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Gaslighting: 6 Anzeichen, Beispiele & 5 Tipps zum Umgang

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Fast jeder war schon einmal Opfer von Gaslighting – einer Manipulationstechnik, die die Betroffenen verunsichert und an sich zweifeln lässt. Das Gefährliche an dieser Manipulation ist, dass den meisten Betroffenen gar nicht bewusst ist, was ihnen widerfährt. Im Folgenden erklären wir, was Gaslighting eigentlich ist, wie du diese psychische Gewalt sowohl als Opfer als auch als Außenstehender erkennst, und nennen dir Tipps zum Umgang mit der Manipulation.

Definition von Gaslighting

Gaslighting ist definiert als "Ausübung von psychischer Gewalt, durch die das Opfer manipuliert, desorientiert und in seiner Realitäts- und Selbstwahrnehmung stark verunsichert wird". Der Begriff bezeichnet also eine Manipulationstechnik, die darauf abzielt, den Betroffenen durch falsche Informationen dazu zu bringen, seiner eigenen Wahrnehmung zu misstrauen und seine eigene psychische Gesundheit zu hinterfragen. Damit dreht der Täter die Situation um und macht das Opfer zum Täter.

Auf deutsch bedeutet Gaslighting "Gasbeleuchtung". Die Bezeichnung hat aber nichts mit der semantischen Bedeutung des Wortes zu tun. Der Begriff wurde vom Titel des Theaterstücks Gaslight von Patrick Hamilton übernommen, da in dem Stück genau diese Form der psychischen Gewalt beschrieben und thematisiert wird.

Anzeichen & Beispiele von Gaslighting

Gaslighting kann uns überall begegnen, in einer Liebesbeziehung, in Freundschaften, innerhalb einer Familie oder am Arbeitsplatz. Um dich gegen diese Art der Manipulation wehren zu können, musst du sie zunächst erkennen. Im Folgenden zeigen wir dir Anzeichen für Gaslighting und nennen dir typische Sätze, die Gaslighter verwenden, um dir zu helfen, die Manipulationstechnik zuverlässig identifizieren zu können.

Erwecken von Zweifeln am eigenen Urteilsvermögen

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Täter geben dem Opfer das Gefühl, dass sie ein psychisches Problem haben

In einer Auseinandersetzung oder einer Diskussion neigt der Gaslighter dazu, das Wahrnehmungsvermögen der betroffenen Person herabzusetzen. Er präsentiert diese Unterstellung als Fakt, sodass das Opfer selbst beginnt, an seiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. Folglich gibt es auch keine Grundlage für eine weitere Diskussion, da beide Parteien fälschlicherweise davon ausgehen, dass die betroffene Person nicht in der Lage ist, die Situation korrekt wahrzunehmen.

Typische Sprüche für diese Manipulationsmethode sind:

  • "Du spinnst!"
  • "Du bist verrückt!"
  • "Das bildest du dir ein!"
  • "Du hast psychische Probleme!"
  • "Du brauchst Hilfe!"

Aufdecken von Schwächen

Eine weitere Vorgehensweise beim Gaslighting, die häufig zu beobachten ist, ist das Aufdecken von vermeintlichen Schwächen des Opfers durch den Täter. Der Gaslighter unterstellt der betroffenen Person, dass die Situation nur aufgrund einer bestimmten Charaktereigenschaft derselben entstanden ist. Vielleicht hat diese Person wirklich diese Schwäche, doch ist sie nicht der Ursprung dieser Auseinandersetzung.

Der Gaslighter versucht so nicht nur, die Verantwortung in dieser Situation auf sein Gegenüber zu übertragen, sondern lenkt zudem die Gedanken des Opfers auf eventuelle Schwachstellen. Die betroffene Person wird dementsprechend zusätzlich aus der Bahn geworfen und fühlt sich zunehmend schlecht, da die Gedanken nun um die eigenen Schwächen kreisen.

Das erreicht der Täter durch Sprüche wie:

Falsche Schuldzuweisungen

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Gaslighter weisen die Schuld von sich ab und beschuldigen ihr Gegenüber

Der Täter schiebt somit gerne dem Gesprächspartner die Schuld zu. Er oder sie hat ja das Gespräch gesucht und ein bestimmtes Thema angesprochen. Er stellt also nicht das eigentliche Problem beziehungsweise den eigenen Fehler als Ursache der Auseinandersetzung dar, sondern das Ansprechen dieses Fehlers durch die andere Person.

Das macht der Gaslighter in Sätzen wie:

  • "Du hast doch damit angefangen!"
  • "Merkst du nicht, dass du das Problem bist?"

Diese Schuldzuweisungen können darüber hinaus verstärkt werden, indem der Täter zusätzlich äußert, wie entsetzt und genervt er davon ist, dass dieses Thema immer wieder angesprochen wird. Damit impliziert er, dass die andere Person kein Recht hat, immer wieder auf dieser Sache rumzureiten und dass das Ansprechen des Problems unangebracht ist. Das kann beim Gesprächspartner Verlustängste hervorrufen, da er befürchtet, dass der Gaslighter irgendwann einen Schlussstrich zieht und sich abwendet, da er so genervt ist.

