtsausdruck auch Dinge vorspielen, die gar nicht vorhanden sind. Wir alle üben im Lauf des Lebens das Pokerface und lächeln, auch wenn wir uns gar nicht danach fühlen, denn es muss ja nicht jeder Mensch alle unsere Gefühlsregungen sofort erkennen können.

Wie Kinder Gefühle und Gesichtsausdrücke lernen
Die wichtigsten Gefühle selbst mit Mimik auszudrücken und aus den Gesichtsausdrücken Anderer zu lesen, lernen Kinder in den ersten sechs Lebensjahren. Anfangs ist das vor allem Lachen, Weinen oder Schreien. Indem sie selbst immer mehr über ihre Emotionen lernen, können sie diese schließlich auch bei anderen erkennen und nachvollziehen (emotionale Intelligenz verbessern). Beispielsweise spenden viele Kinder ihrem Spielkameraden Trost, wenn dieser weint, weil gestolpert ist. Eltern können diese empathische Entwicklung ihres Kindes fördern, indem sie ihr Kind seine Gefühle ausdrücken lassen. Hilfreich kann auch eine Gefühlsuhr sein, auf dessen Ziffernblatt kleine Gesichter unterschiedliche Gefühlszustände anzeigen. Das Kind kann den Zeiger dann auf einen wütenden, fröhlichen oder traurigen Smiley stellen. Auf keinen Fall sollten Eltern die Gefühlsausdrücke ihres Kindes unterdrücken oder tabuisieren.

Mimik deuten: 4 Tipps zum Lesen von Gesichtern

Grundsätzlich kann jeder Mensch Mimiken deuten. Der Wissenschaftler Paul Ekman hat in den 60er Jahren sogar bewiesen, dass Menschen die sieben Basisemotionen, Freude, Wut, Angst, Ekel, Trauer, Überraschung und Verachtung überall auf der Welt gleich ausdrücken und verstehen können. Doch nicht immer entsprechen Gesichtsausdrücke der tatsächlichen Gefühlslage von anderen Menschen. Wir geben dir Tipps, wie du die Mimik von Anderen besser deuten kannst.

Achte auf häufige Mimiken: 6 Beispiele

Achte auf häufige Mimiken: 6 Beispiele

In sehr vielen Fällen hast du es im Alltag mit Menschen zu tun, die in ihrem Gesichtsausdruck ehrlich sind, also im Gespräch nichts vor dir verbergen wollen. In diesen Situationen kannst du, wenn du einfach mal ein bisschen mehr darauf achtest, sehr viel aus der Mimik herauslesen. Häufig müssen wir den Gesichtsausdrücken unseres Gegenübers einfach nur ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenken. Folgende Mimiken sind Beispiele für Gesichtsausdrücke, die du sehr einfach bestimmten Emotionen und Aussagen zuordnen kannst.

  • Hochgezogene Augenbrauen: Wer die Augenbrauen hebt, bringt damit Überraschung oder auch Skepsis zum Ausdruck. Hebt sich nur eine Augenbraue, steckt zusätzlich oft ein wenig Spott in der Miene.
  • Stirnrunzeln: Auch eine gerunzelte Stirn zeigt Skepsis, bis hin zur Ablehnung. Ist die Stirn dagegen glatt, signalisiert sie Freundlichkeit und offenes Interesse.
  • Vermeiden von Blickkontakt: Wer dem Gesprächspartner kaum oder gar nicht in die Augen schaut, ist wahrscheinlich sehr unsicher.
  • Starren: Ein übertrieben langer Blickkontakt ist dagegen eine Form der Distanzlosigkeit und kann ein Dominanzverhalten oder sogar eine Drohung sein.
  • Häufiges Blinzeln: Wer sehr oft blinzelt, ist möglicherweise nervös und angespannt.
  • Lächeln: Es gibt viele verschiedene Formen von Lächeln, und sie können alle etwas unterschiedliches aussagen. Lächeln kann Freude ausdrücken, Unsicherheit überspielen, Arroganz oder Spott zum Ausdruck bringen und vieles mehr.

