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Mimik: So lernst du, Gesichter zu lesen

Das gesprochene Wort macht nur einen kleinen Teil jeder Kommunikation aus, viel bedeutender ist die nonverbale Kommunikation. Ein wichtiger Teil davon ist die Mimik, doch die will erst mal richtig interpretiert sein.

Begriffsklärung: Das gehört zur Mimik

Mimik ist ein anderes Wort für Mienenspiel. Gemeint sind also alle Regungen im Gesicht, zum Beispiel Lächeln, Stirnrunzeln, Gähnen, Starren, einen Schmollmund machen und so weiter. Das Mienenspiel ist ausgesprochen vielfältig: Etwa 3.000 unterschiedliche Varianten gibt es, manche Forscher sprechen sogar von bis zu 10.000. Natürlich müssen wir nicht alle diese Möglichkeiten kennen und unterscheiden, das ist auch gar nicht möglich. Aber bestimmte Grundmuster sind wichtig, um die Gefühle und Absichten des Gegenübers zu interpretieren. Wer darin gut ist, schafft es sogar häufig, Lügner zu erkennen. Denn die Mimik kann zwar gezielt eingesetzt werden, aber nur bis zu einem gewissen Grad – viele Muskeln im Gesicht können nur sehr schwer bewusst angesprochen werden. Doch zunächst zu grundlegenderen Themen rund um die Mimik.

So lernen wir, Mimik zu deuten

Im Lauf der frühen Kindheit entwickeln wir schon viele Erfahrungen im Deuten von Mimik, wenn auch zunächst sehr vereinfacht: Nach oben gezogene Mundwinkel bedeuten „fröhlich“ oder „glücklich“, nach unten gezogene Mundwinkel „traurig“ oder „ärgerlich“. Diese Grunderfahrungen verfeinern sich im Lauf der Kindheit (und weit darüber hinaus) immer mehr. Obwohl wir nie Unterrichtseinheiten im „Mimik lesen“ bekommen, lernen wir, Gesichtsausdrücke zu deuten, oft intuitiv.

Wir speichern einfach unsere Erfahrungen ab und merken uns ganz automatisch, welchen Gesichtsausdruck andere Menschen in bestimmten Situationen zeigen. Auf diese Weise wird unser Repertoire immer größer. Allerdings bedeutet das nicht, dass wir die Mimik anderer immer richtig deuten: Schließlich kann man mit einem Gesichtsausdruck auch Dinge vorspielen, die gar nicht vorhanden sind. Wir alle üben im Lauf des Lebens das Pokerface und lächeln, auch wenn wir uns gar nicht danach fühlen, denn es muss ja nicht jeder Mensch alle unsere Gefühlsregungen sofort erkennen können.

Achte auf häufige Mimik-Zeichen

Mimik deuten will gelernt sein

In sehr vielen Fällen hast du es im Alltag aber mit Menschen zu tun, die in ihrem Gesichtsausdruck ehrlich sind, also im Gespräch nichts vor dir verbergen wollen. In diesen Situationen kannst du, wenn du einfach mal ein bisschen mehr darauf achtest, sehr viel aus der Mimik herauslesen. Das sind häufige Beispiele mit mehr oder weniger klarer Aussage:

  • Hochgezogene Augenbrauen: Wer die Augenbrauen hebt, bringt damit Überraschung oder auch Skepsis zum Ausdruck. Hebt sich nur eine Augenbraue, steckt zusätzlich oft ein wenig Spott in der Miene.
  • Stirnrunzeln: Auch eine gerunzelte Stirn zeigt Skepsis, bis hin zur Ablehnung. Ist die Stirn dagegen glatt, signalisiert sie Freundlichkeit und offenes Interesse.
  • Vermeiden von Blickkontakt: Wer dem Gesprächspartner kaum oder gar nicht in die Augen schaut, ist wahrscheinlich sehr unsicher.
  • Starren: Ein übertrieben langer Blickkontakt ist dagegen eine Form der Distanzlosigkeit und kann ein Dominanzverhalten oder sogar eine Drohung sein.
  • Häufiges Blinzeln: Wer sehr oft blinzelt, ist möglicherweise nervös und angespannt.
  • Lächeln: Es gibt viele verschiedene Formen von Lächeln, und sie können alle etwas unterschiedliches aussagen. Lächeln kann Freude ausdrücken, Unsicherheit überspielen, Arroganz oder Spott zum Ausdruck bringen und vieles mehr.