Das äußert er zum Beispiel so:

  • "Jetzt fang nicht schon wieder damit an!"
  • "Du nervst mit deinem ständigen …!"
  • "Das lasse ich mir nicht mehr lange gefallen!"

Vorwurf destruktiver Eigenschaften

Das wiederholte Ansprechen führt dementsprechend zu wiederholten Schuldzuweisungen des Täters an das Opfer. Das spinnt der Täter soweit, dass er dieses Muster als negative Charaktereigenschaft seines Gegenübers darstellt. Zudem suggeriert er, dass das Zusammenleben einfacher und besser wäre, wenn diese Person diese (von ihm zugewiesene) Charaktereigenschaft nicht hätte. Der Gaslighter wirft der Person vor, dass sie die Beziehung mit dem Verhalten stört und allmählich zerstört.

Das geschieht durch Äußerungen wie:

  • "Das ist typisch für dich!"
  • "Es war klar, dass das jetzt kommt!"
  • "Ach, wie schön hätten wir es, wenn du nicht immer so … wärst!"

Isolation des Verhaltens

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Die Betroffenen von Gaslighting zweifeln an sich selbst und fühlen sich allein

Zudem lässt der Täter die betroffene Person denken, dass sie mit seiner Wahrnehmung und dem entsprechenden Handeln alleine ist. Er stellt das Verhalten als unnormal dar und behauptet, dass “normale” Menschen sich so nicht verhalten würden. Damit wird das Opfer vom Rest der Gesellschaft isoliert. Die Folgen sind nicht nur, dass die Person sich damit alleine und unverstanden fühlt, sondern zusätzlich, dass sie sich nicht traut, anderen davon zu erzählen. Sie geht davon aus, dass sie die einzige Person ist, die so denkt und dass niemand diese Gedanken nachvollziehen kann.

Das erreicht der Gaslighter durch Sprüche wie:

  • "Niemand regt sich über sowas auf!"
  • "Dein Verhalten ist so peinlich!"
  • "Wenn dich jemand gerade hören könnte …!"

Emotionaler Zustand als Ursache für Reaktion

Zuletzt manipuliert der Täter seinen Gesprächspartner, indem er eine bestimmte Gefühlslage dieser Person als Grund für dieses Verhalten vorschiebt und damit die eigentliche Ursache des Gesprächs unter den Tisch kehrt. Der Gaslighter stellt die Situation also so dar, dass es keinen objektiven Grund für die geäußerte Kritik gibt und dass sie von der Person eben nur geäußert wird, weil sie gerade emotional angespannt oder aufgeladen ist.

Dazu nutzt der Gaslighter mitunter folgende Sätze:

  • "Entspann’ dich mal!"
  • "Komm’ erstmal wieder runter."
  • "Du bist schon wieder so empfindlich!"
  • "Du bist schon wieder so gereizt!"

Gaslighting Test & Selbsttest

Um zu testen, ob du von Gaslighting betroffen bist, kannst du an vergangene Gespräche zurückdenken und objektiv die oben genannten Anzeichen durchgehen oder bei zukünftigen Gesprächen gezielt darauf achten.

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Meistens wenden Narzissten Gaslighting an

Meistens nutzen Narzissten Gaslighting gezielt als Manipulationsmethode, da sie keine Kritik annehmen können, und weisen die Schuld somit dem Gesprächspartner zu. Dank ihrer Redegewandtheit gelingt ihnen das häufig. Doch es kann auch sein, dass Menschen diese Kommunikationsmuster unbewusst einsetzen, da sie in der Vergangenheit mit diesem Verhalten Erfolg hatten und sich die Muster daher eingeprägt haben.

Um herauszufinden, ob du andere Menschen mit Gaslighting manipulierst, kannst du dich an folgenden Fragen orientieren:

  • Fällt es dir schwer, Fehler einzugestehen und Kritik anzunehmen?
  • Suchst du, wenn jemand Kritik an dir äußert, nach anderen Gründen für die entstandene Situation?
  • Weist du die Schuld von dir selbst ab und überträgst sie zu unrecht auf andere?
  • Unterstellst du deinem Gegenüber bestimmte Eigenschaften oder Schwächen, die mit der eigentlichen Situation nichts zu tun haben?

Wenn du die Vermutung hast, dass du dich deinen Mitmenschen gegenüber manipulativ verhältst, solltest du um Hilfe bitten. Du kannst dich zunächst nahestehenden Personen gegenüber öffnen und sie um ihre Einschätzung bitten – sie sind vermutlich schon Opfer deines Gaslightings gewesen. Wenn sie deine Vermutung bestärken, solltest du dich auf professionelle Hilfe eines Therapeuten einlassen. Alleine wird es dir kaum möglich sein, dich von diesen Verhaltensmustern zu lösen.

Was tun gegen Gaslighting?