Mimik und Gestik in Kombination betrachten

Mimik und Gestik in Kombination betrachten

Neben der Mimik gehört auch die Gestik zu den Ausdrücken unserer Körpersprache. Oft spielen Gestik und Mimik zusammen und ergänzen sich gegenseitig. Manchmal können sich die Signale von beidem aber auch unterscheiden. Das ist meist der Fall, wenn ein Mensch auch in seinem Inneren einen Konflikt mit sich ausmacht (also zwei Ziele gegeneinander kämpfen). Ebenso kann es ein Anzeichen dafür sein, dass dein Gegenüber lügt oder etwas verheimlichen will. Vielleicht bist ja schon einem Menschen begegnet, der in jedem Gespräch übertrieben freundlich zu lächeln scheint. Oft sagt seine sonstige Körpersprache jedoch etwas ganz anderes aus. Beispielsweise, indem er sich dir nicht wirklich zuwendet oder stocktsteif in einigem Abstand dasteht.

Wenn du selbst an deiner Mimik arbeiten willst, um auf andere überzeugender und authentischer zu wirken, solltest du ebenfalls ergänzend deine Gestik trainieren. Nur so wird deine gesamte Körpersprache effektiv und unterstreicht den Inhalt deiner Worte.

Gesichtsausdrücke im Gesamtbild sehen

Einzelne Mimik-Zeichen wie das Starren oder Stirnrunzeln können zwar wichtige Signale geben, aber letzten Endes ist immer der Gesamteindruck entscheidend. Eine einzelne Geste sagt ebenso zunächst gar nichts aus. Ein Beispiel: Häufiges Blinzeln kann ein Zeichen für Anspannung oder Nervosität sein. Es wäre aber völlig falsch, deswegen bei jedem Zwinkern misstrauisch zu werden. Schließlich könnte dein Gegenüber auch einfach trockene Augen oder eine Allergie haben, von der Sonne geblendet werden oder aus anderen Gründen häufig blinzeln.

Deshalb gilt immer: Das Gesamtbild ist entscheidend. Wenn dein Gesprächspartner zusätzlich häufig den Blickkontakt vermeidet, eher in sich zusammengesunken dasteht und mit leiser Stimme redet, ist er oder sie wohl unsicher, dazu würde dann auch das häufige Zwinkern passen. Ein einzelnes Signal ist selten ausschlaggebend, das Bild muss sich immer aus mehreren Details zusammensetzen. Frage dich auch, ob die Mimik im Kontext des Gesprochenen Sinn ergibt. Hier ist auch Empathie gefragt. Hat jemand zum Beispiel eigentlich gar keinen Grund zu lächeln oder könnte er in Wahrheit viel wütender sein als es scheint?

Mikroexpressionen: Verräterische Details entlarven die Lügner

Mikroexpressionen: Verräterische Details entlarven die Lügner

Unsere Mimik ist direkt mit unserem Emotionszentrum im Gehirn verbunden, und das ist ein wenig schneller als unser Verstand. Das bedeutet, dass du meist einen winzigen Moment lang anhand kleiner Bewegungen im Gesicht die wahren Gefühle in der Mimik erkennen kannst, bevor das Pokerface wieder aufgesetzt wird (Pokern lernen). Diese minimalen Gesichtsausdrücke heißen auch Mikroexpressionen oder Mikroausdrücke. Dadurch kannst du (mit viel Übung) auch Lügner oder Aufschneider entlarven oder die wahren Gedanken und Gefühle eines Gesprächspartners wahrnehmen. Und so geht’s:

  • Achte auf den allerersten Moment, in dem du deinem Gesprächspartner zum Beispiel einen Vorschlag machst. Das ist der Augenblick, in dem du vielleicht sehen kannst, ob er oder sie deiner Idee positiv oder negativ gegenübersteht. Dabei musst du wirklich schnell sein: Die Mikroexpressionen zeigen sich nur für Sekundenbruchteile.
  • Hinweise auf Ablehnung können zum Beispiel eine hochgezogene Oberlippe oder eine gerümpfte Nase sein, Skepsis kann sich in hochgezogenen oder zusammengezogenen Augenbrauen oder geschürzten Lippen zeigen.
  • Generell gilt: Je wichtiger jemandem ein Thema ist, umso stärker sind die Gefühle und umso stärker sind die Mikroexpressionen. Das gilt zum Beispiel bei inneren Konflikten, aber auch bei einer hohen Gewinn- oder Verlusterwartung.