Das Gesamtbild ist entscheidend

Einzelne Mimik-Zeichen wie das Starren oder Stirnrunzeln können zwar wichtige Signale geben, aber letzten Endes ist immer der Gesamteindruck entscheidend. Eine einzelne Geste sagt erst einmal gar nichts aus. Ein Beispiel: Im letzten Absatz haben wir dir erklärt, dass häufiges Blinzeln ein Zeichen für Anspannung oder Nervosität sein kann. Es wäre aber völlig falsch, deswegen bei jedem Zwinkern misstrauisch zu werden. Schließlich könnte dein Gegenüber auch einfach trockene Augen oder eine Allergie haben, von der Sonne geblendet werden oder aus anderen Gründen häufig blinzeln.

Deshalb gilt immer: Das Gesamtbild ist entscheidend. Wenn dein Gesprächspartner zusätzlich häufig den Blickkontakt vermeidet, eher in sich zusammengesunken dasteht und mit leiser Stimme redet, ist er oder sie wohl unsicher, dazu würde dann auch das häufige Zwinkern passen. Ein einzelnes Signal ist selten ausschlaggebend, das Bild muss sich immer aus mehreren Details zusammensetzen.

Mikroexpressionen: Verräterische Details

Unsere Mimik ist direkt mit unserem Emotionszentrum im Gehirn verbunden, und das ist ein wenig schneller als unser Verstand. Das bedeutet, dass man meist einen winzigen Moment lang die wahren Gefühle in der Mimik erkennen kann, bevor das Pokerface wieder aufgesetzt wird. Dadurch kannst du (mit viel Übung) auch Lügner oder Aufschneider entlarven oder die wahren Gedanken und Gefühle eines Gesprächspartners wahrnehmen. Und so geht’s:

  • Achte auf den allerersten Moment, in dem du deinem Gesprächspartner zum Beispiel einen Vorschlag machst. Das ist der Augenblick, in dem du vielleicht sehen kannst, ob er oder sie deiner Idee positiv oder negativ gegenübersteht. Dabei musst du wirklich schnell sein: Die Mikroexpressionen zeigen sich nur für Sekundenbruchteile.
  • Hinweise auf Ablehnung können zum Beispiel eine hochgezogene Oberlippe oder eine gerümpfte Nase sein, Skepsis kann sich in hochgezogenen oder zusammengezogenen Augenbrauen oder geschürzten Lippen zeigen.
  • Generell gilt: Je wichtiger jemandem ein Thema ist, umso stärker sind die Gefühle und damit auch die Mikroexpressionen. Das gilt zum Beispiel bei inneren Konflikten, aber auch bei einer hohen Gewinn- oder Verlusterwartung.

Nicht jeder kann Mimik deuten

Für viele Autisten sehen wir so aus

Das Mienenspiel eines anderen Menschen zu erkennen, ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Die meisten Menschen lernen intuitiv, die wichtigsten Gesichtsausdrücke sicher zu unterscheiden und auch Ironie oder Spott im Gesicht des anderen zu erkennen. Das ist auch eine wichtige Fähigkeit, weil sie das Zusammenleben zwischen Menschen deutlich erleichtert. Allerdings kann nicht jeder die Gesichtsausdrücke deuten. Ein großes Problem bereitet das zum Beispiel autistischen Menschen. Ihnen fällt es sehr schwer, die Gefühle anderer Menschen einzuschätzen oder selbst Gefühle zu zeigen. Das bedeutet nicht, dass sie keine Gefühle hätten, aber sie sprechen die „Sprache“ der Mimik nicht oder nur sehr eingeschränkt.

Übung: Andere Menschen beobachten

Um das Mimiklesen zu üben, hilft es vor allem, andere Menschen zu beobachten. Setz dich einfach mal ins Café und achte darauf, was du aus den Gesichtern der anderen Gäste oder der vorbeigehenden Passanten ablesen kannst. Du wirst erstaunt sein, wie viel das ist. Noch intensiver und wirkungsvoller wird die Übung, wenn du mit einem Freund oder eine Freundin über das Gesehene redest. Interpretiert er oder sie die Gesichter genauso wie du? Sieht er oder sie noch Dinge, die dir nicht aufgefallen sind? Natürlich solltet ihr darauf achten, dass ihr bei dieser Übung diskret seid. Die Tischnachbarn werden wohl nur wenig Verständnis dafür aufbringen, wenn ihr lautstark über ihre möglichen Gefühle redet – selbst wenn es nur darum geht, das Lesen der Mimik zu lernen.

Zum Abschluss noch eine weitere interessante Übung: Schau dir doch mal deine eigene Mimik an, zum Beispiel auf Fotos oder in Videoaufnahmen, bei denen du unbeobachtet warst. Welche Signale sendest du mit deinem Mienenspiel?

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