Wenn du Opfer von Gaslighting bist, ist es wichtig, die Situation nicht auszusitzen, sondern zu handeln und dich zu wehren. Die ständige Manipulation macht den Umgang und das Gespräch mit diesen Menschen unmöglich. Doch nicht nur das: Darüber hinaus wirst du zunehmend verunsichert und du beginnst, an deiner Wahrnehmung von Situationen und von dir selbst zu zweifeln. Je nachdem, ob du Gaslighting in deiner Beziehung, einer Freundschaft, deiner Familie oder am Arbeitsplatz ausgesetzt bist, hast du verschiedene Möglichkeiten zu handeln.

Anlass der Auseinandersetzung bewusst machen

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Mach dir den Anlass der Auseinandersetzung immer wieder bewusst

Wenn du eine Person auf ein Problem oder einen Fehler ansprichst, die zu Gaslighting neigt, solltest dir die oben genannten Methoden des Gaslightings bewusst machen. Halte stets an dem Anlass des Gesprächs fest und lasse dich nicht durch Schuldzuweisungen ablenken oder aus der Bahn werfen. Sei dir stets darüber bewusst, dass du einen berechtigten Grund hattest, das Thema anzusprechen und lass dir das nicht ausreden.

Mit anderen Absprache halten

Falls du dir unsicher sein solltest, ob du nicht vielleicht doch die Situation falsch einschätzt, vor allem wenn die Unsicherheit durch deinen Gesprächspartner hervorgerufen wurde, solltest du mit einer weiteren objektiven Person darüber sprechen. Schildere unvoreingenommen die Situation, also mit welchem Anliegen du das Gespräch ursprünglich begonnen hast, wie dein Gesprächspartner reagiert hat, und wie du dich anschließend gefühlt hast. Diese objektive Sichtweise hat den Vorteil, dass die Person nicht von dem Gaslighter manipuliert werden kann und einschätzen kann, ob du unbewusst Opfer der Manipulation geworden bist, oder ob dein Gesprächspartner mit seinen Einwänden im Recht war.

Unterstützung suchen

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Schließe dich mit Gleichgesinnten zusammen

Wenn du realisierst, dass du Opfer von Gaslighting bist, kann es helfen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Wenn dein Partner dich manipuliert, kannst du dich zum Beispiel an dessen Familie oder enge Freunde wenden. Falls du im Freundeskreis Gaslighting ausgesetzt bist, kannst du dich mit anderen Freunden austauschen, innerhalb der Familie kannst du die anderen Familienmitglieder darauf ansprechen und am Arbeitsplatz solltest du dich an Kollegen werden, denen du vertraust.

Diese Personen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit den gleichen Manipulationsmethoden ausgesetzt sein wie du. So könnt ihr euch gegenseitig beraten und unterstützen. Vielleicht haben einige von ihnen eine Möglichkeit gefunden, damit umzugehen, und können dir helfen, dich zu wehren.

Eventuell war manchen von ihnen noch gar nicht bewusst, dass sie manipuliert wurden und haben sich dementsprechend runtermachen lassen, die Schuldzuschreibungen fälschlicherweise angenommen und fühlen sich daher schlecht. Diese Menschen werden unendlich dankbar sein, dass du ihnen die Augen öffnest, da sie sich endlich verstanden fühlen. Gerade bei dieser Art der Manipulation hilft es allen Betroffenen, mit Leidensgenossen zu sprechen. Auf diese Weise können sie sich gegenseitig bewusst machen, dass sie in ihrer Wahrnehmung sehr wohl richtig liegen und können nachvollziehen, wie sie sich haben beeinflussen lassen.

Kontakt abbrechen

Wenn du sehr unter der Manipulation des Gaslighters leidest und keine Verbindung zu ihm hast, die für dich von großer Bedeutung ist, solltest du dir selbst zuliebe den Kontakt abbrechen. Gaslighting kann dich in eine Spirale ziehen, sodass du zunehmend an dir und deiner Wahrnehmung zweifelst und dich immer einsamer und unverstandener fühlst, zu unrecht. Dieser Situation solltest du dich nicht länger aussetzen.

Hilfe suchen

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Lasse dich von Experten unterstützen und rate auch Tätern dazu

In jedem Fall solltest du dir als Betroffener von Gaslighting auch professionelle Hilfe suchen und eine Therapie beginnen. Das ist keineswegs ein Eingeständnis, dass du ein psychisches Problem hast, wie ein Gaslighter es behaupten würde. Du zeigst auf diese Weise, dass du dich gegen die Spielchen des Täters wehrst und dir nichts einreden lässt.

Gegen diese Manipulation kannst du alleine kaum ankommen. Deswegen ist es wichtig, dass du dir einen Experten suchst, der dir dabei hilft, dich dem Strudel zu widersetzen.

Falls dir etwas an der Person liegt, möchtest und kannst du den Kontakt wahrscheinlich nicht ohne weiteres abbrechen. In dem Fall bleibt dir eigentlich nur die Möglichkeit zu versuchen, dem Manipulator sein Verhalten und dessen Folgen auf sein Umfeld bewusst zu machen und auf Einsicht zu hoffen, dass es so nicht weitergehen kann. Wenn die Person sein Problem einsieht, kannst du sie ermutigen, ebenfalls professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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