Nicht jeder kann Mimik deuten

Nicht jeder kann Mimik deuten

Das Mienenspiel eines anderen Menschen zu erkennen, ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Die meisten Menschen lernen intuitiv, die wichtigsten Gesichtsausdrücke sicher zu unterscheiden und auch Ironie oder Spott im Gesicht des anderen zu erkennen. Das ist auch eine wichtige Fähigkeit, weil sie das Zusammenleben zwischen Menschen deutlich erleichtert. Allerdings kann nicht jeder die Gesichtsausdrücke deuten. Ein großes Problem bereitet das zum Beispiel autistischen Menschen. Ihnen fällt es sehr schwer, die Gefühle anderer Menschen einzuschätzen oder selbst Gefühle zu zeigen. Das bedeutet nicht, dass sie keine Gefühle hätten, aber sie sprechen die „Sprache“ der Mimik nicht oder nur sehr eingeschränkt.

3 Übungen für bessere Gesichtsausdrücke

Ebenso wie das Lesen von Mimik, bereiten vielen Menschen auch ihre eigenen Gesichtsausdrücke Schwierigkeiten. Manchmal ist zu viel und oft zu wenig Regung im Gesicht. Dabei hängt ein Großteil unseres Charismas von unserer Mimik ab, da wir über sie die meisten Informationen über uns preisgeben. Wir zeigen dir drei praktische Übungen, mit denen du deine Mimik und damit deine Wirkung auf andere verbessern kannst.

Analysiere die Mimik von anderen Menschen

Um das Mimiklesen zu üben, hilft es vor allem, andere Menschen zu beobachten. Setz dich einfach mal ins Café und achte darauf, was du aus den Gesichtern der anderen Gäste oder der vorbeigehenden Passanten ablesen kannst. Vielleicht erkennst einen Streit oder Flirt, ohne auch nur ein Wort mitzuhören. Du wirst erstaunt sein, wie viel das ist.

Noch intensiver und wirkungsvoller wird die Übung, wenn du mit einem Freund oder eine Freundin über das Gesehene redest. Interpretiert er oder sie die Gesichter genauso wie du? Sieht er oder sie noch Dinge, die dir nicht aufgefallen sind? Natürlich solltet ihr darauf achten, dass ihr bei dieser Übung diskret seid. Die Tischnachbarn werden wohl nur wenig Verständnis dafür aufbringen, wenn ihr lautstark über ihre möglichen Gefühle redet – selbst wenn es nur darum geht, das Lesen der Mimik zu lernen.

Beobachte deine eigene Mimik

Beobachte deine eigene Mimik

Zum Abschluss noch eine weitere interessante Übung: Schau dir doch mal deine eigene Mimik an, zum Beispiel auf Fotos oder in Videoaufnahmen, bei denen du unbeobachtet warst. Welche Signale sendest du mit deinem Mienenspiel? Vielleicht stellst du fest, dass du dein Gesicht nur minimal bewegst. Oder auf der anderen Seite, dass du viel zu viel Mimik verwendest. Bist du dir selbst unsicher, wie deine Gesichtsausdrücke auf andere wirken, frage einen Freund oder ein Familienmitglied nach Feedback. Lasse dich von ihm einen Tag lang genau beobachten, halte vor ihm einen Vortrag oder zeige ihm eine Videoaufnahme.

Trainiere deine Gesichtsausdrücke

Trainiere deine Gesichtsausdrücke

Für deine Mimik sind viele kleine Muskeln in deinem Gesicht verantwortlich. Setzt du den ganzen Tag über ein Pokerface auf, verkümmern diese allerdings und aussagekräftige Gesichtsausdrücke werden sich für dich immer ungewohnter anfühlen. In diesem Zusammenhang hast du bestimmt schon einmal von einem "Resting-Bitch-Face" gehört. Also ein Gesicht, dessen Normalzustand hängende Mundwinkel und ein allgemein lustloser Ausdruck ist. Das ist allerdings kein Zeichen von Gefühlskälte oder Antriebslosigkeit, sondern teilweise genetisch bedingt. Oder eben ein Zeichen von zu wenig benutzten Gesichtsmuskeln.

Darum solltest du die Muskeln in deinem Gesicht regelmäßig beanspruchen. Dazu kannst du beispielsweise einmal am Tag das breiteste Grinsen aufsetzen, das dir möglich erscheint. Mache die Übung auch, wenn du dich nicht danach fühlst. Allein durch das Lächeln wirst du dich nebenbei wahrscheinlich auch etwas fröhlicher fühlen. Weiterhin kannst du dein Gesicht auch trainieren, indem du alles zusammenkneifst und anschließend Augen und Mund so weit öffnest wie es geht. Oder du schneidest einfach verschieden Grimassen. Diese Übung ist zudem hervorragend als Aufwärm-Methode vor einem Bühnenauftritt oder einer Präsentation geeignet.

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